Christoph Meiners asserts African inferiority and defends slavery (1790)

Christoph Meiners (1747-1810), a renowned philosopher at the University of Göttingen, was an unapologetic defender of slavery as a civilizing tool, even going so far as to endorse interbreeding between plantation owners and their slaves as a way to lift up Africans as a race. Meiners was foremost among scholars who drew broad conclusions based not on their own empirical observation but rather on travel reports, which allowed them to infuse their results with their own biases. The excerpt below, from a full-throated defense of the transatlantic slave trade, shows how far Meiners was from his contemporary Immanuel Kant’s efforts to grapple with racism. Rejecting calls for an expansion of freedom that had been used to challenge the aristocracy, promote Jewish emancipation, and demand the abolition of slavery, Meiners maintained a fierce commitment to the idea that certain races and classes were superior to others and that this was merely an expression of natural law. Further, justifying slavery requires him to dehumanize blacks, to literally describe them as animals and to deny them even the basic attributes of humanity, including intelligence, emotions, and sensitivity to pain or beauty. At the same time, their thievery and apparently boundless capacity for revenge fed white fears of slave rebellions and race war, which required constant, violent suppression by slaveowners.He justifies the mass rape of black women by ascribing to them unnatural lusts and a natural preference for white men. 

His ideas, expressed most thoroughly in multiple editions of Grundriß der Geschichte der Menschheit (1785, 1793) were later a particularly important influence on Gobineau, the father of late nineteenth- and early twentieth-century scientific racism.


Die wachsende Aufklärung und die mit wahrer Aufklärung und Geistes: Bildung unfehlbar wachsende Menschlichkeit haben in den letzten Zeiten nicht nur richtigere Begriffe von den Rechten und Pflichten des Menschen verbreitet, sondern haben auch das Gefühl des erlittenen, oder fortdauernden Unrechts, den Unwillen gegen alle Unterdrücker, und das Mitleiden mit den Unterdrückten um viele Grade erhöht. Kein Wunder also, daß in eben dem Zeitalter, in welchem die zu lange gemißhandelten Völker und Stände gegen ihre Tyrannen aufstanden, diese zu einer furchtbaren Rechenschaft zogen, und  ihre gekränkten und fast ganz vergessenen Rechte laut zurückforderten, daß in eben diesem Zeit-Alter die berühmtesten Schriftsteller aller Nationen gleichsam einen Bund schlossen, und in unserm Erd-Theil die Juden, und in der neuen Welt die Neger aus dem Zustande von Verachtung und Knechtschaft herauszureissen suchten, in welchen die einen, und die andern hinabgestürzt worden sind. Wen der allgemeinen Empörung aber wider eine jede Art von willkührlicher Gewalt geschah eben das, was von jeher den allen ähnlichen Gährungen geschah: man besserte nicht bloß, sondern man zerstörte; man strafte nicht bloß, sondern man rächte sich; und man machte sich nicht bloß von Despoten, und despotischer Gewalt, sondern von allen Gesetzen, und aller Unterordnung los. Die erwachende Freiheits-Liebe artete in Fürsten- und Adel-Stürmen aus, und Haß der Unterdrückung ging in einen fieberhaften Enthusiasmus für eine eben so unmögliche, als ungerechte Gleichheit aller Stände und aller Völker über. Ein beständiger Fortgang in nützlichen Kentnissen, und freien Untersuchungen wird auch diese Verirrung edler, aber mißgeleiteter Leidenschaften verbessern. Die gedemüthigten Fürsten werden gewiß die Gewalt wieder erhalten, die ihnen um des allgemeinen Bestens willen gebührt. Eben so gewiß werden die bessern Stände und Völker die Vorrechte behaupten; die sie wegen ihrer angebornen oder erworbenen höheren Vorzüge verdienen; und so wenig jemals Unterthanen mit ihren Regenten, Kinder mit Erwachsenen, Weiber mit Männern, Bediente mit ihren Herren, uns fleissige und unwissende Menschen mit thätigen und Unterrichteten, erklärte Bösewichter mit Schuldlosen, oder verdienstvollen Bürgern gleiche Rechte und Freiheiten erhalten werden; so wenig können Juden und Neger, so lange sie Juden und Neger sind, mit den Schriften und Weissen, unter welchen sie wohnen, oder denen sie gehorchen, dieselbigen Vorrechte und Freiheiten verlangen. Wenn es ungerecht ist, unter Wesen, die einander gleich sind, mit Gewalt niederdrückende Ungleichheiten zu erzwingen; so ist es nicht weniger ungerecht, solche, welche die Natur, oder andere unüberwindliche Ursache einander uns gleich machen, gleichsetzen zu wollen. Und so heilige Natur: Gesetze es sind, daß keiner das Recht hat, einen andern muthwillig zu beleidigen, und keiner die Macht haben sollte, andere ungestraft unglücklich zu machen, eben so heilige Gesetze sind es auch, daß nach den Absichten der Natur Rechte und Pflichten gegen einander, und beide mit den Kräften im genausten Verhältnissen stehen, die man besitzt, um sein eigenes und andere Wohl zu befördern; und daß einem jeden in eben dem Maasse, in welchem er geben, und leisten kann, wieder gegeben, und wieder geleistet werde. Wer also weniger geben, und weniger leisten kann, als andere, der kann ohne Ungerechtigkeit nicht so viel fordern, als diese.

Nach dem ersten Eindruck, den die Neger-Freunde in England und Frankfreich machten, hätte man glauben sollen, daß die schwarzen Sklaven in den ersten Monaten aus ihren Banden würden befreit werden. Allein die Regierungen, die sich anfangs durch das Geschrei der hitzigen Freiheits-Freunde zu weit hinreissen liessen, haben bis jetzte noch keinen entscheidenden Schritt zur Aufhebung der Sklaverei in der neuen Welt gethan, und unstreitig haben genauere Erkundigungen und Forschungen sie belehrt, daß eine plötzliche und unbedingte Freilassung den größten Theil der Neger eben so unglücklich machen, als die Pflanzer und Güter-Besitzer zu Grunde richten würde. In der That kann man kaum einseitiger und seichter raisonniren, als die eifrigsten Widersacher der Knechtenschaft der Neger. Man begnügt sich nicht damit, die Mißbräuche zu rügen, und zu übertreiben, die bei dem Einkauf und der Einschiffung der Neger, in ihrer Kleidung und Nahrung, in ihren Arbeiten und Züchtigungen vorgehen, und auf die Ausführung der gegen diese Mißbräuche längst gethanen Vorschläge zu dringen; sondern man will die Knechtschaft der Neger ganz abgeschaft wissen, und erklärt es für Gottes-Lästerung, wenn man behauptet, daß das Verhälthniß zwischen Herren und Knechten jemals ein natürliches, und rechtmässiges Verhältniß sein könne. Man sagt die Sklaven-Händler, die Sklaven-Schiffer, und besonders die Pflanzer in der neuen Welt als Verbrecher der beleidigten Menschheit an, durch deren Grausamkeiten den Nationen, welchen sie zugehören, ein ewiger Schandfleck angehängt, und ein schwerer Fluch aufgeladen werde. Man will endlich die Neger nicht bloß den Europäern, oder den Weissen gleich setzen, sondern es fehlt nicht viel daran, daß man sie über die schönsten, geistreichsten, und edelmütigsten Völker unsers Erd-Theils hinaus hebt.

Von keinem der vielen falschen oder halbwahren Gemein-Oerter, die noch immer im gemeinen Leben, wie in Schriften als unumstößliche Grundsätze gelten, und selbst als Kriteria gebraucht werden, hat es mich so sehr gewundert, daß er sich bis jetzt erhalten habe, als von dem Gemein-Orte: daß alle Menschen gleich geboren werden, und also auch gleiche ursprüngliche Rechte und Pflichten haben. Gegen diesen Satz von der natürlichen Gleichheit aller Menschen streiten die übereinstimmenden Zeugnisse aller Reisenden, die uns die wilden, barbarischen, und halbkultivirten Völker anderer Erd-Theile beschrieben haben. Wider eben diesen Satz streitet die ganze alte und neuere Geschichte, welche lehrt, daß Schöhnheit, Thätigkeit, Empfindlichkeit gegen die Schönheiten der Natur und Kunst, unerschöpfliche Erfindungs-Kraft, Künste und Wissenschaften, theilnehmendes Mit-Gefühle von Dankbarkeit und Reue, von Schaam, von Eitel und Schicklichkeit, und alle aus diesen Gefühlen entspringende liebenswürdige, und bewundernswürdige Jugenden eben so wenig, als Freiheit und weise Gesetzte in allen Erd-Theilen und unter allen Völkern der Erde wohnten: daß von jeher die weissen und schönen Nationen, und vorzüglich die Europäischen alle schwarze, rothe, und braune Völker in viel kleinere Zahl überwunden, und nach der Unterjochung im Zaume gehalten haben: daß die schwarzen, braunen, und rothen Völker Künste und Wissenschaften nicht nur nicht erfanden, sondern auch nicht einmal fähig waren, sie anzunehmen, wenn sie ihnen auch noch so lange angeboten, und noch so leicht gemacht wurden; und daß unter eben diesen Völkern der besser gebornen Menschen viel weniger sind, als unter uns der unheilbaren Blödsinnigen, oder Verrückten, oder Verkehrten. Wider die ursprüngliche Gleichheit aller Völker streitet endlich die ganze Anatogie der Natur, oder die Harmonie täglicher und unverwerflicher Beobachtungen. Eine allgmeine Erfahrung lehrt uns, daß es kein Mineral, keine Pflanze, keinen Baum, und keine Thier-Art gebe, die nicht irgendwo in ihrer höchsten Vollkommenheit, und anderswo hingegen durch den Einfluß von weniger günstigen Ursachen in geringern Grade von Vortrefflichkeit hervorgebracht würde: daß, wenn Gemächte und Thiere aus dem Klima, und dem Boden, wo sie am besten gedeihen, in andere weniger vortheilhafte versetzt werden, sie alsdann aus arten; und wenn man einen unedlen Stamm einen edelen Zweig einimpft, und ein Thier von besserer Art mit einem andern von einer schlechtern sich vermischen läßt, alsdann die Früchte des ersten, und die Brut des letztern unfehlbar veredelt werden.

Der Mensch war, und wurde in keinem andern Erd-Theil so schön, so stark, so thätig, so tapfer, so gefühlsvoll gegen das Glück und Unglück anderer, und so reich an Künsten, Wissenschaften, und Jugenden, als in Europa. Wenn der schöne, starke, geistvolle, tapfere, und edelmühige Europäer in andere Erd-Theile versetzt wird, so artet er aus, und verliert einen Theil der ihm angestammten Kraft, Thätigkeit, Tapferkeit, Menschlichkeit, und Geistes-Stärke. Vermischt er sich aber mit Menschen von anderer Abkunft, anderer Farbe, anderer Bildung, und Anglagen des Geistes und Herzens; so erhebt er das Blut des Kindes über das Blut der Mutter, und theilt dem Kinde zur Hälfte nicht nur seine Farbe, seine Bildung, und übrigen körperlichen Vollkommenheiten, sondern auch die höhern Gaben des Geistes und Herzens mit.

Der äussere Mensch entspricht im Durchschnitt stets dem Innern, und umgekehrt.

Die Furcht, daß die Ueberzeugung von der Erhabenkeit der weissen Menschen über die schwarzen, rothen, und braunen ein Grund, oder wenigstens eine Entschuldignug der Ungerechtigkeiten der ersten gegen die letztern werden könne, ist nicht ganz erdichtet. Alle Schriftsteller bezeugen es, daß viele Pflanzer die Mißhandlungen der Neger damit zu bescheinigen suchen: daß die Neger keine Seelen, oder keine Vernunft hätten, und keine Menschen seien; und alle Geschichtschreiber stimmen darinn überein, daß die Eroberer der neuen Welt, und der Ost-Indischen Inseln und Länder ihre Grausamkeiten auf eine ähnliche Art zu rechtfertigen gesucht haben. Allein das Gefühl der angebornen Erhabenkeit über die Bewohner anderer Erd-Theile wird man dem Europäer gewiß nicht durch die beständige Wiederhohlung des Gemein-Platzes von der natürlichen Gleichheit aller Menschen nehmen, welchen Gemein-Platz es ausser Europa durch tägliche, und untrügliche Erfahrungen widerlegt sieht. Viel besser und sicherer ist es, dem durch seinen Geist mehr, als durch seinen Körer siegenden und herrschenden Europäer zu beweisen, daß wenn auch die Neger, die Americaner, und andere diesen ähnliche Völker in aller Rücksicht weit unter ihm seien, er deßwegen kein Recht habe, seine auf einer niederigeren Stuffe stehenden Brüder mit einem grausamen Muthwillen zu vernichten, oder zu mißhandeln, daß er vielmehr seine höhern Kräfte dazuanwenden müsse, um diese Menschen besser und glücklicher zu machen, als sie sich selbst überlassen geworden wären, und daß eine auf Weisheit und Güte gegründete Herrschaft seine eigenen Vortheile vielmehr befördere, als eine willkürliche, und zerstörende Tyrannen. In Europa ist zwar die ursprüngliche Verschiedenheit von Menschen, und Völkern nicht so groß, als in andern Erd-Theilen; allem beständige und gleichförmige Erfahrungen haben doch die Aussprüche des gemeinen Menschen-Verstandes veranlaßt: daß nicht bloß einzelne Menschen von andern Menschen durch die Beschaffenheit und Grade ihrer Gaben und Anlagen verschieden seien, sondern daß auch vorzügliche äussere und innere Gaben sich, wie natürliche Gebrechen, in gewissen Geschlechtern fortpflanzen; und auf diese letztere Bemerken war von den ältesten Zeiten der unter allen Europäischen Völkern die Eintheilung in edle, und nicht edle Geschlechter gegründet. Auch hat die angebliche Gleichheit der Menschen die Nicht-Slawischen Europäischen Völker nie vermocht, den Wenden und Juden gleiche Vorrechte mit sich selbst zu halten, ungeachtet es ihnen nie eingefallen ist, ähnliche Unterschiede zwischen Personen aus ihrem eigenen Mittel, und zwischen den Kolonisten aus andern Nationen gleichen Ursprungs zu machen.

Es ist eine sehr irrige Einbildung, wenn man glaubt, daß die eigentlichen Neger in Afrika, die es nicht bloß durch Farbe, sondern auch durch Bildung sind, sich von den Europäern allein durch die scharze Farbe, und durch eine erkünstelt platte Nase unterscheiden. Nach den vortrefflichen, und lange nicht genug erwogenen Beobachtungen des Herrn Hofr. Sömmering c), die durch die Nachrichten der glaubwürdigsten Reisebeschreiber vollkommen bestätigt werden, ist die Zahl der Gliedmassen des menschlichen Körpers, die im Neger ursprünglich ganz anders, als im Europäer gebildet sind, ungleich beträchtlicher, als die Zahl derjenigen, die in beiden übereinstimmen, und man kann ohne Bedenken behaupten, daß die menschenähnlichsten Affen den häßlichen Negern ähnlicher, als die Neger den Europäern sind. Die auffallendsten und meisten Unterschiede finden sich in den Bildungen des edelsten Theils des menschlichen Körpers, des Hauptes, das im Neger so sehr von der Europäischen Form abweicht, daß man die einmal erkannte Mißgestalt afrikanischer Köpfe auch selbst in Gerippen und Schädeln nicht übersehen kann.

Alle jetzt angeführte Zeichen und Wirkungen einer angeborner Gefühllosigkeit, eiserne Härte gegen die Beschwerden der Witterung, und gegen die Folgen der grösten Ausschweifungen der Gefrässigkeit und Bölleren, gänglicher Mangel von Ekel, thierische Gleichgültigkeit im Tode, wie in den grausamsten Schmerzen, ungestörter Schlaf und Appetit in den schwersten Krankheiten, Sicherheit gegen alle Nerven: und inflammatorische Krankheiten, und Ausdruckslosigkeit des Gesichts und der Stimme in den heftigsten Gemüths: Bewegungen, finden sich nicht etwa in einigen, sondern auch in den Weibern, nicht bloß in den West-Indischen Sklaven, sondern auch in den Afrikanischen Negern, und zwar in diesen noch mehr, als in jenem, nicht bloß in den rohesten, sondern auch in denjenigen Neger-Völkern, die am meisten ausgebildet sind, und hingegen fand man eben diese Merkmale und Wirkungen von Gefühllosigkeit nie in den Europäischen Völkern, seblst da nicht, da sie noch Barbaren, oder rohe und ungebildete Hirten waren, einzelne Blödsinnige, Verrückte, Rasende, oder andere Kranke ausgenommen, die durch ihre Krankheit eine Zeit lang bis zu den Thieren erniedrigt werden. Von Blödsinnigen, und besonders Rasenden ist es bekannt, daß sie gegen alle Unbequemlichkeiten der Witterung unempfindlich werden, und in der grimmigsten Kälte nackt und unbekleidet ausdauren können; daß sie die abscheulichsten und unverdaulichsten Dinge ohne Ekel verschlingen: daß sie gegen alle andere Krankheiten und selbst gegen die ansteckendsten unverwundbar sind: daß endlich diesen Unglücklichen wegen ihrer geschwächten Empfindlichkeit die kräftigsten Arzneien in viel grösserer Menge, als andern Menschen gegeben werden müssen, wenn sie gleiche Wirkungen hervorbringen sollen. Da man nun an den Europäischen Weissen nie solche und so viele Proben von Gefühllosigkeit wahrgenommen hat, als an den Negern allgemein bemerkt worden sind, so kann man nicht sagen, daß die Unempfindlichkeit der Neger eine Wirkung ihrer Ungebildheit, oder ihres elenden Zustandes sei: sondern man muß ihre geringere Empfindlichkeit, wie ihre Häßlichkeit, und Farbe für etwas angebornes erklären.

Allein ungeachtet die Europäer sich nun Jahrhunderte lang unter den Negern niedergelassen, und von den nach West-Indien verpflanzten Sklaven viele Tausende in Freiheit gesetzt haben, so haben doch weder die Neger-Völker in Afrika, noch die Frei-Neger in America jemals die Gewerbe, Künste und Wissenschaften zu ergreifen, noch Europäische Gesetze und Verfassungen nachzuahmen versucht. Die Neger setzen so wohl in Afrika, als in den fernen Europäischen Pflanzungen eine Ehre darin, den Weissen ähnlich zu werden, und sie äffen daher ihre Kleidung und Putz, ihren Gang, Bewegungen und Mienen, und selbst ihre Sprache so viel als möglich nach; allein diese Nachahmungs-Sucht erstreckt sich nie bis auf Europäische Erfindungen und Arbeiten, auf Europäische Kenntnisse, Tugenden und Einrichtungen. Die Neger in Afrika kleiden sich hin und wieder, oder wohnen auch besser, als vor der Ankunft der Europäer z); übrigens aber ist ihre Unwissenheit und Lasterhaftigkeit, ihre Knechtschaft, und Tyrannen noch eben so groß, als in vorigen Zeiten. Ihre Sprachen sind eben so dürftig, als ihre Religionen kindlich sind. Sie haben keine Schrift, keine Geschichte, nicht einmal historische Befänge, keine Rechen-Kunft, und keine andere Handwerke, oder Gewerbe, als die sie vormals hatten. –
In Europa hingegen hatten die Römer Gallien, die Deutschen Länder jenseit des Rheins, Britannien, Hispanien und Pannonien kaum einige Menschen-Alter erobert, als Künste und Wissenschaften, Handwerke, Manufakturen und Gewerbe unter den bezwungenen Völkern nicht weniger, als unter der siegenden Nation blühten.

Wenn man auch in den zwei oder drei Jahrhunderten, seit welchen die Europäer die Küsten von Afrika besucht, und viele Tausende von Negern frei gelassen haben, sich einer oder der andere Neger in Künsten und Wissenschaften, oder in den Geschäfften des Friedens und Krieges einigen Namen erworben hätte, so würde daraus weiter nichts folgen, als daß die Natur von Zeit zu Zeit unter diesen geistlosen Völkern einige Menschen mit einer der unsrigen ähnlichen Organisation hervorbringe, so wie sie unter uns dann und wann Männer geboren werden läßt, die über das Loos der Menschheit, und das Maaß menschlicher Kräfte erhaben zu sein scheinen. Allein selbst die wenigen Neger, die sich den Eurpäern durch Fähigkeiten am meisten näherten, blieben doch sehr weit unter der Linie der Mittelmässigkeit stehen.

[Unter diesen glücklicher geboren und empostrebenden Negern erlange keiner einen grössern Ruhm, als ein Frei-Neger in Jamaica, Francis Williams a), der in seiner Kindheit so viele Anglagen verrieht, daß ein Herzog von Montagu sich entschloß, mit dem Knaben einen Versuch zu machen, ob nicht wenigstens ein Neger Vervollkommlichkeit genug der sässe, um nach Art der Europäer ausgebildet zu erden. Man schickte den jungen Williams nach England, und ließ ihn erst in der Lateinischen Schule und dann auf der Universität Cambridge studieren. Williams erwarb sich einige Kenntniß in der Mathemakit vorzüglich aber eine Fertigkeit, lateinische Werke zu machen; allein dieser geringen Kenntnisse und undedeutensden Fertigkeit]

Die natürliche Dummheit, oder Genielosigkeit der Neger offenbart sich nicht nur in ihrer fortdauernden Rohheit, und in ihrer Unfähigkeit zu Künsten und Wissenschaften, sondern auch in mehrern Gebrechen des Geistes, die ihnen allgemein Charakteristisch beigelegt, und die auch unter uns als Zeichen von einem schwachen, und eingeschränkten Verstande verachtet werden. Diese Gebrechen sind unüberwindlicher Eigensinn, oder Halsstarrigkeit, Unabhänglichkeit an alten Sitten, Meinungen und Gewohnheiten, und eine alte Klugheit und Erfahrung täuschende Verschmitztheit.

Aus der natürlichen Gefühlslosigkeit, Feigheit, und Dummheit der Neger entspringt der knechtliche Sinn, der sie die entehrendsten und grausamsten Mißhandlungen ihre Tyrannen ohne Murren und Gegenwehr dulden, und zugleich zu Sklaven-Arbeiten viel mehr, als geistreichere Menschen geschickt macht.

Dieselbigen Neger, die sich von Personen, denen sie einmal anhängen, alles gefallen lassen, werden durch die geringsten Beleidigungen von andern zur blutigster Rache entflammt; und diese Rachbegierde der Neger ist eben so charakteristisch, als ihre Unfähigkeit, Personen zu lieben, die sie nicht fürchten. Die Rachbegierde besserer Völker dadurch, daß sie unermeßlich, unversöhnlich, und versteckt ist. Zuerst steht die Rache, die sie üben, mit der Beleidigung, die sie empfangen haben, nie in einem Verhältniß. Sondern das Unrecht, das ihnen angethan worden, mag so klein sein, als es will, so ist ihre Rache immer gleich endlos, und tigerartig g). Wenn sie einmal beleidigt worden sind, so ist es ihnen unmöglich, eine solche Beleidigung jemals zu vergessen, oder zu verzeihen; und alle Liebe und Wohlthaten, die ihnen nachher von ihren Beleidigern erwiesen werden, sind nicht im Stande, sie zu versöhnen, und den Vorsatzt der Rache aus ihrem Herzen zu reissen h). So uns endlich aber und unversöhnlich auch ihre Rachbegierde ist, so können sie dieselbe doch viele Monate und Jahre unterdrücken, bis sie eine Gelegenheit finden, ihre stets brennende Leidenschaft durch Gist und Dolch zu befriedigen. Bleibt eine solche Gelegenheit zu lange aus, so kehrt sich ihre Wuth gegen sich selbst, und sie bringen sich selbst um, ohne das Herz zu haben, ihren Gegner öffentlich, und mit gleichen Waffen und Vortheilen anzugreifen.

Der Mangel der wahrhaft menschlichen Empfindlichkeit, der den Negern die übrigen sittlichen Gefühle raubt, macht sie auch gegen die Regungen der Schaam unempfänglich. … Väter bieten ihre Töchter, und Männer ihre Weiber an, und die Neger sind so gar stolz darauf, wenn ihre Weiber mit Europäern in Verbindung stehen… Europäer werden von Negerinnen nie abgewiesen, ausgenommen wenn eine raubsüchtige Coquetterie ihnen Standhaftigkeit einflößt w). In der Büssung ihre Lüste scheuen sie sich vor Zeugen und selbst vor ihren Kindern eben so wenig, als die Thiere; und alle Neger, die aus Afrika kommen, sind mit allen Arten der unnatürlichen Lüste bekannt.

Man kann gegen die jetzt entworfene Schilderung der Neger nicht einwenden, daß sie nach den einstigen, oder parteiischen Nachrichten einiger weniger Schriftsteller gemacht worden. Ich habe die wichtigsten glaubwürdigen Schriftsteller genutzt, welche die Neger in Afrika und Amerika beobachtet haben, und habe nicht bloß das Ungünstige, was sie von den Negern erzählen, sondern auch das Vorteilhafte angeführt. Ich habe nicht bloß ihre Urtheile, sondern vielmehr die in ihren Schriften enthaltenen Facta zusammengetragen und geordnet, und alle diese Zeugnisse und Facta sind eben so übereinstimmend, als die Züge des freilich nicht schmeichelhaften, aber wahren Gemäldes, dad daraus entschanden ist. Wenn man uns einen einzelnen Menschen so gefühllos, so schlaff, und so schwach von Verstand schilderte, als die Neger sind, so würde man ohne Bedenken sagen, daß ein solcher Verwahrloseter alle die übrigen Gebrechen und Unarten haben müsse, die sich in den Negern finden.

Bevor ich weiter gehe, frage ich alle Menschenkenner und Rechts-Lehrer, ob sie glauben, daß man so gefühllosen, so reitzbaren un schlaffen, so dummen und übelartigen Menschen, als die Neger sind, zu ihrem und anderer Besten solche Rechte, und eine solche Freiheit zugestehen: daß man sie durch solche Bewegungs-Gründe zum Guten antreiben, durch solche Strafen vom Bösen abhalten, und ihren solche Pflichten auflegen könne, als man den Europäern auflegt? Es würde mich wundern, wenn unter meinen Lesern auch nur einer wäre, der diese Frage anders beantwortete, als sie von allen Nationen Europens, die Neger-Sklaven besitzen, und in allen Gesetzgebungen derselben beantwortet worden ist.


Source: Christoph Meiners, “Ueber die Natur der Afrikanischen Neger, und die davon abhängende Befreyung, oder Einschränkung der Schwarzen,” Göttingisches historisches Magazin 6:3 (1790): 387-456.