Ein Brief vom Priesterkönig Johannes (ca. 1165-1170)

The mythical figure of Prester John captivated the imagination of Christian Europe for centuries. He was first conceived in the twelfth century as a mighty Christian king who would come to the aid of Crusaders in the Holy Land besieged by Muslims. As Keagan Brewer suggests, it is not clear how much Europeans in the Middle Ages fully believed in the tall tales associated with the king. However, it is clear that they firmly believed that such a king (or a line of kings) ruled a Christian kingdom just beyond the reach of their known world, and generations of travelers from Marco Polo through to the era of European maritime exploration eagerly sought details to confirm this. Prester John was imagined first to reside in “the Indies” somewhere vaguely to the east, and in the context of Mongol expansion his legend moved into their realm. By the fourteenth and fifteenth centuries, with growing knowledge of the India and coastal Africa through maritime exploration, Prester John had begun migrating to Africa and was often associated with the rulers of the Christian kingdom of Ethiopia. The legend served as a useful way for Europeans to think about the existence of distant Christian communities.

The letter below, written originally in Latin and by an author in the German lands, was crucially important for spreading the legend of Prester John. Although scholars debate the author’s original intent, it is clearly an anti-Byzantine text. The letter purports to be written to the Byzantine emperor by Prester John himself. The author insults the emperor’s pretensions to grandeur by noting his own fantastical wealth, power, and humility. These descriptions were not necessarily taken at face value by contemporaries, but the letter’s wondrous, even utopian descriptions made it a popular text, and it circulated widely for centuries. Later scribes adapted the text, introducing, for example, the mythical Amazons and Bragmanni and expanding on the long-established theme of oriental riches.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


English

Die Suche nach dem Priesterkönig Johannes

  1. Priester Johannes, durch die Macht und Kraft Gottes und unseres Herrn Jesus Christus, Herr der Herrschenden, an Emanuel, den Staatenlenker der „Rhomär“, der sich an Gesundheit erfreuen und mit Gnade bedacht sein soll bis in fernere Zeiten.
  2. Man erzählte Unserer Majestät, daß Du Unsere Exzellenz in Liebe verehrst und die Kunde von Unserer Größe zu Dir gedrungen ist. Aber durch Unseren Apokrisiar wissen Wir, daß du Uns einige ergötzliche und erfreuliche Sachen schicken wolltest, wodurch Unsere Gerechtigkeit erfreut werde.
  3. Da ich nun ein Mensch bin, nehme ich es in Güte an und Wir schicken Dir durch Unseren Apokrisiar von Uns einiges, da Wir ja wissen wollen und wünschen, ob Du den rechten Glauben mit Uns hast und ob Du in allem an unsern Herrn Jesus Christus glaubst.
  4. Während wir wissen, daß Wir Menschen sind, halten Dich die „Graeculi“ für Gott, Wir hingegen wissen, daß Du sterblich bist und der menschlichen Hinfälligkeit unterliegst.
  5. Wenn Du Bedarf hast an irgendetwas, was Freude bringt, dann wirst Du es leicht bekommen durch die Freigebigkeit. Unserer Mildtätigkeit durch Unseren Apokrisiar und durch Botschaft Deiner Lieblichkeit Uns Nachricht geben.
  6. Empfange [ierarcham] (1) in Unserem Namen und benutze sie, wie Wir gern Dein [lechito] (2) benutzen, auf daß wir so gegenseitig Unsere Stärke bestärken und bekräftigen; auch Unsere [tigna] (3) respektiere und beachte.
  7. Wenn Du in Unser Herrschaftsgebiet kommen willst, setzen Wir Dich zum Großen und Würdigen Unseres Hauses ein, und Du kannst von Unserem Überfluß genießen und von den Dingen, die Wir bei uns im Überfluß haben; wenn Du zurückkehren willst, wirst Du reich beschenkt zurückkehren.
  8. Gedenke Deiner letzten Ziele und in Ewigkeit wirst Du nicht sündigen.
  9. Wenn Du aber die Größe und Erhabenheit Unserer Hoheit wissen willst und in welchen Ländern Unsere Majestät gebietet, dann erkenne und glaube ohne Zweifel, allen Reichtümern, die unter dem Himmel sind, an Tugend und Macht über alle Könige dieser Erde. Zweiundsiebzig Könige sind Uns tributpflichtig.
  10. Ich bin ein frommer Christ und überall verteidigen Wir die armen Christen, die das Imperium Unserer Milde regiert und unterstützen sie mit Unseren Almosen.
  11. Wir haben gelobt, das Grab des Herrn zu besuchen mit einem mächtigen Heer, wie es dem Ruhm Unserer Majestät entspricht, die Feinde des Kreuzes Christi zu erniedrigen und zu bekriegen und seinen gepriesenen Namen zu verherrlichen.
  12. In den drei Indien herrscht Unsere Magnifizenz und Unser Land erstreckt sich vom jenseitigen Indien, in dem der Körper des heiligen Apostels Thomas ruht, durch die Wüste und weiter bis zum Aufgang der Sonne und kehrt zurück durch den Untergang zum verlassenen Babylon neben dem Turm zu Babel.
  13. Zweiundsiebzig Provinzen dienen mir, von denen sind nur wenige christlich, und eine jede von ihnen hat einen König über sich, sie alle sind Uns tributpflichtig.
  14. In Unserem Land werden geboren und leben Elefanten, Dromedare, Kamele, Flußpferde, Krokodile, [Methgallinarii, cametheternis, thinsiretae] (4), Panther, Wildesel, weiße und rote Löwen, weiße Bären, weiße Amseln, stumme Baumgrillen, Greifen, Tiger, Vampire, Hyänen, wilde Rinder, Bogenschützen, wilde Menschen, gehörnte Menschen, Faune, Satyrn und Frauen dergleichen Art, Pygmäen, Hundsköpfige, Giganten, deren Höhe 40 Ellen beträgt, Einäugige, Kyklopen und der Vogel, den man Phönix nennt, und Tiere von fast jeder Art, die es unter dem Himmel gibt.
  15. Wir haben andere Völker, die sich nur vom Fleisch ernähren von Menschen und wilden Tieren und ihren Aborten, die niemals fürchten zu sterben. Und wenn einer stirbt von diesen, dann verzehren ihn seine Verwandten und Bekannten gierig, wobei sie sagen „ Es ist das Heiligste, Menschenfleisch zu essen“.
  16. Die Namen der Völker sind diese: Gog und Magog, Amic, Agic, Arenar, Defar, Fontineperi, Conei, Samantae, Agrimandi, Salterei, Armei, Anofragei, Annicefelei, Tasbei, Alanei.
  17. Diese nämlich und viele andere Völkerschaften schloß Alexander, der große Jüngling, König der Makedonen, zwischen den hohen Bergen im Norden ein. Die führen Wir, wenn Wir wollen, gegen Unsere Feinde und, wenn ihnen von Unserer Majestät die Erlaubnis gegeben wird, daß sie diese verschlingen sollen, dann kann sie kein Mensch, kein Tier zurückhalten, jeder wird sofort verschlungen.
  18. Wenn dann die Feinde verschlungen sind, führen Wir jene in ihre Heimat zurück. Und nur deshalb fahren Wir sie zurück, weil sie, wenn sie von Uns verlassen würden, alle Menschen und alle Lebewesen, die sie finden, völlig verschlingen würden.
  19. Diese schlechten Völker werden von dem Ende der Welt in der Zeit der Antichrist von den vier Teilen der Welt hervorbrechen und alle Lagerstätten der heiligen umzinglen und die große Stadt Rom, die Wir Unserem Sohn gegeben haben, der Uns zuerst geboren ist, mit ganz Italien und ganz Germanien und beiden Gallien, mit England, Britannie und Scotien; Wir werden ihm Spanien und das ganze Land bis zum erfrorenen Meer geben.
  20. Es ist nicht verwunderlich, daß die Zahl dieser Völker wie die Sandkörner am Meeresstrand ist, ihnen kann sicher kein Volk, kein Königreich wiederstehen. Aber diese Völker, wie es ein Prophet vorhergesagt hat, werden wegen ihrer Abscheulichkeiten nicht im Gericht sein, sondern Gott wird über sie Feuer vom Himmel schicken, und so wird es alle verzehren, daß nicht einmal Asche von ihnen übrig bleibt.

Urtext:

  1. Unser Land fließt über von Honig und Milch. In einem Land „schaden keine Gifte und quakt kein schwatzhafter Frosch, kein Skorpion ist dort, keine Schlange kriecht durchs Gras“. Giftige Tiere können an diesem Ort nicht wohnen und nicht jemanden verletzen.
  2. Bei den Heiden fließt durch eine Unserer Provinzen ein Fluß mit Namen Ydonus. Dieser Fluß kommt aus dem Paradies hervor und breitet seinen Lauf durch jene ganze Provinz in diversen Krümmungen aus. Dort findet man Edelsteine; Saphire, Karfunkel, Topase, Chrysolithe, Onyxe, Berlylle, Amethyste, Sardione und viele wertvolle Steine.
  3. Ebendort wächst ein Kraut, das „Assiodis“ heißt, wenn einer dessen Wurzel über sich trägt, entflieht er dem unreinen Geist und zwingt ihn, zu sagen, wer er sei und woher und wie sein Name. Daher wagen es die unreinen Geister nicht, in jenem Land jemanden anzufallen.
  4. In einer anderen Unserer Provinzen wächst der gesamte Pfeffer und wird gesammelt, den man für Getreide und Nahrungsmittel und Leder und Tuche tauscht.
  5. Jenes Land aber ist bedeckt mit einer Art Weidengebüsch, gänzlich voll von Schlangen. Wenn der Pfeffer reif ist, kommen alle Völker aus den benachbarten Gebieten mit Spreu, Stroh und dürrem Reisig, womit sie das Gehölz von allen Seiten umgeben. Wenn aber der Wind sich heftig erhebt, legen sie innerhalb und außerhalb des Hölzes Feuer, damit keine Schlange aus dem Gehölz herauskommen kann und so sterben die Schlangen in dem kräftig entfachten Feuer, außer jenen, die sich in ihre Höhlen verkrochen haben.
  6. Wenn das Feuer erloschen ist, betreten Männer und Frauen, kleine und große, mit Heugabeln das Gehölz und werfen mit den Heugabeln alle gedörrten Schlangen aus dem Gehölz auf einen großen Haufen. So wird der Pfeffer getrocknet und von den verbrannten Ästen gesammelt und gekocht, aber, wie er gekocht wird, das ist keinem Fremden zu wissen erlaubt.
  7. Das Gehölz liegt am Fuß des Berges Olymp, von wo eine durchsichtige Quelle entspringt, die den Wohlgeruch aller Spezien in sich birgt. Es wechselt aber der Wohlgeruch in den einzelnen Stunden des Tages und der Nacht; und die Quelle entspringt nicht mehr als drei Tagesreisen vom Paradies, aus dem Adam vertrieben wurde.
  8. Wenn jemand von der Quelle dreimal durstig gekostet, spürt er von jenem Tag an keine Schwäche, und er fühlt sich immer wie im Alter von 32 Jahren, solange er lebt.
  9. Dort gibt es auch Edelsteine, die „midriosi“ genannt werden, die oft zu Unseren Ländern von Adlern gebracht werden, durch die sie wieder jung werden und das Augenlicht wiedererlangen.
  10. Wenn jemand einen von ihnen am Finger trägt, wird sein Augenlicht nicht geschwächt, und wenn es bereits geschwächt ist, wird es wiederhergestellt und, wenn man mehr hineinsieht, dann wird es schärfer. Wenn einer mit dem vorgesehenen Spruch geweiht ist, macht es den Menschen unsichtbar, verjagt den Haß, schafft Eintracht, vertreibt den Neid.
  11. Unter dem übrigen, was sich wunderbarerweise in Unserem Land befindet, ist ein sandiges Meer ohne Wasser. Der Sand bewegt sich nämlich und schwillt zu Wellen an wie das Meer und ist niemals still. Dieses Meer kann niemand überqueren mit einem Schiff oder auf andere Weise, daher kann man nicht wissen, wessen Land jenseits liegt. Und wenn es auch gänzlich ohne Wasser ist, findet man doch am Ufer auf Unserer Seite verschiedene Arten von Fischen, sehr angenehm und schmackhaft zu verzehren, die nirgendwo sonst gesehen wurden.
  12. Drei Tagesreisen entfernt von diesem Meer liegen Berge, von denen ein Fluß von Edelsteinen herabfließt in derselben Weise ohne Wasser, und er fließt durch Unser Land bis zum sandigen Meer.
  13. An drei Tagen in der Woche fließt er und es schwimmen kleine und große Edelsteine mit und ziehen Hölzer mit sich zum sandigen Meer; nachdem der Fluß in das Meer eingeflossen ist, verschwinden die Steine und das Holz und erscheinen weiter nicht mehr, solange der Fluß fließt, kann ihn niemand durchschreiten. An den anderen 4 Tagen ist das Durchschreiten möglich.

Interpolation C:

  1. Es ist nämlich zwischen dem sandigen Meer und den genannten Bergen in der Ebene ein Stein von wunderbarer Wirkung, der die Kraft fast unglaublicher Medizin in sich trägt. Er befreit die Christen und solche, die es werden wollen, völlig von jeder Krankheit auf diese Weise:
  2. Es ist ein bestimmter hohler Stein wie eine unzerbrechliche Muschel geformt, in dem immer das Wasser 4 Finger hoch steht, und der immer bewacht wird von zwei Greisen, Männer von ehrwürdiger Heiligkeit.
  3. Jene fragen zuerst die Ankommenden, ob sie Christen sind oder werden wollen, darauf, ob sie Heilung aus ganzem Herzen wünschen. Wenn sie das erklärt haben, legen sie ihre Kleider ab und betreten die Muschel. Und wenn sie die Wahrheit gesagt haben, beginnt das Wasser zu steigen und steigt so hoch, bis es ihn ganz bedeckt, bis es über sein Haupt gestiegen ist. Das geschieht dreimal.
  4. Dann fällt es allmählich und kehrt wieder zu seiner gewöhnlichen Höhe zurück. Und jener, der sie betrat, verläßt die Muschel vom Wasser geheilt von Lepra oder jeder anderen Krankheit.

Urtext:

  1. Nahe der Wüste zwischen unbewohnbaren Bergen fließt unter der Erde ein Bächlein, zu dem man nur durch Zufall kommt. Denn manchmal öffnet sich die Erde wenn einer dort hineingehen will, kann er hineingehen und schnell wieder heraus, damit die Erde ihn nicht möglicherweise einschließt. Und was er aus dem Sand raubt, sind kostbare Steine und Gemmen, da ja der Sand und Kies nur aus kostbaren Steinen und Gemmen besteht.
  2. Und dieses Bächlein fließt in einen breiteren Fluß, in den die Bewohner Unseres Landes gehen und aus dem sie eine große Menge wertvoller Steine herausholen; aber sie wagen es nicht, jene zu verkaufen, bevor sie jene nicht Unserer Exzellenz gezeigt haben. Und wenn Wir sie in Unserem Schatz oder zum Gebrauch Unserer Machtvollkommenheit behalten wollen, dann kaufen Wir für die Hälfte des Wertes, wenn aber nicht, dann können sie frei verkaufen.
  3. In jenem Land werden die Knaben im Wasser aufgezogen, so daß sie, um Steine zu finden, oft drei oder vier Monate (Tage) unter Wasser leben.
  4. Jenseits des Steinflusses aber leben 10 Stämme der Juden, die, auch wenn sie selbst Könige haben, doch meine Diener sind und unserer Exzellenz tributpflichtig.
  5. In einer anderen Provinz nahe der heißen Zone gibt es Würmer, die in Unserer Sprache „Salamander“ heißen. Diese Würmer können nur im Feuer leben, und sie umgeben sich mit einem Häutchen, wie jene anderen Würmer, die Seide machen.
  6. Diese Häutchen werden von den Damen Unseres Palastes sorgfältig bearbeitet und daraus haben Wir Kleider und Tücher im Gebrauch Unserer Exzellenz. Diese Tücher werden nur in lodernden Flammen gewaschen.
  7. An Gold und Silber und Edelsteinen, Elefanten, Dromedaren, Kamele und Hunden haben Unser Hoheit Überfluß.
  8. Alle fremden Gäste und Pilger empfängt Unser Gnaden, kein Armer ist unter uns.
  9. Keine Räuber findet man bei uns, kein Schmeichler hat hier Platz und nicht die Habsucht. Keine Unterteilung gibt es hier bei uns. Unsere Menschen haben Überfluß an jedem Reichtum. Pferde haben wir wenig und minderwertige. Wir glauben, daß Uns niemand gleicht an Reichtum und Zahl der Völker.
  10. Wenn wir gegen Unsere Feinde in den Krieg ziehen, lassen Wir 13 große und sehr hohe Kreuze aus Gold und mit wertvollen Steine in einzelnen Wagen anstelle von Fahnen vor Uns hertragen, und einem jeden von ihnen folgen 10 000 Soldaten und 100 000 bewaffnete Fußsoldaten, ausgenommen diejenigen, die dem Gepäck, den Wagen und dem Proviant des Heeres zugeordnet sind.
  11. Wenn Wir aber einfach ausreiten, geht Unserer Majestät ein Holzkreuz voraus, ohne Bemalung, nicht mit Gold oder Gemmen geschmückt, damit Wir immer an das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus denken, dazu ein goldenes Gefäß, gefüllt mit Erde, damit Wir erkennen, daß Unser Fleisch in seinen Ursprung zurückkehrt in die Erde.
  12. Und ein anderes silbernes Gefäß, gefüllt mit Gold, wird vor Uns hergetragen, damit alle erkenne, daß Wir der Herr der Herren sind.
  13. An allem Reichtum, der in er Welt ist, haben Wir Überfluß und ragt Unsere Magnifizenz hervor.
  14. Unter uns lügt keiner und kann keiner lügen. Und wenn einer dort eine Lüge ausgesprochen hat, stirbt er sofort, denn er wird als Toter unter uns gehalten, es gibt kein Gedenken an ihn und kein Ehrung ferner bei uns.
  15. Alle folgen Wir der Wahrheit und lieben uns gegenseitig. Kein Ehebrecher ist unter uns. Kein Laster herrscht hier bei uns.
  16. Jedes Jahr besuchen Wir den Körper des Hl. Daniel, des Propheten, mit einem großen Heer im wüsten Babylon und alle sind bewaffnet wegen der Bestien und Schlangen, die „terrentes“ heißen.
  17. Bei uns fängt man Fische, mit deren Blut man Purpur färbt.
  18. Wir besitzen viele Festungen, tapfere Völker und verschieden gestaltige Völker. Wir beherrschen die Amazonen und die Brahmanen.
  19. Der Palast aber, den Unsere Erhabenheit bewohnt, ist in Aussehen und Gestalt gleich dem Palast, den der Apostel Thomas dem Gundofar erbaute, dem König der Inder, in Kammer und übrigen Konstruktionen gänzlich gleich.
  20. Die Decke, das Gebälk und der Architrav sind aus Akazien-Holz. An den äußersten Stellen über dem Giebel des Palastes sind zwei goldene Äpfel angebracht und in jedem einzelnen sind zwei Karfunkel, damit das Gold am Tag leuchtet und die Karfunkel bei Nacht leuchten.
  21. Die größeren Pforten des Palastes sind von Sardin mit Einmischung vom Horn der Hornschlange, damit niemand heimlich mit Gift eintreten kann, die übrigen Pforten aus Ebenholz, die Fenster von Kristall.
  22. Die Tische, an denen Unser Hof speist, sind teils aus Gold, teils aus Amethyst, die Säulen, die die Tische tragen, aus Elfenbein.
  23. Vor unserem Palast ist ein breiter Raum, in dem Unsere Gerechtigkeit die Siege in Zweikämpfen zu beobachten pflegt. Der Estrich ist von Onyx und die umgebenden Wände sind auch aus Onyx, damit aus der kraft des Steines der Mut der Kämpfenden wächst.
  24. In Unserem vorher genannten Palast wird kein anderes Licht in der Nacht entzündet als solches, das von Balsam genährt wird.
  25. Die Kammer, in der Unsere Erhabenheit ruht, ist mit wunderbarer Goldarbeit und Steinen jeder Art geschmückt. Wenn irgendwo Onyx als Schmuck angebracht ist, dann sind um ihn 4 gleichgroße Karneole platziert, damit von ihrer Kraft die Ungleichheit des Onyx gemäßigt wird.
  26. In derselben Kammer brennt immer Balsam. Unser Bett ist aus Saphir wegen der Tugend der Keuschheit.
  27. Wir haben die wohlgestaltesten Frauen, aber sie kommen nur viermal im Jahr zu Uns, um Söhne zu zeugen, und wenn sie von Uns die Weihe erlangt haben, wie Bethseba von David, dann kehrt eine jede an ihre Stelle zurück.
  28. Einmal am Tag speist Unser Hof. An Unserem Tisch speisen jeden Tag 30 000 Menschen außer den Ein- und ausgehenden. Und diese all erhalten täglich aus Unserer Kammer Geschenke, seien es Pferde oder andere Geschenke.
  29. Dieser Tisch ist von kostbarem Smaragd, ihn tragen zwei Säulen von Amethyst. Die Wirkung dieses Steines verhindert, daß einer, der am Tisch sitzt, sich berauscht.
  30. Vor den Toren Unseres Palastes nahe des Platzes, and dem die Kämpfenden Duelle miteinander ausfechten, befindet sich ein Spiegel von herausragender Größe, zu dem man 125 Stufen hinaufsteigt.
  31. Die Stufen aber sind aus Prophyr, teils aus Serpentin und im dritten Teil aus Alabaster. Von dort bis zum dritten Teil oberhalb sind sie von Kristall und Sardonyx. Der obere dritte Teil aber von Amethyst, Amber, Jaspis und Panthera.
  32. Der Spiegel ruht nur auf einer einzigen Säule. Über ihr liegt eine Basis, über der Basis zwei Säulen, über denen wieder eine andere Basis und über ihr 4 Säulen, darüber wieder eine andere Basis und über ihr 8 Säulen, über ihnen wieder eine Basis und über ihr 16 Säulen, über ihr wieder eine andere Basis, darüber 32 Säulen, über ihnen wieder eine Basis, darüber 64 Säulen, über ihnen wieder eine Basis und 64 Säulen, über ihnen eine Basis und 32 Säulen. Und so verringern sich die Säulen beim Abstieg, wie sie beim Aufstieg wachsen, bis zu einer.
  33. Die Säulen und Basen sind von derselben Steinart und auch die Stufen, die man zu ihnen hinaufsteigt.
  34. Auf der Spitze der obersten Säule befindet sich der Spiegel, der solche geweihte Eigenart hat, daß alle Anstiftungen und alles, was für Uns und gegen Uns in anliegenden und Uns unterworfenen Provinzen geschieht, von den Hineinschauenden deutlich gesehen und erkannt werden kann.
  35. Er wird bewacht von 12 Bewaffneten bei Tag und Nacht, damit er auf keinen Fall zerbrochen oder herabgeworfen werden kann.
  36. Jeden Monat bedienen Uns sieben Könige, ein jeder nach seiner Ordnung, 72 Herzöge, 365 Grafen an Unserem Tisch, ausgenommen jene, die zu verschiedenen Aufgaben an Unserem Hof abgeordnet sind.
  37. An Unserem Tisch speisen täglich nahe bei Uns auf der rechten Seite 12 Erzbischöfe, auf der linken Seite 20 Bischöfe, außer dem Patriarchen des Hl. Thomas und dem Protopapa von Samarkand und Archiprotopapa von Susa, wo sich der Thron und Königsstuhl Unseres Ruhmes befindet und der kaiserliche Palast. Jeder von ihnen kehrt abwechselnd monatlich in seine Heimat zurück. Die übrigen weichen niemals von Unserer Seite.
  38. Die Äbte bedienen Uns in Unserer Kapelle nach der Zahl der Tage im Jahr und kehren jeden Monat in ihre eigenen Häuser zurück, und andere ebensoviele kehren jeweils an den Kalenden zu ihrem Amt in der Kapelle zurück.

Interpolation B:

  1. Wir haben noch einen Palast, der zwar nicht länger, aber höher und schöner ist, gebaut nach einer Vision, die Unser Vater hatte, bevor Wir geboren wurden, der wegen seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm hohes Ansehen verschafften, „Gottgleich“ (Quasideus) genannt wurde.
  2. Ihm ist nämlich im Schlaf verkündet worden: Bau Deinem Sohn, der Dir geboren werden wird, der König der irdischen Könige sein wird und Herr der Herren der ganzen Erde, einen Palast.
  3. und jener Palast wurde von Gott mit folgender Gnade ausgestattet: daß dort niemals jemand Hunger leidet, krank wird, oder, wenn er innen ist, sterben kann an jenem Tag, an dem er eintritt in den Palast. Und wenn einer starken Hunger hat oder zu Tode krank ist und dann den Palast betritt und dort für eine Weile bleibt, so geht er gesättigt hinaus, als ob er von hundert Gerichten gegessen hätte, und so gesund, als ob er niemals an einer Krankheit in seinem Leben gelitten hätte.

Interpolation C:

  1. Es entspringt auch dort eine Quelle über alle Maßen würzig und wohlriechend, die niemals den Palast verläßt; von einer Ecke, wo sie entspringt, fließt sie durch den Palast zur anderen Ecke gegenüber, und dort nimmt die Erde sie auf und unter der Erde kehrt sie zu ihrem Ursprung zurück, gerade so wie die Sonne vom Okzident unter der Erde zurückkehrt zum Orient.
  2. Wer von ihr kostet, schmeckt das, was er zu essen oder zu trinken wünscht. Von solch großem Duft wird der Palast angefüllt, als ob alle Arten von Balsam, Gewürzen und Salben dort verarbeitet und bewegt würden und viel mehr von diesen allen.
  3. Wenn jemand von dieser Quelle 3 Jahre 3 Monate 3 Wochen und 3 Tage und 3 Stunden jedes Tages dort trinkt und in den 3 Stunden so trinkt, daß er nicht vor diesen Stunden und nach diesen Stunden, sondern in dem Zwischenraum, das ist am Anfang und Ende jeder einzelnen dieser 3 Stunden, durstig trinkt, dann wird er vor 300 Jahren 3 Monaten 3 Wochen 3 Tagen 3 Stunden nicht sterben und wird sich immer im besten Jugendalter befinden.
  4. Wer dann so lange gelebt hat, ruft am letzten Tag der erwähnten Zeit die Verwandten und Freunde zusammen und sagt zu ihnen; „Meine Freunde und nächsten Anverwandten, schon bald werde ich sterben. Ich bitte Euch, schließt über mir das Grab und betet für mich“.
  5. Nach diesen Worten betritt er sogleich das Grab, nimmt Abschied und legt sich nieder, als ob er schlafen wolle und damit die Prophezeiung erfüllt wird „in der letzten Stunde übergibt er seine Seele dem Schöpfer“.
  6. Die Anwesenden aber weinen der Sitte gemäß über dem Leichnam es geliebten Menschen, schließen das Grab, empfehlen ihn dem Herrn und entfernen sich.

Interpolation B:

  1. Am nächsten Morgen erhob sich mein Vater, der Gottgleiche, von diesen Visionen erschreckt und während er nachdachte und sehr beunruhigt war, hörte er die erhabene Stimme, die auch die, die er bei sich hatte, hörten und sie sagte:
  2. „Oh Gottgleicher, tue das, was Dir vorgeschrieben wurde, zögere nicht, damit alles so wird wie vorhergesagt“.
  3. Bei dieser Stimme wurde mein Vater getröstet und fing sofort an, den Palast zu bauen, für dessen Errichtung nur die wertvollsten Edelsteine und das beste Gold für den Mörtel genommen wurden.
  4. Sein Himmel, das ist das Dach, ist von leuchtendem Saphir und klare Topase sind dazwischengesetzt, damit die Saphire wie der Himmel und die Topase in der Art der Sterne leuchten.
  5. Der Estrich besteht aus großen Kristallplatten, Kammern oder sonstige Abteilungen gibt es im Palast nicht. Die 50 Säulen sind aus purem Gold, wie Nadeln geformt und innerhalb des Palastes entlang der Mauer aufgestellt.
  6. In jeder Ecke ist eine, die übrigen sind zwischen ihnen aufgestellt. Die Höhe einer dieser Säulen beträgt 60 Ellen, ihr Umfang ist so, daß zwei Menschen sie mit ihren Armen umspannen können und jede hat in ihrer Spitze einen Karfunkel, der so groß ist wie eine Amphore, dadurch wird der Palast erleuchtet wie die Erde durch die Sonne.
  7. Wenn Du aber fragst, weshalb sind die Säulen wie Nadeln gespitzt? Das ist deshalb so, daß, wenn sie oben so breit wie unten wären, der Estrich und der ganze Palast nicht durch solchen Glanz der Karfunkel erleuchtet würden.
  8. Und fragst Du, ob es dort hell ist? Solch große Helligkeit ist dort, daß nichts so Geringes oder Feines sich auf dem Estrich befinden kann, daß es nicht gesehen würde.
  9. Ken Fenster und keine andere Öffnung gibt es dort, damit nicht die Helligkeit der Karfunkel und der anderen Steine durch die Helligkeit des reinen Himmels und der Sonne in irgendeiner Weise verdunkelt werden kann.

Interpolation C:

  1. Es gibt dort eine Pforte von reinem leuchtenden Kristall, umgeben mit funkelndem Gold, sie liegt nach Osten, ihre Höhe beträgt 130 Ellen, wenn Unsere Hoheit zum Palast kommt, öffnet und schließt sie von selbst ohne Berührung. Wenn aber andere eintreten, öffnen und schließen die Türwärter.
  2. Jeden Tag gehen Wir in den Palast, um aus jener Quelle zu trinken, wenn Wir Uns in der Stadt aufhalten, die Briebrich genannt wird. Wenn Wir fortreiten, lassen Wir Uns von jener Quelle, wohin Wir auch gehen, Wasser nachtragen und trinken jeden Tag dreimal davon, wie es in der Vision Unseres Vaters vorgeschrieben worden ist.

Interpolation B:

  1. An Unserem Geburtstag und Unserem Krönungstag betreten Wir jenen Palast und bleiben solange in ihm, bis Wir gegessen haben könnten und gehen von dort gesättigt, als ob Wir mit Speisen jeder Art gefüllt wären.

Interpolation C:

  1. Wenn Du wiederum fragst, da der Schöpfer aller Uns zum Mächtigsten und Berühmtesten über alle Sterblichen gemacht hat, warum Unser Hoheit dann sich nicht mit einem würdigeren Namen benennen läßt als „presbiteratus“, soll sich Deine Klugheit nicht verwundern.
  2. Wir haben einige Ministerialen an Unserem Hofe, die würdiger sind nach Namen und Amt, insofern es den kirchlichen Rang betrifft und auch höher als Wir in den Gottesdiensten fungieren. Denn Unser Truchseß ist Primas und König, Unser Schenk ist Erzbischof und König, Unser Kämmerer ist Bischof und König, Unser Marschall König und Archimandriat, Unser Küchenmeister König und Abt. Daher hat es Unser Hoheit nicht für gut gehalten, sich mit den Namen oder Würden zu benennen, von denen Unser Hof voll zu sein erscheint, deshalb hat er sich entschlossen, den geringeren Namen und die niedrigere Würde zu nehmen wegen seiner großen Bescheidenheit.
  3. Über Unseren Ruhm und Unsere Macht können Wir Dir zur Zeit nicht genug sagen. Aber, wenn du zu Uns kommst, wirst Du sagen, daß Wir der Herr der Herren der ganzen Welt sind. Dies weißt Du wenigstens inzwischen, daß unser Reich sich auf der einen Seite fast 4 Monate in die Breite zieht, auf der anderen Seite weiß niemand, wie weit Unsere Herrschaft reicht
  4. Wenn du die Sterne des Himmels und den Sand des Meeres zählen kannst, dann zähle Unsere Herrschaft und Unser Machen.

Source: Ulrich Knefelkamp, Die Suche nach dem Reich des Priesterkönigs Johannes (Gelsenkirchen: Andreas Müller, 1986), 180-7.


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