Angelo Soliman (ca. 1721-1796)

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Angelo Soliman wurde als Mmadi-Make um rund 1721 geboren. Wir können nur darüber spekulieren, woher er im subsaharischen Afrika kam, aber wir wissen, dass er aus einer nicht-christlichen, höchstwahrscheinlich muslimischen Familie stammte und im Alter von acht Jahren entführt und versklavt wurde. Er wurde nach Nordafrika und dann nach Sizilien gebracht, wo er an den österreichischen Feldmarschall Prinz Lobkowitz verkauft wurde. Soliman wurde ein Soldat in seinem Dienst und ein sehr vertrauter Berater. Nach dem Tod von Lobkowitz 1753 finden wir Soliman in Wien im Dienste des Fürsten Liechtenstein, der ihn zu seinem Kammerherrn machte und ihm die Ausbildung seiner Kinder anvertraute. Außerhalb des Haushalts des Prinzen bewegte sich Soliman in aufgeklärten Kreisen und war in der Stadt gut bekannt. Er war fünf Jahre lang Freimaurer, stieg zum Großmeister seiner Loge auf und schrieb Regeln, die die Freimaurerei in ganz Europa neu formte. Er wurde ein Gefährte von Persönlichkeiten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn und war mit Kaiser Joseph II. befreundet.

Soliman war sowohl eine prominente Figur in Wien als auch ein exotisches Prunkstück, wie man in seinem Porträt sehen kann. Wir sehen Soliman, der in einen exotischen Pelzmantel und Turban gekleidet ist und vor einer exotisierten ägyptischen Landschaft steht. Der Text erfindet eine königliche Linie für ihn und vergleicht ihn mit Jugurtha, einem nordafrikanischen König, der Rom im zweiten Jahrhundert v. Chr. herausforderte und somit Prestige schuf, das auf seinen Prinzen überging.

Aber so sehr Solimans Leben die Möglichkeit widerspiegelt, dass sich Schwarze Menschen in die europäische Gesellschaft integrieren können, was ihm nach seinem Tod passierte, spiegelt auch einen Wandel in ein neues Zeitalter der rassisch determinierten Degradierung wider, als Schwarze Körper Objekte eines spektakulären Blicks wurden, der in wissenschaftliche Anmaßung gehüllt war. Entgegen den energetischen Einwänden von Solimans Tochter Josephine nahm Kaiser Franz II. seine Leiche in Besitz und ließ sie als „Wilden“ ausstopfen und mit Straußenfedern und Muscheln  kleiden. Der Körper wurde dann zusammen mit zwei anderen Afrikanern und exotischen Tieren in seinem Kuriositätenkabinett ausgestellt, wo er bis zum Brand des Gebäudes in der Revolution von 1848 blieb.


English

Quelle: Gottfried Haid (based on an engraving by Johann Nepomuk Steiner), Angelus Solimanus (ca. 1750). Via Wikimedia Commons.


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