Der „Coburger Mohr” (ca. 1380-heute)

Der Dozent Jean Devise hat die frühesten Verwendungen von einem Mohren und einer schwarzen Figur in der Heraldik bis nach Bayern, dem oberen Rheinland und Untersachsen im späten dreizehnten und späten vierzehnten Jahrhundert verfolgt. Der Gebrauch von solchen Figuren in  familiären und institutionellen Wappen dieser Zeit spiegelte die Verbreitung der Bildsprache der Hohenstaufen Kaiser am wahrscheinlichsten wider. Wie mit dem Heiligen Mauritius und dem Schwarzen König, begannen schwarze Figuren die universalen Behauptungen der Kirche und des Reiches zu verkörpern.

Seit dem späten vierzehnten Jahrhundert dient der Heilige Mauritius, der Schutzpatron von Coburg, als ein Symbol der Stadt. Er kennzeichnet das Stadtwappen in der Form eines „Mohrenkopfes“ und überall in der Stadt können Statuen von ihm gefunden werden. Um das siebzehnte Jahrhundert herum gab es eine wesentliche Veränderung in den Darstellungen des Heiligen, da er sich von einem gepanzerten Ritter in einen edlen Wilden verwandelte. Elemente des letzteren kommen im Stadtwappen, das ansonsten über die Jahrhunderte einheitlich geblieben ist, weiterhin vor.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


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Coburg crest ca 1600

Seit mindestens 1380 begann der heilige Mauritius auf Stadtmünzen und späteren Versionen des Stadtwappens vorzukommen. Ab dem siebzehnten Jahrhundert war er das Hauptsymbol der Stadt. Herbert Ott, “Coburg Stadtwappen (ca. 1600),” in Rudolf Brückner, Coburg Stadtwappen (Coburg: Fremdenverkehrs- und Kongreßbetrieb, n.d.). ©Herbert Ott.

Coburger_Mohr_im_Ziergitter_der_Rathaustür

Schmuck, vor allem ein goldener Ohrring, welcher den stereotypischen Darstellungen von Afrikanern als unzivilisiert entsprach, scheint erst im neunzehnten Jahrhundert hinzugefügt worden zu sein, allerdings besteht er weiterhin bis heute. Buonasera, “Coburger Mohr im Ziergitter der Rathaustür” (2014), Wikimedia Commons.

Coburg crest 1953

Der Kopf wurde unter den Nazis vom Stadtwappen entfernt und diese ersetzten ihn mit einem Schwert und Hakenkreuz. Es wurde nach dem Krieg zurückgesetzt und 1953 mit Blick auf eine verständnisvollere Darstellung von Mauritius angepasst. Beachten Sie die Ergänzung eines Halsbandes, eine Verzierung, die manchmal von schwarzen Hofbediensteten als Verweis auf die Sklaverei in vergangen Jahrhunderten getragen wurde. Erich Lage, “Stadtwappen Coburg” (1953), Stadtarchiv Coburg A 18847/1 fol. 22r.

Coburg crest 1974

Der „Kopf des Mohren“ wurde das letzte Mal 1974 durch eine Rückkehr zu der Gestaltung der Ära vor den Nazis angepasst. “Wappen der Stadt Coburg” (1974), Bayerns Gemeinden.

Coburg-Kanaldeckel 2005

In seiner aktuellen Form schmückt der „Coburger Mohr“ alles von Amtsgebäuden bis hin zu Kanaldekeln. Störfix, “Kanaldeckel mit Stadwappen” (2005), Wikimedia Commons.


Der „Coburger Mohr” (ca. 1380-heute) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.
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