Herder’s “Negro Idylls”: The Brothers (1797)

As a philosopher Johann Gottfried Herder is best known for his critique of the universalist conventions within prevailing Enlightenment thought, and Kant‘s in particular. His quest to understand and explain difference led him to focus instead on the diversity of peoples and cultures, most notably through his interest in the “Volk” (“people”) as a corporate entity with its own distinctive culture. Although his ideas were shaped by many contemporary eurocentric and racist prejudices, his project was profoundly cosmopolitan and insisted on the fundamental unity and equality of the entire human race. But in the nineteenth century, his ideas on the distinctiveness of different “peoples” were transformed into fixed laws of “race” that were used to explain and legitimate an exploitative social order, both within Europe and around the globe.

In this text, one of a series of critical poems, Herder uses two “brothers” raised together, one white and the other a black slave, to illustrate the inhumanity of New World slavery. The enslaved boy Quassi had been nursed at the same breast as his white master, and he grew up loving his master and believing himself loved equally in return. But having been dressed down and threatened with a lashing over a minor misunderstanding, Quassi is shocked. He assumes that he and his master still share a deep bond and that by proving his love he will also demonstrate his innocence. Instead, the master attacks, but Quassi is able to wrestle him to the ground and pulls out a knife. He forces his master to hear how unjustly he’s been maligned. With his master entirely at his mercy, Quassi decides not to kill him but instead to prove his own deovtion by slitting his own throat.  

Herder highlights the impossible struggles that define slaves’ lives, but he seems reluctant to endorse an attack on the slaveholders. His protagonists choose to renounce such violence, preferring to die a martyr or to protect whites in danger of being murdered by rebellious slaves. It seems that for Herder salvation will have to come from appeals to the sentiments of white audiences rather than from the enslaved themselves.


Die Brüder
Mit ſeinem Herren war ein Negerjuͤngling
Von Kindheit an erzogen; Eine Bruſt
Hatt’ ſie genaͤhrt. Aus ſeiner Mutter Bruſt
Hatt’ Afrikan’ſche Bruderliebe Quaſſi
Zu ſeinem Herrn geſogen, huͤtete
Sein Haus und lebte, lebte nur in Ihm.

Der Neger glaubte ſich von ſeinem Herrn,
(Einſt ſeinem Spielgeſellen,) auch geliebt,
That was er konnte, lebend nur fuͤr Ihn.

Und — bittre Taͤuſchung! — einſt um ein
Vergeſſen,
Das auch dem Goͤtterſohn begegnen kann,
Ergrimmete ſein Herr und ſprach zu ihm
Von Karrenſtaͤupe.
Wie vom Blitz geruͤhrt,
Stand Quaſſi da, der treue Freund, der
Bruder,
Der liebende Anbeter ſeines Herrn.
Das Wort im Herzen, deckte ſchwarzer Gram
Die ganze Schoͤpfung ihm. Verſtummt entzog
Er ſich des Herren Anblick. — Meinet Ihr,
Er floh? Mit nichten! Sicher hoffend noch,
Daß ihn ein Freund, daß die Erinnerung
Der Jugend ihn verſoͤhne, rettet er
Sich in der niedern Sklaven Huͤtte, die
Ihn hoch verehreten. Da wartet’ er
Ein nahes Feſt ab, das ſein Herr dem Neffen
Bereitet’, und ein Tag der Freude war.
„Dann, ſprach er bei ſich ſelbſt, wird ihm die
Zeit
Der Jugend wiederkehren. Billigkeit,
Und meine Unſchuld, meine Lieb’ und Treu
Wird fuͤr mich ſprechen. Er vergaß ſich; doch
Er wird ſich wiederfinden.“ —
Jetzt erſchien
Der Tag; das Feſt ging an; und Quaſſi
wagte
Sich auf den Hof.
Doch als ſein Herr ihn ſah,
Ergrimmet wie ein Leu, der Blut geleckt,
Sprang er auf ihn. Der Arme floh. Der
Tiger
Erjagt ihn; beide ſtuͤrzen; ſtampfend kniet
Sein Herr auf ihm, ihm jede Marter drohend.

Da hub mit aller ſeiner Negerkraft
Der Juͤngling ſich empor, und hielt ihn veſt
Danieder, zog ein Meſſer aus dem Gurt
Und ſprach: „Von Kindheit an mit Euch er-
zogen,
In Knabenjahren Euer Spielgeſell,
Liebt’ ich Euch, wie mich ſelbſt und glaubte mich
Von Euch geliebet. Ich war Eure Hand,
Eur Auge. Euer kleinſter Vortheil war
Mein eifrigſter Gedanke Tag und Nacht:

Denn das Vertraun auf Eure Liebe war
Mein groͤßter Schatz auf dieſer Welt. Ihr
wißt,
Ich bin unſchuldig; jene Kleinigkeit,
Die euch aufbrachte, iſt ein Nichts. Und Ihr,
Ihr drohtet mir mit Schaͤndung meiner
Haut.
Das Wort kann Quaſſi nicht ertragen: denn
Es zeigt mir Euer Herz.“
Er zog das Meſſer
Und ſtieß es — meint ihr in des Tigers Bruſt?
Nein! ſelbſt ſich in die Kehle. Blutend ſtuͤrzt
Er auf den Herren nieder, ihn umfaſſend,
Beſtroͤmend ihn mit warmem Bruderblut.

***

Wie manche Kugel in Europa fuhr
In des Beleidigten gekraͤnktes Hirn,
Die den Beleidiger fromm verſchonete!
Wie manches „Ich der Koͤnig“ fraß das Herz
Des Dieners auf mit langſam-ſchnellem
Gift. *)
O wenn Gerechtigkeit vom Himmel ſieht;
Sie ſah den Neger auf dem Weißen ruhn


Source: Johann Gottfried von Herder, “Neger-Idyllen,” in Briefe zur Beförderung der Humanität, Bd. 10 (Riga, 1797), 21-25.