Machbuba (ca. 1825-40)

Machbuba_Schubert, 1996
Porträt von Machbuba (ca. 1840), Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Fotografie von Olaf Schubert (1996)

Am 27. Oktober 1840 starb ein junges Mädchen namens Machbuba im sächsischen Muskau bei Cottbus an Tuberkulose. Obwohl sie dort noch nicht lange gewohnt hatte, war sie als Sklavin und Konkubine des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, einem exzentrischen Gartengestalter, Reiseschriftsteller und Frauenheld, berüchtigt geworden. Machbubas Geschichte steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu denen anderer Sklaven, die etwa zur gleichen Zeit erworben und nach Mitteleuropa gebracht wurden, wie August Sabac El Cher, der trotz seiner prekären Abhängigkeit von seinen Herren großen Erfolg hatte.

Obwohl es schwierig ist, mit Sicherheit zu sagen, scheint es so, dass sie die Tochter eines Amtsträgers des Oromo-Volkes im äthiopischen Hochland war. Ein verheerender Krieg führte zum Tod des größten Teils ihrer Familie und ließ sie in den Händen von Sklavenhändlern, die sie 1737 auf den Sklavenmarkt in Kairo brachten. Dort erregte sie scheinbar mit nur einem Schleier und einem mit Muscheln verzierten Gürtel bekleidet die Aufmerksamkeit von Pückler-Muskau, der später von der Reife ihrer nackten Form schwärmte. Sie war etwa zwölf Jahre alt und er zweiundfünfzig. Obwohl er behauptete, zunächst nur ein akademisches Interesse an ihr zu haben, wurde sie auf jeden Fall bald seine Dienerin, Krankenschwester, Begleiterin und Konkubine.

Machbuba bereiste mit dem Prinzen drei Jahre lang den Nahen Osten, bevor er 1840 beschloss, nach Europa zurückzukehren. Er blieb eine Weile in Wien, vor allem, um seiner Ex-Frau zu entgehen, die Machbuba ablehnte, und nutzte die Gelegenheit, seine exotisch gekleidete Konkubine in der feinen Gesellschaft zur Schau zu stellen. Sie bezauberte, aber sie hatte bereits begonnen, krank zu werden. Der Prinz scheute bei der Suche nach einer Behandlung für sie in den besten Kurorten keine Kosten, aber es war letztendlich vergeblich. Sie starb allein, der Prinz hielt sie auf Distanz, weil ihre außereheliche Beziehung einen Skandal verursachte.

Laut seinem eigenen Bericht hatte sich der Prinz tief in sie verliebt, und es scheint, dass diese Gefühle so aufrichtig sie auch waren, von Machbuba nicht erwidert wurden. In den Schriften von Pückler-Muskau bekommen wir einen Einblick auf eine eigenwillige junge Frau, die selbstbewusst genug war, seine Autorität zu testen, obwohl seine strengen Strafen deutlich machen, dass er die Macht annahm, die damit einherging, ein Herr von Sklaven zu sein. Ihre Beziehung war alles andere als symmetrisch, aber gleichzeitig muss man sich fragen, ob sie diese Beziehung im späteren Leben als Druckmittel hätte nutzen können. Vielleicht hätte sie sich, wie Ignatius Fortuna oder Angelo Soliman, eine bequeme Position sichern können, in der sie eine gewisse Autonomie hätte ausüben können, oder vielleicht wären diese Möglichkeiten als Frau viel eingeschränkter gewesen. 

Nach Machbubas Tod schrieb Pückler-Muskau, immer der Publizist, sie in sein öffentliches Image als eine Hälfte einer leidenschaftlichen, ungleichartigen und tragisch verkürzten Liebesgeschichte. Diese Geschichte wurde zu einer lokalen Legende, die durch einen Roman von 1935 und ein Theaterstück aus 2010 aktualisiert wurde und wird bis heute vom Nachlass des Prinzen gepflegt und hat in den letzten Jahren sogar zu Kontroversen geführt, da einige sich das Gedächtnis von Machbuba krass angeeignet haben, um den regionalen „Traditionen” exotisches und erotisches Flair zu verleihen.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


English

Quelle: Unknown artist, Machbuba (ca. 1840). Painting, oil on canvas, 70 x 50cm. Image courtesy of the Erbengemeinschaft der Grafen Pückler aus dem Bestand der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Photograph ©Olaf Schubert, 1996.


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