Schwarze Begleiter des Großen Kurfürsten (ca. 1690)

Ab dem siebzehnten Jahrhundert galt ein „Mohr” an einem Hof als Symbol für Prestige in den deutschen Ländern. Für einige Höfe, die in der Nähe von Hafenstädten oder wichtigen Flüssen lagen, war es möglich, Schwarze Menschen relativ einfach über bestehende Handels- und Schutzherrschaftsnetzwerke zu erwerben. Allerdings waren die, die sich in größerem Abstand befanden oder geringere Mittel hatten, in diesem Wettbewerb der Statussymbole benachteiligt. Als der „Große Kurfürst” von Brandenburg, Friedrich Wilhelm I. (regierte 1640-1688), eine Expedition zum Aufbau einer preußischen Beteiligung am profitablen westafrikanischen Handel von Kostbarkeiten und Sklaven schickte, nutzte er auch die Gelegenheit, seine Handelsvertreter anzuweisen, für seinen Hof sechs „attraktive und wohlgeformte” Sklaven im Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren zu erwerben. Es ist nicht klar, ob diese Aufträge ausgeführt wurden, aber es ist bekannt, dass der Große Kurfürst eine Musikgruppe hatte, zu der auch Westafrikaner gehörten. 1683 hatte einer dieser Männer, genannt Ludwig Besemann, das Glück, zur Ausbildung zum Schlagzeuger in die Armee versetzt zu werden. Über ihren symbolischen Wert hinaus, da sie für die Steuerung der Bewegungen immer komplexerer Truppenformationen entscheidend waren, nahmen solche Musiker eine privilegierte Position in Armeen in ganz Europa ein. Die Hohenzollern Nachfolger Friedrich Wilhelms fuhren damit fort Schwarze Diener an ihrem Hof und in der Armee einzusetzen.

Vielleicht ist der Mann, der hier auf dem Bild zu sehen ist, einer der Musiker des Großen Kurfürsten, oder womöglich hat er eine andere Rolle am Hof gespielt. Sein elegantes Kleid macht deutlich, dass er eine Position der Wertschätzung einnahm, aber die Inschrift macht auch deutlich, dass er dazu bestimmt war, die Weltlichkeit und Güte Friedrich Wilhelms I. zu symbolisieren. 

Jeff Bowersox


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Schenk--HAAB Weimar

Die Inschrift lautet:

AEthiops inter Cubicularios Electorales.
Patriis remotus ab oris Principe sub magno traduco mollius aerum.

Ein Äthiopier am Hofe des Kurfürsten. Ich führe ihn, entfernt von seiner Heimat, in eine angenehmere Umgebung unter einem großen Prinzen.


Quelle: Peter Schenk, “AEthiops inter Cubicularios Electorales,” Kostüme der Hof-Officianten des Grossen Churfürsten Friede. Wilhelm v. Brandenburg (ca. 1690), Klassik Stiftung Weimar, Anna Amalia Bibliothek, Signatur MB D 2 : 82 [a]. ©Klassik Stiftung Weimar. Inscription translation by Astrid Khoo.


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