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Georg von Ehingen bekämpft Ungläubige in Nordafrika (1457)

Georg von Ehingen (1428-1508) stammte aus einer sehr wohlhabenden deutschen Ritterfamilie und diente von Jugend an den österreichischen Habsburgern in verschiedenen Funktionen. Er machte eine Karriere als Reisender und Diplomat und reiste 1454 zunächst nach Palästina, wo er eine Zeit lang von Arabern gefangen gehalten wurde, und dann durch alle wichtigen Höfe Westeuropas, einschließlich als Botschafter zu Höfen auf der iberischen Halbinsel und in Großbritannien. Während seiner Zeit am Hof des portugiesischen Königs Afonso V., bekannt als „der Afrikaner” für seine Eroberungen in Nordafrika, nahm Ehingen an einer Reihe von Schlachten teil, die er in den folgenden Auszügen beschrieb. Sein Bericht über seinen Kampf mit einem mächtigen „ungläubigen” Kapitän zeigt, wie die Kampagnen als manichäischer Kampf zwischen Christentum und Islam wahrgenommen wurden, aber auch, wie Muslime als würdige Feinde dargestellt wurden, die sich erkennbar edel verhielten. 

Reiseberichte wie diese wurden immer häufiger, da die christlichen Europäer ihren Kontakt zur Welt durch Handel und Eroberung ausdehnten, und ihre Verbreitung in Mitteleuropa bot eine neue Informationsquelle über außereuropäische Völker, die zugleich seltsam exotisch und bedrohlich erschienen. Dies galt insbesondere im Zusammenhang mit christlichen Siegen gegen Muslime auf der iberischen Halbinsel (Reconquista) und osmanischen muslimischen Siegen über Christen in Anatolien und auf dem Balkan.

Jeff Bowersox (übersetzt von Lilian Gergely)


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ORIGINALE SPRACHE

Unter anderen Dingen hörten wir auf dem Hof, wie der König von Portugal einen aufwendigen Krieg gegen die Heiden aus Afrika auf Land und Wasser führte und insbesondere gegen den heidnischen König von Fessa. Denn der König von Portugal hatte ihm vor etlichen Jahren eine große Stadt, jenseits des Meeres in Afrika gelegen, mit dem Namen Septa abgewonnen. Also wurde uns befohlen, uns desto eiliger nach Portugal zu begeben. Deshalb baten wir den König von Navarra um Abschied, dass uns gnädig gegeben wurde und fuhren mit Ehre ab und mit dem Geheiß, dass uns in seinem Königreich alle Ehre geschehen sollte.

Zu diesen Zeiten kam dem König eine eilende Botschaft aus Afrika, von dem Großkapitän zu Septa, der berichtete, dass sich der König von Fessa mithilfe von anderen afrikanischen Königen auf einen Krieg mobiliserte und vorbereitete und vorhatte, mit einer großen Armee gegen Septa zu marschieren, um es zu erobern und wieder in seine Hände zu bringen. Also wurden wir vom König berufen und ließen uns die Botschaft sagen. Daraufhin baten wir den König, uns für den Kampf gegen die Heiden auszurüsten, was er auch ganz gnädiglich tat. Der König gab unserm jedem ein starkes Pferd und jedem unserer Knechte jedem einen Ringharnisch, auch Brigantine genannt. Also wurde einem guten Volk vom Hof und sonst wo verordnet, dorthin zu ziehen. Also wurde einem guten Volk vom Hof und sonst wo verordnet, dorthin zu ziehen. Als wir nun auf das Meer fuhren, schifften wir gar bald aus Portugal nach Afrika hinüber, da dieser Teil der See sehr eng ist.

Als nun der König von Portugal die Schwere der Belagerung vernahm, war er selbst dafür mit aller Macht gegen Septa zu ziehen und empfahl, die Heiden aus der Stadt anzugreifen und über sie herzufallen; denn sich mit ihnen auf eine andere Weise in den Kampf einzulassen, war wohl nicht möglich. Als die Heiden das vernommen hatten, stürmten sie uns drei Tage nacheinander und jeden Tag fingen sie morgens früh an und kämpften bis spät in die Nacht. Dann gab es wahrlich auf beiden Seiten eine große Arbeit; und obwohl über die Massen viele Heiden erschossen und um die Stadt in die Gräben, den Mauern entlang geworfen wurden, begab es sich dennoch viele Male, dass die Christen von ihnen abgewehrt wurden. Der Kapitän war mit dem Volk zu Roß und zu Fuß unterwegs und wie vorher gesagt, sprengte er niemanden an oder trat ihn, wie es unsereiner wohl nicht so ergangen wäre. Als die Heiden uns drei Tage lang, wie gehört, nacheinander so ernsthaft gestürmt hatten und so viele Leute verloren hatten, kam ein grässlicher Geruch von den Toten herüber, deshalb erhoben sich die Heiden und zogen hinweg.

Also machten wir uns mit 400 Pferden und 1000 zu Fuß auf, mit den besten, die wir hatten und zogen ihnen in unsere Vortäler hinterher. Also wandten sich etliche Heiden zu viele Male um und scharmützelten mit uns so lang, bis wir einen Berg einnahmen. Da hatten die Heiden einen anderen Berg inne und es gab ein schönes, ebenes Tal dazwischen. Als es nun Abend wurde, kamen etliche der unseren und sagten, es gäbe einen mächtigen Heiden, der einen christlichen Ritter begehrte, der sich mit ihm in der Mitte zwischen den beiden Hügeln schlagen sollte. Also bat ich den Kapitän, dass er mich verkünden sollte, da ich wohl gerüstet war und ganz regsam im Ringharnisch war; so hatte ich ein starkes Pferd, das mir vom König geschenkt worden war. Das wurde mir vom Kapitän vergönnt. Also ließ unser Kapitän die Scharmützel abblasen; sie rückten alle zu den Hügeln. Da machte ich vor mir mit dem Spieß ein Kreuz und ritt von unserem Hügel dem Helden zu Tal entgegen. Als die Heiden das sahen, ritten sie auch zu ihrem Hügel. Also schickte unser Kapitän einen Trompeter zum Hügel der Heiden; der blies und gab Zeichen. Also ritt gar geschwind ein Heide auf einem Berberpferd daher ins Tal, der Ebene zu. Da ließ ich nicht viel Zeit verstreichen und ritt ihm entgegen. Der Heide warf ein Schild vor sich und legte ein Spieß auf seinen Arm und rannte gar ernsthaft mir entgegen und schrie mich an.
Also ging ich ihm entgegen und hatte meinen Spieß auf meinem Schenkel; und als ich nicht an ihn herankam warf ich den Spieß in seine Rüstung und rannte ihm auf sein Schild zu; obwohl er sein Schild in eine Flanke oder Vorderarm schlug, schaffte ich es doch ihn mit solch einem Schlag zu treffen, dass Roß und Mann zur Erde fielen. Aber sein Spieß hing mir im Ringharnisch und hinderte mich, dass ich nicht so bald davon loskommen konnte, auch wenn ich von meinem Pferd kommen wollte. Er war auch von seinem Pferd abgestiegen; ich hatte mein Schwert in meiner Hand, zugleich hatte er auch sein Schwert gefasst und wir traten aufeinander zu und jeder gab dem anderen einen feindlichen Stich.

Der Heide hatte einen guten Ringharnisch, denn obwohl ich ihm in den Schild stach, brachte es ihm keinen Schaden. Sein Stich vermochte mir auch keinen Schaden zu bringen. Wir griffen uns mit den Armen an und rangen so lang, bis wir beide nebeneinander zu Boden fielen. Aber der Heide war sehr stark; er riss sich von mir und so kamen wir beiden mit den Leibern aufrecht und doch kniend nebeneinander hoch; ich stieß ihn mit meiner linken Hand von mir, damit ich mit meinem Schwert zu einem Stich ausholen konnte, was auch geschah. Denn beim Stoß mit der linken Hand kam er mit dem Leib so weit von mir, dass ich ihm einen Sticht in sein Angesicht gab; und obwohl ich den Stich nicht vollkommen ausführen konnte, verwundete ich ihn, sodass er nach hinten schwang und etwas geblendet war. Also gab ich ihm einen rechten Stich in sein Angesicht und stach ihn auf die Erde nieder und warf mich auf ihn und stach ihm den Hals ab. Also stand ich auf und nahm sein Schwert und trat zu meinem Pferd. So standen beide Pferde beieinander; sie waren den ganzen Tag fest bearbeitet worden und waren gar zahm. Da die Heiden sahen, dass ich gesiegt hatte, ritten sie auf ihren Hügel hinweg. Aber die Portugiesen und Christen rückten hinzu und schlugen dem Haiden sein Haupt ab, nahmen sein Spieß und steckten es darauf und zogen ihm seinen Harnisch aus.


Quelle: Georg von Ehingen, Des schwaebischen Ritters Georg von Ehingen. Reisen nach der Ritterschaft, vol. I, edited by F. Pfeiffer (Stuttgart: Literarisches Verein, 1842), 18, 20, 22-24. Übersetzt in moderner Sprache von Lilian Gergely.


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