Beethoven spielt mit George Bridgetower, dem „großartigen Mulatten-Komponisten und Wahsinnigen“ (1803)

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George Bridgetower, ein unbezeichnetes Aquarell (1800), über Wikimedia Commons

George Augustus Polgreen Bridgetower (1778 oder 1780-1860) war ein gefeierter Geiger, der Großbritannien und den Kontinent bereiste. Er wurde in Biała im österreichischen Galizien als Sohn eines Schwarz-westindischen Dieners und einer weißen deutschen oder polnischen Mutter geboren und wuchs bei den Hofmusikern von Prinz Nikolaus Esterházy auf. Als Wunderkind gab er 1789 sein Debüt in Paris und spielte auch in Großbritannien. Bald darauf erhielt er die Gönnerschaft vom zukünftigen König Georg IV., der seine musikalische Ausbildung förderte.  Er wurde in die Royal Society of Musicians (Königlicher Musikverein) gewählt, erwarb einen Musikabschluss in Cambridge und war eines der ersten Mitglieder der Royal Philharmonic Society (Königliche Philharmonische Gesellschaft). Wie Joseph Boulogne, Chevalier de St. Georges (1745-1799) und Ira Aldridge (1807-1867) war Bridgetower eine Schwarze Berühmtheit, dessen Arbeit europäische Grenzen überschritt und weit verbreitete Vorurteile über rassisch determinierte Minderwertigkeit in Frage stellte. 

 

Er verließ Großbritannien, um seine Mutter 1802 in Dresden zu besuchen, und nach dortigen Konzerten wurde er nach Wien eingeladen, wo er sich schnell mit Ludwig van Beethoven anfreundete. Beethoven wurde von Bridgetowers Spiel inspiriert und überarbeitete ein neu geschriebenes Stück, die Sonate op. 47, nur für ihn. Sie debütierten das Stück gemeinsam am 24. Mai 1803 im Augartensaal. Obwohl die in letzter Minute vorgenommenen Änderungen des Komponisten dazu führten, dass Bridgetower aus Beethovens eigenhändigem Manuskript spielen musste, strahlte die Brillanz des Geigers in der Aufführung durch. Seine Improvisation an einem Punkt veranlasste Beethoven dazu, von seinem Sitz aufzuspringen, Bridgetower zu umarmen und auf eine Zugabe zu bestehen: „Noch einmal, mein lieber Bursch!“ Obwohl das Stück ursprünglich für Bridgetower geschrieben und ihm gewidmet war, hatten er und Beethoven einen Streit, an dem eine Frau beteiligt gewesen sein könnte. Als Beethoven die Sonate 1805 veröffentlichte, widmete er sie daher dem französischen Geiger Rodolphe Kreutzer. Obwohl die beiden sich nicht kannten und Kreutzer das Stück nie spielte, ist es seitdem als Kreutzer-Sonate bekannt.

Das Bild hier ist das Originalmanuskript in Beethovens eigener Handschrift, aus dem Bridgetower im Mai 1803 spielte. In der rechten oberen Ecke hat Beethoven eine unbeschwerte Widmung an seinen Freund, den „großartigen Mulatten-Komponisten und Wahnsinnigen”, geschrieben.

Jeff Bowersox (translated by Lilian Gergely)


English
op.  47
„Sonata mullatica“ (auch als „Kreutzer-Sonate“ bekannt) für „Brischdauer“ komponiert

Die Widmung im oberen rechten Eck lautet:

Sonata mulattica Composta per il Mulatto Brischdauer
gran pazzo e compositore mulattico

Mulatten-Sonate für den Mulatten Brischdauer, dem großartigen Mulatten-Komponisten und Wahnsinnigen, komponiert


Quelle: Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violine (A Dur) op. 47, 1 Satz, p. 2, Partitur, Autograph, Beethoven-Haus Bonn, NE 86. ©Beethoven-Haus Bonn.


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Beethoven spielt mit George Bridgetower, dem „großartigen Mulatten-Komponisten und Wahsinnigen“ (1803) by Jeff Bowersox and Lilian Gergely is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License. Permissions beyond the scope of this license may be available at https://blackcentraleurope.com/who-we-are/.