Die Schwärzung der Königin von Saba (ca. 1402-1405)

Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert, als das Heilige Römische Reich eine neue Ikonographie entwickelte, um seine weitreichenden Ansprüche zu rechtfertigen, erhielten bestimmte christliche Figuren schwarze Züge. Zusammen mit dem Heiligen Mauritius und dem Schwarzen König begann die Königin von Saba als positive schwarze Gestalt, eine edle Königin, zu erscheinen, die die Möglichkeit verkörperte, Heiden zum Christentum zu bekehren. Diese Darstellung sollte jedoch nicht von Dauer sein.

Wir können die Veränderungen in einem Manuskript zur Militärwissenschaft von Conrad Kyeser, einem Arzt am Hof von König Wenzel IV. von Böhmen, sehen. Es ist nicht klar, warum die Königin von Saba in dem Werk erscheint, aber der Künstler stellt sie als anmutig und königlich dar. Im begleitenden Gedicht sehen wir jedoch die Ambivalenz, die sie umgibt. Sie behauptet, dass sie schön und rein ist, aber auch ein Spiegel, in dem die Männer sehen, was sie sehen wollen. Sie kann auch die Quelle einer unspezifizierten Dunkelheit sein, die ihr Aussehen an das ihre anpassen kann. Ihr fließendes blondes Haar war ursprünglich mit heller Haut gepaart und spiegelt die Veränderungen in den Darstellungen der Königin von Saba im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert wider. Ein anonymer Illustrator fügte später dunkle Haut hinzu und passte somit vielleicht das Bild dem Gedicht an und deutete an, dass die edle schwarze Königin ihre Relevanz noch nicht verloren hatte.

Jeff Bowersox (übersetzt von Lilian Gergely)


The poem reads:

Sum regina Sabba clarior ceteris et venusta
Pulchra sum et casta stat speculum pectore sculptum
In quo contemplantur juvenes quecumque volunt
Et in visu tacta fune retro follis absconsa
Per aerem subito movet fuliginem ore
Astans nisi similis pelle colore stabit

Ich bin die Königin von Saba, famöser als die anderen und attraktiv:
Schön bin ich und keusch. Ein Spiegel sitzt in meiner Brust,
in der junge Männer sehen können, was sie wollen.
Während einer schaut darauf, zieht er ein Seil, wird der Blasebalg zusammengepresst,
Und die Finsternis bricht aus meinem Mund in die Luft hervor:
Dann steht er vor mir mit einer ähnlicher Haut, mit ähnlicher Farbe.


Source: Conrad Kyeser, Bellifortis (originally 1402-1405 but with later revisions), Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, 2 Cod. Ms. Philos. 63, Cim., fol. 122r. Translated from the Latin by Astrid Khoo.

Image Source: ©Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.


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Die Schwärzung der Königin von Saba (ca. 1402-1405) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.

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