The Quakers ask Europeans to stand against slavery (1822)

The Society of Friends, also known as the Quakers, were among the most forceful critics of slavery and the slave trade as a moral abomination. In this pamphlet, British Quakers try to move Europeans to join them rejecting the slave trade. Britain had formally abolished the slave trade during the Napoleonic wars and committed a small force of old ships to intercepting slave traders along the West African coast. Over the following decades Britain established conventions against the slave trade with other European countries, and this pamphlet can be considered an effort to encourage Europeans to support these measures.

The pamphlet reflects contemporary notions that African civilizations lay somewhat “behind” those of Europe and that Europe had an obligation to help Africans through peaceful trade. At the same time, its uncompromising rejection of slavery rests on the principle that Africans, as children of the same God, are just as capable of being civilized as Europeans. The author calls on readers to spread awareness of slaves’ plight to everyone they know and warns slave traders of the eternal punishment that awaits them if they do not change their ways.


Es gewährte un sein lauteres Vergnügen, zu vernehmen, daß auch die Regierungen derjenigen Länder, deren Unterthanen in diesem Handel verwickelt sind, schon so manche Schritte zur Abschaffung desselbigen gethan haben. Aber mit tiefem Schmerz haben wir vernommen, daß derselbe noch immer von den Unterthanen dieser REgierungen in einem großen und wahrhaft beklagenswerthen Umfang, und zwar unter Umständen getrieben wird, die seine Grausamkeit und Strafbarkeit erhöhen. Es ist Thatsache, daß noch immer viele Sklavenschiffe an den Ufern Afrikas herum schwärmen, um Menschenladungen einzunehmen, und dieselben nach entfernten Ländern zu bringen, von denen die Unglücklichen nie wieder zurück zu kehren bestimmt sind. Wir wissen aus ganz unbezweifelter Quelle, daß derselbe Menschenhandel, der im Jahr 1814 auf dem Kongresse zu Wien “für eine Werüstung Afrikas, für eine herabwürdigung Europas, für eine der Menschheit tiefe Wunden schlagender Beißel erklärt wurde, im verflossenen Jahre mit wachsender Gierigkeit getrieben wurde.

Ein Drang christlicher Liebe und redlichen Wohlmeinens treibt uns demnach an, unser Mitgefühl für die gemißhandelten Einwohner Afrikas laut warden zu lassen. Wir glauben dabei keener Entschuldigung zu bedürfen, daß wir un smit diesem Anliegen an unsere Nachbarn auf dem Kontinent wenden. Sind sie ja doch alle unsere Brüder, alle Kinder eines gemeinschaftlichen Vaters, alle MItbekenner desselben Glaubens an denselben mitleidsvollen Erlöser. Die nämlichen Gefühle, welche uns bewegen die Bewohner von Deustchland, Frankreich, Spanien, Holland, Portugall, und andere europäische Völker, für unsere Brüder zu halten, bestimmen uns, diesen freundlichen Namen auch auf die Bewohner Afrikas auszudehnen. Unser Vater im Himmel hat von einem Blute aller Menschen Gschlechte gemacht, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, und wir alle sind Gegenstände seiner preiswürdigen Erlösung, die durch unseren Herrn und Heiland Jesum Christum geschehen ist. Und obgleich die Erdbewohner sich in verschiedene Völker-Stämme und Gemeinsamen theilen, so sind wir doch alle durch Bande der Liebe, des brüderlichen Wohlwollens und der mitleidensvollen Theilnahme verbunden. Aber es ist noch ein besonderes Band, das die Völker Europas miteinander verknüpft. Ihnen ist ein Segen zu Theil geworden, den bisher, dem größern Theil nach, die Bewohner Afrikas nicht genossen haben. Dieser Segen, dieser unbezahlbare Schatz, ist die Bibel, welche die Freudenbotschaft von Christus in sich faßt.

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Es ist von Einigen behaupted worden, daß die Eingebohrenen Afrikas geringere Geschöpfe sehen, als wir selbst. Sind die Geisteskräfte der gegenwärtigen Bewohner Europas kräfteiger, als die der Afrikaner, so sollten billig jene, im Gefühle des Dankes, nimmer vergessen, durch welche Mittel sie zu dieser Stufe einer höheren Geistes-Bildung sind emporgehoben worden. Wenn, nach dem unerforschlichen Rathschlüsselns der göttlichen Vorsehung, der allmächtige und alweise Gott in unserem Welttheile die Verbreitung sittlicher und religioser Erkenntniß mehr als in irgend einem andern beschleunigte, zeugt es nicht von rober Undankbarkeit gegen die Segnungen, welche wir erhalten haben, wenn wir grausam genug sind, diejenige zu unterdrücken, welche weniger als wir empfangen haben? Jedoch, ist nicht schon das Betragen, das der Afrikaner unter seinen Leiden beweist, ein sicheres Kennzeichen, daß Gefühle der Menschlichkeit ihm nicht fremde sind? Unser Verkehr mit ihnen, und glaubwürdige Berichte von Reisenden zeigen klar, daß sie für Gefühle der Theilnahme, des Wohlwollens und der Dankbarkeit nicht unempfänglich sind, daß sie in der Kunst des Ackerbaus und in der Handarbeit ansehenliche Fortschritte machen, und nach weisen und gerechten Anordnungen, die zum Whole der bürgerlichen Gesellschaft gegeben warden, sich gar wohl zu fügen wissen.

Man hat ferner behauptet, es seh sei nicht ungerecht, die Afrikaner mit Gewalt von ihrem väterlichen Boden wegzuschaffen, wenn man sie nur mit den Segnungen des Christenthums bekannt mache. Auf diese Behauptung möchten wir gerne antworten: Der göttliche Stifter unserer Religion hat nie den geringsten Versuch gemacht, seine Zuhörer zur Annahme seiner Lehre oder zum Gehorsam gegen seine Vorschriften zu zwingen. Seblst die Juden, welche Gegenstände einer besonderen Vorsorge des Allmächtigen waren, und die viele Jahrhunderte lang die Huld Gottes genossen hatten, sollten zur Annahme der Segnungen des Evangeliums nicht genötigt warden. Ihnen wurden die Verheißungen desselben angeboten, und als sie dieselben verwarfen, war der Erlöser der Welt seblst dann, als er ihre Sünden und Uebertretungen herzählte, so weit davon entfernt, sie mit Gewalt zur Annahme seiner seblst zu nöthigen, daß er sich vielmehr in der wehmuthsvollen Klage über sie ergoß: “Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln woollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; aber ihr habt nicht gewollt.”* Er ist unser Herr und Meister; Er ist das große Oberhaupt der Christlichen Kirche. Seine Vorschriften und sein Beispiel sind für alle seine wahren Schüler in allen Zeitaltern und in allen Ländern gleich verpflichtend. Folgen wir, in der Demuth und Sanftmuth, die er uns lehrt, unter dem Einflusse seines Geistes, seinem Sinn und Wandel nach, so warden wir hier und dort glücklich warden. Tragen wir aber seinen Namen, nennen wir uns seine Schüler, sind wir sogar Lehrer seines Evangeliums, so wird unsere zukünftige Strafe furchtbar sein, wenn wir sein Beispiel verachten, und seine Vorschriften vor den Augen derer übertreten, die bisher nicht so, wie wir, Gelegenheit gehabt haben, mit dem Evangelio bekannt zu warden.

Die Völker Europas haben unstreitig den Bewohnern Afrika seine schwere Schuld abzutragen. Statt die Gelegenheit, die der Handelsverkehr mit diesem schuldlosen Volke darbot, zu benutzen, um durch ihr Beispiel, durch ein freundliches Betragen und durch tadellose Sittlichkeit die Vortrefflichkeit des Christenthums darzuthun; statt den Versuch zu machen, sie mit den erhabenen Begriffen und der hohen irrdischen Glücklichkeit bekannt zu machen, die der Geist des Christenthums erzeugt, sind viele von ihnen nur darum in die Heidenwelt ausgegangen, um zu rauben und zu plündern, Schrecken und Verwüstung überall hin zu verbreiten, und Ungerechtigkeit und Grausamkeit in ihren gehässigsten Gestalten auszuüben; und so wurde um ihret willen der Name Christi unter den Heiden geklärt.

Wir wenden uns an alle, die etwas von der unseren Natur so tief eingegrabenen Vaterlandsliebe fühlen, welche die Segnungen und Genüsse des geselligen Lebens zu schätzen wissen, und den hohen Werth der zarten Bande kennen, durch welche Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern, Gatte und Gattin, mit einander verbunden sind. Wir bitten sie, die grausame Verletzung dieser Gefühle zu bedenken, die jetzt auf dem Continente von Afrika verübt wird, und dem thätigen Mittleid für die armen und unglücklichen Dulder auf demselben mit jedem Jahr, ja täglich, mehr ihre Herzen zu öffnen. Wir ersuchen sie dringend, jede Gelegenheit zu ergreifen, um die Sache dieser Unterdrückten mit christlicher Liebe und Beharrlichkeit in ihrem Kreise zu führen, und sich auf jedem erlaubten Wege (denn nu rein solcher gebührt christlichen Unterthanen) eine richtige Kenntniß von der Beschaffenheit und dem Umfang des Sklavenhandels zu verschaffen, und weiter zu verbreiten. Handlungen christlicher Menschenliebe sind von unserem großen Schöpfer, nach seiner unverdienten Barmherzigkeit, immer mit einer unmittelbaren Belohnung verknüpft; und diese Belohnung hat einen so hohen innern Werth, daß sie zu immer neuen Thaten des christlichen Wohlwollens reizt. Unstreitig ist ein jeder Versuch, unsere armen Mitmenschen von grausamer, leidenvoller Unterdrückung zu befreien, unserer ratlosen Bemühmung werth, zu welcher un sein natürliches Pflichtgefühl, sowohl als das Vergnügen antreibt, das mit jeder dieser Bemühungen verbunden ist.

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Source: Society of Friends of Great Britain and Ireland (Quakers), Ansprach an die Bewohner Europas, über die moralischeVerwerflichkeit des Sklavenhandels (London: J.B.G. Vogel,1822).