The Akwa trial (1906)

Intro


Über die Gerichtsverhandlung gegen Kameruner Häuptlinge, welche in Berlin wegen der ihnen vom Gouverneur v. Puttkamer wiederfahrenen Behandlung beklagt hatten, liegt dem “Hamb. Frendenb.” jetzt ein Bericht aus Duala vor. Demnach verteidigten sich die angeklagten Häuptlinge gegen den Vorwurf, über den Kopf des Gouverneurs weg sich in Deutschland beschwert zu haben, folgendermaßen:

Es sei nicht wahr, wenn behauptet würde, die Beschwerde sei ohne Wissen des Gouverneurs nach Deutschland geschickt worden. Sie hätten vielmehr dem Gouverneur vorher in Buea sämtliche Beschwerden vorgelegt, hätten aber entweder nie Antwort von dem Gouverneur bekommen, oder er habe barsch sagen lassen, sie sollten sich nicht unterstehen, ihm noch einmal mit Beschwerden zu kommen. Als alle Vorstellungen denn Gouverneur nichts halfen, habe sich dann King Akwa im Jahre 1902 nach Berlin begeben und die Klagen im Auswärtigen Amt vorgetragen. Herr Dr. Dobberitz hat damals versprochen, daß die Wünsche erfüllt werden sollten. Weil das Versprechen selbst nach drei Jahren noch nicht eingeist (?) worden ist, schickten die Häuptlinge dann ihre Beschwerdeschrift an den Reichstag und den Herrn Reichskanzler. Auf Befragen des Vorsitzenden erklären die Beschwerdeführer, es sei wahr, daß sie gebeten hätten, noch vor der Untersuchung den Herrn Gouverneur zurückzuberufen, weil sie sehr befürchten mußten, daß der Herr Gouverneur sonst noch einen Gewaltakt in Kamerun gegen sie begehen würde. Diese Befürchtung sei da nun wirklich auch eingetreten, denn sie seinen wegen der Unterzeichnung und Abschickung der Beschwerde verhaftet worden.

Am 5. Dezember wurden die Gerichtsverhandlungen beendet, und King Akwa erhielt 9 Jahre Gefängnis, die Großhäuptlinge Fred Mokuri 7 Jahre und Barowa Anjo a Dibonje 3 Jahre, die Häuptlinge Akwa Elame 2 1/2 Jahre, Cheef und Black Akwa von Bonejan je 1 1/2 Jahre, und die übrigen Unterhäuptlinge je 3 Monate. Das Gericht stellte sich bei diesem Urteil auf den Standpunkt, daß das Beschwerdeführen über den Kopf des Gouverneurs hinweg eine Unbotmäßigkeit und geeignet sei, die deutsche Autorität zu untergraben. Deshalb habe man es für nötig befunden, besonders hohe Strafen zu verhängen. – Man wird abwarten müssen, was der Gouverneur v. Puttkamer, der jetzt nach Deutschland zurückberufen ist, zu dieser Darstellung der Vorgänge zu sagen hat. Vor allem wird festzustellen sein, ob es sich bei den Beschwerden des King Akwa und der Häuptlinge um Klagen gehandelt hat, denen irgend welche Berechtigung zuzumessen ist, oder lediglich um bosartige Verleumdungen des deustchen Gouverneurs. Nur im letzteren Falle wäre das Urtal ja zu verstehen, während unter anderen Umständen ein sehr energisches Einschreiten gegen eine solche Rechtssprechung angebracht erscheinen müßte.


Source: “Koloniale Rechtspflege,” Hannoversches Tageblatt (12 January 1906)


1906-01-12–Hannoversches Tageblatt for website

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