Attacking American slavery (1839)

J. C. Biernatzki’s 1839 novel The Brown Boy (Der braune Knabe) was first and foremost a theological tract with a starkly anti-Catholic bent, but he uses a critique of racism and American slavery as the tool to make his points about faith. The novel is remarkable for being one of the few German novels of the period to cast such an unrelenting light on the horrors of slavery and racism in the United States. In these passages, the author makes a Christian case for universal human rights and shows that he has nothing but disdain for German migrants who have become too accustomed to the way of life in “the land of the free.”


The main character Walter was shipwrecked on his way to America, only to be saved by a heroic black sailor on a passing vessel named Paolo. Although Paolo was hurt while saving Walter, he refused any treatment until he was sure that Walter had recovered, and he even gave the suddenly impoverished immigrant the substantial sum of $30. Paolo’s generosity opened Walter’s eyes to the “Negro’s” humanity and made him sensitive to prejudice and the suffering inflicted on them. We can see this in an argument with Tribold, a fellow German in New Orleans who had lived in America for a while:

Am andern Morgen, nach dem herzlichsten Abschied von Paolo und der übrigen Besatzung der Brigg, fuhr ich mit meinem Landsmann auf einem großen, starkgebauten Ruderschiff nach New-Orleans. Unser Fahrzeug war gröstententeils mit Negern bemannt, und die Erinnerung an Paolo zeigte mir in jedem Schwarzen einen Gegenstand meiner lebhaften Zuneigung. Daher war mein Benehmen offen und zutraulich gegen meine Weißen Reisegefährten; aber gegen die Nager die zarteste Aufmerksamkeit selbst, und ich konnte es nicht über mich gewinnen, die geringste Dienstleistung von ihnen anzunehmen. Herr Tribold lächelte Anfangs ein paar Mal über meine ängstliche Höflichkeit gegen seine Sklaven; aber als ich einem die Aufsicht führenden Mulatten, der die Peitsche erhob, um nach einem Neger zu schlagen, in die Arme fiel, zog mich Tribold ziemlich heftig auf meinen Sitz zurück, und sagte mit einem Ton, in welchem Aerger und Spott sich mischten:

“Ruhig, lieber Freund! Die Deutsche Modephilosophie gedeiht nicht hier im Lande.”

“Sie sind doch selbst ein Deutscher,” antwortete ich, “und werden doch gewiß nicht die Sklaverei der Schwarzen billigen?”

“Wenn Sie sich erst einige Monate bei uns aufgehalten haben, werde ich Ihnen diese Frage gern beantworten, im Fall dann noch sie aufwerfen können. Uebrigens,” setzte er ernsthaft hinzu, “muß ich Sie erinnern, daß die bei uns geltenden Gesetze jede Aueßerung gegen die bestehenden Einrichtungen in Rücksicht auf die Neger mit schweren Strafen belegen, und daß keine Kaftfreundschaft Sie schützen kann, wenn Sie sich nicht in die Sitten des Landes fügen. Lassen Sie sich in Ihrem Benehmen für’s Erste von der Klugheit leiten, und ich bin überzeugt, Sie werden später selbst die Maßregeln billigen, die Ihnen jetzt als Kräuel erscheinen. So ist es mir gegangen, so wird es auch Ihnen gehen.”

“Nie! sprach ich dumpf in mich hinein, gedrückt durch das Gefühl meiner abhängigen Lage. Unwillkührlich suchten meine Hände in den leeren Taschen. Ich fühlte noch nie so tief die leidige Macht des Mammons, wie in diesem Augenblick. Ein paar Dollars in meinem Besitze würden mir die Freiheit gegeben haben, rücksichtslos die Stimme meines herzens reden zu lassen, während ich nun schweigen mußte, obwohl mir Zorn und Verachtung die bitterste Gegenrede auf die Lippen drängten. Da, o Wunder! faßten meine Finger einen seidenen Beutel, mit Geld gefüllt, in einer der Taschen meines Rodes. Ich zog ihn rasch hervor, und meinte, daß er durchVersehen daring geblieben sei. Aber als ich ihn öffnete, fiel mir ein Zettel entgegen, worauf mit fast unleserlichen Buchstaben die Worte geschrieben standen: “Ich brauch’ es nicht. Paolo.” Der Beutel enthielt gegen dreißig Dollars. Stumm vor Erstaunen betrachtete ich das Geld un den Zettel, heiße Thränen drangen aus meinen Augen, und ich hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als an Paolo’s Brust mich auszuweinen, und mit ihm fortan Freud’ und Leid bis zum Grabe zu theilen. Herr Tribold über meine Entzückung, deren Grund er vielleicht alleine in dem Anbild des Geldes vermuthete. Ich reicht ihm den Zettel:

“Das ist von dem Neger, der mich vom furchtbaren Tode rettete.”

“Hm,” sagte er, “das ist brav, wahrlich brav!” — “Sie dürfen nicht glauben,” fuhr er nach einer Pause fort, in welcher er meine Erwartungen, daß er sein früheres, hartes Urtheil über die Neger zurücknehmen würde, zu errathen schien, “Sie dürfen nicht glauben, daß ich unempfindlich bin gegen den Edelmuth eines Negers. Ich begreife vielmehr ganz Ihre jetzigen Gefühle wider die Sklaverei der Schwarzen. Aber dennoch muß ich Sie um Ihrerer selbst willen inständigst bitten, so lange Sie in den südlichen Staaten Nordamerika’s sind, keinen Anstoß gegen die Sitte, weder in Thaten, noch in Worten zu begehen, und bin auch noch immer derselben Meinung, wie früher, daß Sie selbst erkennen werden, unsere Behandlung dieser Menschenrace werde durch die Nothwendigkeit und durch den Charakter der Neger gerechtfertigt.”

“Auch nachdem ich einen Paolo kennen gelernt, sind Sie dieser Meinung?” rief ich heftig.

“Ei, Landsmann,” entgegnete Herr Tribold ruhig, “wir wollen bei unserer zufälligen Bekanntschaft im fremden Lande uns nicht gleich Anfangs erzürnen. Sehen Sie um sich, da sind die endlosen Ebenen, deren Horizont nur hier und da ein dunkler Walk begränzt. Glauben Sie nicht, daß ein solcher Anblick die Sehnsucht in mir weckt nach den Bergen der Heimath? Daß dieser breite gelbe Strom mit seinen Ungeheuern nicht das Verlangen nährt, einmal wieder von den Silberbächen mit ihren spielenden Forellen Etwas wenigstens zu hören? Ja, daß ich von diesen schwarzen Gesichtern nicht gern wenigstens im Geiste meinen Blick zurückwende zu den Rosenwangen in den Thälern des Vaterlandes? Kommen Sie, erzählen Sie mir von Dem, was wir Beide lieben, und lassen Sie uns nicht weiter streiten über eine Sache, die wir mit so ganz verschiedenem Auge ansehen.”

Desto unbegreiflicher wäre mir es aber gewesen, wie über den Einen, zuerst berührten, Punkt wir so gänzlich von einander abweichen konnten, wenn ich nicht bedacht hätte, daß früh eingesogenen Voruhrteile, besonders wenn sie durch Herrschsucht, Eitelkeit oder Eigennutz genährt werden, sich eine unzugängliche Burg im Menschenherzen erbauen. Wir handeln oft wider aller Vernunt, ja gegen unser Gewissen, weil wir uns nicht loszureißen vermögen von Vorstellungen, die wir nun einmal gewohnt sind, als einen Theil unseres Seins und Lebens zu betrachten, obwohl wir doch auch wieder fühlen, daß sie eben nichts weiter sind, als angewöhnte Ansichten und Meinungen. Darin sind wir nicht allein Andern, sondern uns selbst ein Räthsel, und ohne Rücksicht auf dies Räthsel werden wir nie zu einer richtigen Beurtheilung der einzelnen hervortretenden Personen der Weltgeschichte, noch der Weltgeschichte selbst gelangen.



Walter promises Tribold that he will remain silent on this issue in order to avoid harsh punishments, but he finds it difficult to do so. He is continually shocked by the people who endorse racist oppression, including a mild German woman Therese who, like Tribold, had become accustomed to the way of live in the “land of the free.” Later in the story Therese will allow Walter to convince her of the evils of slavery, and after his wife Carridoja is killed, they marry and return to Germany together:

Eins war es, was mir damals noch einen Halt gab, woran ich mich wieder zu einem wahren, warmen Menschengefühl aufrang. Ich mußte oft Zeuge sein der barbarischen Behandlungen der Neger, ich mußte von Kauf und Verkauf meiner Mitsgeschöpfe hören, ich mußte zähneknirschend langen Tiraden über die Nothwendigkeit der Sklaverei, verächtlichen Spöttereien über die Versuche zur Emancipation der Schwarzen, albernen Vertheidigungen des Lynchgesetzes, trotzigen Drohungen wider die Anfechter desselben mein Ohr leihen. Es bedurfte der beständigen Erinnerung Tribolds an das Versprechen, welches ich ihm bald nach meinem Einzug in seine Wohnung in Bezug auf mein Stillschweigen über diese Dinge gegeben, mich vor den harten Strafen zu bewahren, die dort auf dem Boden der Freiheit schon den mündlichen Vertheidiger der Menschenrechte treffen. Doch wurde ich dadurch in dem Entschluß besträrkt, sobald meine Wechsel angekommen, jene Gegend zu verlassen. Aber theilte nicht wenigstens Therese meine Gefühle in Rücksicht der Schwarzen? Wunderbare Macht der Sitte und Gewohnheit! Dies milde, weiche Geschöpf, das weinen konnte über ein krankes Täubchen, ja, das noch die Spuren von den Krallen eines Geiers trug, mit dem sie um ein Lamm gekämpft, sah gleichgültig die Peitsche auf den blutigen Nacken eines Sklaven niederschwirren.

“Mein Gott!” sagte ich zu ihr, “wie können Sie mit Ihrem sanften Gemüthe ohne Empörung diese Mißhandlungen ansehen?”

“Warum,” lächelte sie, “gebrauchen Sie denn die scharfen Sporen wider die Störrigkeit ihres Pferdes?”

“Aber wie können Sie denn,” antwortete ich hastig, “Ihre Nebenmenschen mit Pferden vergleichen?”

“Meine Nebenmenschen?” fragte sie verwundert. “Wir redeten ja von den Schwarzen.”

“Sind diese denn nicht auch Menschen, wie wir?”

“Wohl Menschen,” docirte sie altklug; “aber eine Raçe zu Sklaven geboren und von der Natur bezeichnet, die durch ihre Trägheit und Störrigkeit selbst dem Treiber die Peitsche in die Hände giebt, anstatt sich in ihre natürliche Bestimmung zu fügen.”

“Sagt Ihnen das der Lehrer, der Sie im Schrifenthum unterrichtet?”

“Ja wohl,” entgegnete sie. “Als ich, noch ein Kind, hierher kam, ging es mir, wie Ihnen, ich weinte und flehte, als wenn ich selbst die Schläge empfangen sollte. Da tröstete mich mein Lehrer, und setzte mir das Verhältnis der Weißen zu den Schwarzen als ein von Gott geordnetes aus einander; und lehrte mich beim Anblick jener dienstbaren Geschöpfe dem Himmel danken, daß er mir eine edlere Bestimmung gegeben.”

“Er hat Sie und seinen Gott belogen, der Schändliche!” rief ich heftig, “und soll mir am jüngsten Tage Rechenschaft geben, daß er auch Dich, Kind meines Vaterlandes, gegen diese Abscheulichkeiten verhärtete.”

Therese wandte sich scheu von mir, als hätte mich ein augenblicklicher Wahnsinn ergriffen, und ich merkte bald nachher an den feindseligen Blicken des Priesters, der uns dann und wann auf unserer Pflanzung besuchte, wie and dem zurückhaltenden Wesen Theresens gegen mich, daß sie ihm unser Gespräch im Beichtstuhle vertraut, und daß er ihr warnende Rathschläge wegen ihres Benehmens gegen den Gast des Hauses gegeben.



The final straw comes when Walter sees a black woman who has just been whipped. When Walter tries to prevent any further harm, Tribold tries to play his interest off as sexual, but Walter reveals his true intentions by throwing himself in front of the woman, receiving her lash. His willingness to risk his own safety endears him to the slaves of the plantation and earns him the woman’s affection:

Eines Vormittags kam ich mit Tribold zu einem Abschiedsbesuch auf eine der nächtlichen Pflanzungen. Das Erste, was mir in die Augen fiel, war eine junge Negerin mit beiden gestreckten Armen gegen einen Pfahl in die Höhe gebunden, die gewöhnliche Stellung, um jene grausame Strafe zu erleiden, die mit einer Peitsche aus mehreren kurzen gedrehten Riemen voll harter Knoten ausgeführt wird, und die straffgezogenen Rückenmuskeln des Opfers schrecklich zerfleischt. Der Herr der Pflanzung trat uns, freundlich grüßend, entgegen. Ich stürtze vom Pferde, ergriff hastig die dargebotene Hand des Pflanzers, und beschwor ihn, mir zu Liebe in der letzten Stunde, in der wir uns in dieser Welt sähen, der armen Negerin ihre Strafe zu schenken. Verwundert blickte er mich an, und noch mehr verwundert mochten wohl die beiden Schwarzen, die unsere Pferde hielten, mich anstarren.

“Mein Freund,” sagte Tribold wie begütigend, “hat eine besondere Passion für junge Negerinnen.”

Er wollte lieber bei seinen Nachbarn den Verdacht einer sündlichen Neigung auf mich laden, als mein menschliches Gefühl für die Sklaven kund werden lassen. Er wußte, dieses Mitleid würde mir Spott und Schande, jene Unwürdigkeit nur ein mitbewußtes Lächeln zuziehen. Unser Wirth war vielleicht im Begriff, meinem Wunsche aus gastfreundlicher Höflichkeit zu genügen, als plötzlich der erste Schmerzenschrei der Unglücklichen in mein Ohr drang. Ich flog dem Marterplatze zu, und als eben der Arm des Aufsehers zu einem zweiten Schlage ausholte, stürtze ich mich zwischen ihn und die Negerin. Die Peitsche war im Niedersausen, und ein Riemen traf mit seinem Knoten mich so stark an den Hinterkopf, daß ich blutend und bewußtlos hinsank. —


Source: J. C. Biernatzki, Der braune Knabe, oder die Gemeinden in der Zerstreuung, Teil 1, in J. C. Biernatzkis Versammelte Schriften Vol. 5 (Altona: Hammerich’s Separat-Conto, 1850), 85-89, 99-101, 105-106.