Wilde Männer und Mohren (ca. 1431)

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Dieser beeindruckende Wandteppich stellt eine Schlacht zwischen gigantischen wilden Männern, die nur in Erzeugnissen des Waldes oder ihrer eigenen Behaarung gekleidet sind, und zivilisierten Verteidigern einer Burg dar. Selbstverständlich ist der Kontrast in Hautfarbe und die Umkehr unserer Erwartungen, dass Weiß die Zivilisation und Schwarz das Fehlen des gleichen darstellen sollte, am bemerkenswertesten. Die wilden Giganten mit ihren struppigen Haaren und Bärten greifen mit Stöcken und Steinen an. In den zwei anderen Teilen des Wandteppichs kämpfen sie mit einem Löwen, einem Drachen und einem Einhorn – heraldische Symbole, die Autorität und Macht repräsentieren – und schenken dann einer Mutter und einem Kind in einer Höhle Wild. Falls wir Zweifel bezüglich dem Grad des Anstandes zwischen diesen weißen Männern hätten, hat einer der Schenker herausragende Fangzähne. Die schwarzen Verteidiger hingegen bewohnen eine wehrhafte Burg und kämpfen mit Pfeilen und Bogen. Die säuberlich gepflegten Bärte, Gewänder und Stirnbänder der Männer identifizieren sie als Sarazenen oder vielleicht als schwarze Bekehrer zum Christentum. Ihr König, ihre Königin und Prinzessin sehen ängstlich aus dem Wehrturm zu, während Herolde laut nach Unterstützung rufen.

Wie Devise und Mollat behaupteten, ist der Wandteppich einzigartig in der Weise, in der er verschiedene Gruppen, die oft in einem christlichen Europa als am Rande befindliche Andere bewertet werden, in einen Konflikt kommen lässt. Obwohl die genaue Geschichte, die hier erzählt wird, im Sand der Zeit verloren gegangen ist, schien der Wandteppich eine Art Bündnis zwischen zwei Familien, dessen Wappen in der Gestaltung vorkommen, zu feiern. Eines dieser Familien, die Zorns, hatten ein Familienmitglied, dass in den Kreuzzügen gekämpft hatte und starb, und fügten später ihrem Wappen einen Mohren hinzu, was womöglich die Einbeziehung von schwarzen Verteidigern erklärt. Falls dies wahr ist, dann hat dieser Wandteppich jenseits seiner außergewöhnlichen Schönheit Wert, indem er Aufschluss über die Gewohnheit Mohren – und vor allem gekrönte Mohren – in die Heraldik einzubinden.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


English

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Source: Tapestry: Wild Men and Moors (ca. 1440), Boston Museum of Fine Art 54.1431.


Wilde Männer und Mohren (ca. 1431) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.
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