Die deutsche Sektion der Liga zur Verteidigung der Negerrasse (1929)

Die Liga zur Verteidigung der Negerrasse wurde im September 1929 gegründet. Sie bestand aus etwa dreißig in Berlin lebenden schwarzen Männern und Frauen, von denen die meisten aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun stammten. Unter ihnen waren der Schauspieler Louis Brody, der Architekt und Aktivist Joseph Bilé, sowie verschiedene Vertreter der darstellenden Künste. Das Sekretariat der Liga zur Verteidigung der Negerrasse befand sich in der Friedrichstraße 24 in den Büros der Liga gegen den Imperialismus, zu der sie gehörte und die für ihre Finanzen verantwortlich war. Beide Organisationen arbeiteten unter der Schirmherrschaft der Kommunistischen Internationale.

Aktivisten der Liga zur Verteidigung der Negerrasse sprachen bei Treffen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und anderen kommunistischen Organisationen. Die Kulturproduzenten des Vereins veranstalteten 1931 eine Theaterrevue mit dem Titel Sonnenaufgang im Morgenland, über die sogar die afroamerikanische Presse berichtete. Doch ihr Bestreben, ein Schwarzes Theater in Berlin zu eröffnen, scheiterte an der fehlenden finanziellen Unterstützung durch ihre Schwesterorganisationen.

Der unerwartete Mangel an finanzieller Unterstützung durch die Liga gegen den Imperialismus zwang die Liga zur Verteidigung der Negerrasse, ihre politischen Aktivitäten einzustellen. Das komplexe Netzwerk kommunistischer und antikolonialer Organisationen half dennoch, die Mitglieder zu politisieren und führte – wie im Fall des Sekretärs des Vereins Joseph Bilé – zu einer politischen Karriere innerhalb der Kommunistischen Internationale.

Die Liga löste sich 1932 auf, aber die Gründe dafür lassen sich nicht eindeutig feststellen. Der Mangel an finanzieller Unterstützung und Spannungen innerhalb des Komintern-Netzwerks über die relative Bedeutung der rassischen Unterdrückung gegenüber der Klassenunterdrückung sind wahrscheinliche Faktoren.

Philipp Koepsell (übersetzt von Lilian Gergely)


English

Die “Liga zur Verteidigung der Negerrasse” (LzVN) wurde im September 1929 gegründet und war ein Zusammenschluss von ca. 30 in Berlin lebenden Schwarzen Männern und Frauen. Die meisten Mitglieder stammten aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun. Unter ihnen waren der Schauspieler Louis Brody, der Architekt und Aktivist Joseph Bilé sowie verschiedene Vertreter der darstellenden Künste. Das Sekretariat der LzVN befand sich in der Friedrichstraße 24 in de Räumen der ihr übergeordneten Liga gegen Imperialismus, welche auch die Finanzierung der LzVN sichern sollte. Beide Organisationen standen unter direkter Einflussnahme der Kommunistischen Internationale.

Aktivist_Innen der LzVN sprachen bei Versammlungen der KPD und anderen kommunistischen Organsationen. Die Kulturschaffenden innerhalb der Vereinigung führten 1931 eine Theaterrevue auf  (“Sunrise in Morning Land”), über welche sogar Schwarze US-amerikanische Zeitungen berichteteten. Ursprüngliche Ambitionen, ein Schwarzes Theater in Berlin zu eröffnen, scheiterten an der fehlenden finanziellen Unterstützung der Schwesterorganisationen.

Das unerwartete Ausbleiben finanzieller Mittel durch die Liga gegen Imperialismus zwang die LzVN zur politischen Untätigkeit. Das komplexe Netz aus kommunistichen und antikolonialen Organisationen verhalf Mitgliedern aber zu einer politschen Schulung und — wie im Falle des Sekretärs der Vereinigung, Joseph Bilé — zu einer politischen Karriere innerhalb der Kommunistischen Internationale.

Die LzVN stellte ihre Aktivitäten 1932 ein. Die Gründe für das Ende der LzVN können bis dato nicht eindeutig belegt werden. Schlechte Finanzierung und strittige Zuständigkeiten innerhalb des KomIntern-Netzwerks sind allerdings naheliegend.


Quelle: Statutes of the League for the Defense of the Negro Race


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