Afroamerikaner und die Degeneration des Swing (1943

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Eine lächerliche Zeremonie, die die Wurzeln des Swing in Harlem zeigen soll

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 blieben die Vereinigten Staaten aufgrund der starken isolationistischen Stimmung zu Hause formal neutral, aber Präsident Roosevelt gab den Briten dennoch zunehmend materielle Unterstützung. Diese Situation erschwerte die deutschen Propagandaanstrengungen. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor und die amerikanische Kriegserklärung an den deutschen Verbündeten im Dezember 1941 gaben Hitler die Möglichkeit, den Vereinigten Staaten den Krieg zu erklären. Mit Amerika fest im feindlichen Lager konnte das Propagandaministerium eine umfassende Offensive starten..

Diese Propagandakampagnen porträtierten die Vereinigten Staaten als ein Land respektabler weißer Bürger, die von korrupten, brutalen, kriegstreiberischen Eliten unter dem Einfluss intriganter Juden ausgebeutet wurden. Für den Film Herr Roosevelt Plaudert aus dem Jahr 1943 nahmen Propagandisten aufsehenerregende Clips aus amerikanischen Wochenschauaufnahmen der 1930er Jahre und setzten sie in ein Narrativ der allgegenwärtigen Unterdrückung und Unordnung. Die einfachen Weißen wollen nur gute Jobs und sichere Löhne, leiden aber aufgrund der gierigen jüdischen Kapitalisten unter Arbeitslosigkeit und Hungersnot. Die politischen Marionetten der Juden, schlägt der Film ohne Ironie vor, setzen Polizeigewalt und Zwangsarbeit ein, um die Arbeiter gefügig zu halten. Und sie zwangsverpflichten Soldaten, um ihr Ziel zu verfolgen, die Welt mit ihrem barbarischen sowjetischen Verbündeten zu teilen.

Herr Roosevelt plaudert2
Die Träger der amerikanischen Kultur scheinen vom Swing überwältigt zu sein

Afroamerikaner (oben) erscheinen in diesen Filmen im Allgemeinen als Symbol des moralischen Verfalls, der das Land heimsucht, und Propagandisten spielten stark mit den Vorstellungen von Schwarzen als Wilde, die von „primitiven“ Rhythmen angetrieben werden. In diesem Film steht das, was wie eine Art komischer oder sensationslüsterner ekstatischer „Voodoo”-Tanz mit Hühnern aussieht, für die Kultur von Harlem, „der Geburtsstätte des Swing”. Dieses „primitive Negro-Tamtam” wurde von den weißen „Trägern der amerikanischen Kultur” bedingungslos aufgenommen (rechts), und sie wurden durch Manipulation genauso beeinflussbar wie die leichtgläubigen Afroamerikaner, die die demokratischen Politiker manipulieren, um Roosevelts politische Maschine am Laufen zu halten. Führer wie Roosevelt lassen die amerikanische Kultur genauso sicher hungern wie ihre Wirtschaftspolitik die Menschen.

Um den Swing durch solche grotesken Karikaturen zu delegitimieren, versuchten deutsche Propagandisten, eine Lösung für ein echtes Dilemma zu finden, nämlich die weit verbreitete Popularität von Musikformen aus den USA, die sie aus rassischen Gründen als „entartet” verurteilten.

Jeff Bowersox (übersetzt von Lilian Gergely)


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Quelle: Deutsche Wochenschau, Herr Roosevelt plaudert (Germany, 1943), via Youtube.com.


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