Verkleidung als Mohren am Hof (1609)

Das höfische Jahr wurde regelmäßig mit Feiern unterbrochen, an denen sich die Gäste in fantastischen und exotischen Kostümen verkleideten. Solche Anlässe waren mehr als nur kostümierte Partys, Anlässe für Partygäste sich auszutoben und Spaß haben zu wollen. Die Gäste mussten eine komplizierte Welt der Statusunterschiede navigieren, und solche Maskeraden wurden nie von der Notwendigkeit der Höfe, ihre Macht und ihr Ansehen zu demonstrieren, getrennt. Aufwändige Kostüme und Darstellungen standen im Mittelpunkt dieser Bemühungen, und höfische Künstler arbeiteten hart daran, durch die Raffinesse ihres Designs, das technische Handwerk ihrer Produktion und die Neuartigkeit ihrer Figuren zu beeindrucken. Als solches können ihre Produkte als Maß für die Breite der Vorstellungskraft der Zeitgenossen gehalten werden. Die Kostüme der „Mohren” wurden größtenteils von Reiseberichten inspiriert und folgten in der Regel den Konventionen berühmter Handbücher, wie aus Vecellios berühmten Kostümbuch über antike und moderne Bekleidungsstile aus verschiedenen Teilen der Welt, welches z.B. zwischen den reich bekleideten edlen Mohren Nordafrikas und den fast nackten „Schwarzen Mohren” unterscheidet. Solche Verzeichnisse geben uns einen Einblick in die Fantasien und Vorurteile der Europäer und zeigen uns auch ein Mittel, mit dem sie in ganz Europa verbreitet wurden.

Der Hofkünstler des Herzogs von Sachsen, Daniel Bretschneider der Ältere, produzierte einen Katalog, der die Kostümentwürfe für ein Jahr höfischer Feste zur Schau stellt. Es gibt insgesamt 51 Bilder, und sie reichen von Darstellungen weltlicher Gestalten wie Soldaten und Jäger bis hin zu Fabelwesen, von Narren bis hin zu Tieren. Ähnlich zu den „wilden Männern“ sind die „Mohren” in diesen Illustrationen weitgehend nackt, obwohl die Kleidung und Banner, die sie tragen, außergewöhnlich farbenfroh sind und durch standardmäßige „exotische” Merkmale wie Federn, Turbane und gebogene Schwerter gekennzeichnet sind. In einer stellen die Figuren Spieße mit scheinbar weißen spanischen Köpfen zur Schau. In einer anderen beinhaltet die Gefolgschaft eines Königs der Mohren eine Reihe von Sklaven in Ketten. Das Titelbild eines Ringstechen-Wettkampfes, zu dem auch Reiter gehören, die in europäische und „maurische“ Mode gekleidet sind, vermittelt einen Eindruck von den Aktivitäten, an denen die Gäste teilnahmen. Wie die Bilder von Herzog Johann Georg von Sachsen als Sultan und Markgraf Christian von Brandenburg als „Inder” zeigen, nahmen auch die edelsten Gäste vollständig daran teil, sich als exotische Figuren zu verkleiden.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


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Quelle: Daniel Bretschneider, Abriß und Verzeichnis aller Inventionen und Aufzüge, welche an Fastnachten, Anno 1609 im kurfürstl. Schlosse zu Dresden aufgefuhrt wurden, Sächsische Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden Mscr.Dresd.J 18. Images by Andrè Rous via Deutsche Fotothek. ©Andrè Rous.


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