Die Legende der Heiligen Drei Könige (1483)

legend-of-magi2-1483-copy
Sankt Thomas weiht die Drei Könige als Priester und ernennt sie zu Bischöfen von Indien

Um 1370 herum nahm sich der Karmeliter Gelehrte Johannes von Hildesheim einer ehrgeizigen Aufgabe an: einen verlässlichen Bericht der Drei Könige (auch als die Drei Magier bekannt) aus verschiedenen biblischen, historischen und sagenhaften Quellen zu erstellen. Zu dieser Zeit war der Umriss ihrer Geschichte bestens bekannt, aber viele der Details wurden angefochten. Johannes‘ Arbeit war zu seiner Zeit sehr verbreitet und tat viel in der Hinsicht eine einzige verlässliche Version der Legende zu schaffen, aber sie wurde letztendlich vergessen, nur um im frühen neunzehnten Jahrhundert wieder entdeckt zu werden.

Wie schon frühere Verfasser bemüht sich auch Johannes darum, mit dem offensichtlichen Paradox der christlichen Verehrung von heidnischen Figuren umzugehen, indem er die Könige fest in die christlichen Traditionen und Einrichtungen verankert. Er gestaltet die Geschichte relevanter, indem er sie mit neueren Ereignissen verknüpft, am nennenswertesten mit den Kreuzzügen und der mongolischen Expansion der vorhergehenden zwei Jahrhunderte. In seinem Bericht erfüllten die Könige verschiedene Prophezeiungen. Sie erfuhren einzeln über den Stern von Bethlehem und reisten aus ihren jeweiligen Ländern an. Sie trafen sich außerhalb Jerusalems und nahmen an der Anbetung teil und da sie in einem Traum gewarnt wurden, flohen sie aus Bethlehem anstatt den bösen König Herodes über das Christus Kind in Kenntnis zu setzen. Auf ihrer gemeinsamen Reise nach Indien fanden sie die Kapelle auf dem Hügel von Vaus, an dem Ort an dem der Stern zum ersten Mal gesehen worden war. Sie schlossen einen Pakt, jedes Jahr zurückzukehren und schließlich dort begraben zu werden. Der Apostel Thomas, dessen Aufgabe die Verbreitung des Evangeliums in den Osten war, fand sie hier auf, taufte sie und ernannte sie zu Erzbischöfen und nach seinem Tod bestellten sie geistliche und irdische Anführer in ihrer Region. Diese umfassten den sagenhaften Priesterkönig Johannes, wie auch verschiedene andere Adelige aus Vaus, denen sie all ihre Besitztümer und Länder vermachten. Nach ihrem Tod bewirkten sie ein Wunder: die ersten Zwei, die gestorben waren, rückten freundlicherweise auf die Seite, um für den Körper des Dritten Platz zu machen.

Nach einer Abschweifung über verschiedene ketzerische Sekten, erzählt Johannes, wie ihre Überreste nach Köln gelangten. Er beginnt mit ihrer sagenhaften Entdeckung um 300 unserer Zeitrechnung durch Helena, der berühmten christlichen Mutter des Kaisers Konstantin, folgt ihnen nach Mailand und beschreibt letztlich, wie der Erzbischof Reinald von Dassel sie 1164 nach Köln brachte, wo sie sich als große Attraktion für Pilger erwiesen und die Prestige des Erzbischofs stärkten. 

Die Drei Könige verschenken ihre Länder an ihre Freunde und beobachten, wie ein Nachfahre in die Stadt Akko ging und dort eine kaiserliche Festung baute.

Beide Bilder hier stammen aus dem späten fünfzehnten Jahrhundert aus einer deutschen Übersetzung eines Textes, den Heinrich Knoblauchtzer druckte, der sich eindeutig erhoffte davon zu profitieren, einem verbreiteten Werk hochwertige Illustrationen beizufügen. Das Bild am Anfang der Seite zeigt den Apostel Thomas, wie er die Könige weiht und sie zu Bischöfen von Indien ernennt. Das Bild auf der linken Seite wurde als Darstellung der Gründung der Kapelle von Vaus beschrieben, aber die Bildbeschreibung und der begleitende Text machen klar, dass es die Könige dabei zeigt, wie sie ihre Besitztümer den örtlichen Herren von Vaus übergeben. Uns wird erzählt, dass ihre Nachfahren, interessanterweise durch einen schwarzen Reisenden dargestellt, später die mächtige Festung in Akko, einen wichtigen Ort während den Kreuzzügen, bauten. Besonders nennenswert ist, dass dies die einzigen Darstellungen eines Schwarzen Königs im gesamten Werk sind. Johannes bleibt über die Herkünfte der Könige nicht unklar: er identifiziert Balthasar als den König von Saba, Melchior als den König von Nubien und Arabien und Caspar als den König der sagenhaften Insel von Tharsis und obendrein ein „schwarzer Äthiopier“! Nichtsdestotrotz verleihen die zehn anderen Darstellungen der Könige ihnen allen eine helle Haut. Zu dieser Zeit wurden die Darstellungen seperat vom Text erstellt und Illustratoren wurde nur minimale Anleitung gegeben, was uns zeigt, dass sich zumindest manche Illustratoren in Knoblauchtzers Werkstatt des neuen Trends bewusst waren, während andere entweder unwissend oder uninteressiert waren. In diesen unterschiedlichen Darstellungen innerhalb einer einzigen Publikation können wir die Verbreitung der Bilder eines Schwarzen Königs in visuellen Medien sehen. 

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


English

Quelle: John of Hildesheim, Historia trium regum Strasbourg: Heinrich Knoblochtzer, ca. 1483), 63, Bayerische Staatsbibliothek Munich 2 Inc.s.a. 743 i.


Creative Commons License

Die Legende der Heiligen Drei Könige (1483) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at https://blackcentraleurope.com/who-we-are/.