Ein tanzender Moor (1480)

1480 lieferte Erasmus Grasser seinem Gönner Herzog Albrecht IV. von Bayern eine Serie von sechzehn „Moriskentänzern“. Der Herzog bemühte sich das Ansehen seiner Familie aufzuwerten, indem er einen grandiosen neuen Festsaal mit Symbolen seiner globalen Reichweite schmückte, inklusive himmlischen Figuren, Wappen, die die ganze Welt repräsentieren sollten, und den Tänzern. Der Moriskentanz war ein beliebter Tanz der Renaissance, wo die Künstler fantasiereiche Kostüme anzogen, einschließlich mit oft schwarz angemalten Gesichtern, und komische und akrobatische Tanzleistungen aufführten. Wie der Name schon vermuten lässt, stammte er als eine stilisierte Adaptierung – und oft als Parodie – des Tanzes und musikalischen Stils von den „Mohren“ im muslimischen Spanien und den afrikanischen Sklaven rundum das Mittelmeer. Der Stil wurde von Truppen reisender Künstler, die alle Schichten der Gesellschaft unterhielten, in Europa verbreitet und diese Form nahm ortsspezifische Eigenschaften an, wie zum Beispiel im Englischen „morris dancing“ (Morris Dance).

Grassers Figuren können als Kennzeichnung komischer „Typen“ dieser Ära aufgefasst werden, inklusive den exotischen Gestalten, wie einem Magier im Turban als auch alltäglicheren Figuren wie einem Schneider. In diesem Kontext ist der Einbezug eines „Mohren“ bemerkenswert. Grassers wunderschön geschnitzte Figuren zeigen uns, dass schwarze Merkmale mit feinfühligen Details und ohne Karikatur dargestellt werden konnten. Gleichzeitig deutet die Beliebtheit des Morisken, den seine Tänzer darstellen, auf die erniedrigende Darstellung von schwarzen Figuren als hin.

Jeff Bowersox (translated by Liliam Gergely)


English

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Source: Erasmus Grasser, Afrikanischer Moriskentänzer („Mohr“) (1480, restored 1928), Munich, Münchner Stadtmuseum Inv.-Nr. K-Ic/222. Photo by P. Fliegauf, D. Jordens-Meintker ©.


Ein tanzender Moor (1480) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.
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