William der Neger (1818)

William der Neger (1818) – a story by Caroline Auguste Fischer

Molly war die Jüngste von elf Geschwistern. Ihre Eltern, nicht sehr bemittelte Kaufleute, sahen ihrer Geburt mehr verdrüßlich als freudig entgegen und schienen keine Liebe mehr für sie übrig zu haben. Da Gesundheit und Schönheit in ihrer Familie erblich blieben, waren sie, ohne es selbst zu wissen, dem Glauben zugethan, die Kinder gedeihen, wie gleichgültig man sie auch behandle, und so fühlte sich Molly verwaist, mitten unter ihren lärmenden Geschwistern.

Im Winter nannte man sie gewöhnlich die Stumme und im Sommer die Träumerin. In der That wurde auch, so lange Schnee auf den Feldern, aber Eis auf den Bächen lag, selten ein Wort von ihr gehört. Dafür aber führte sie ganze Gespräche mit den Vögeln, Blumen und Bäumen, sobald der Frühling sich nahte, und wurde nichts davon gewahr, wenn ihre Geschwister sie, im Vorbeyschwärmen, mit einem Spottnamen begrüßten.

Besonders lächerlich dünkten diesen die Antworten, welche sie den von ihnen als leblos erkannten Gegenständen andichtete, und nie waren diese auffallender, als nach einem Regen, nach einem Sturme, oder Gewitter. Aber Molly’s Narrheit schien ihnen den höchsten Grad zu erreichen, wenn sie bey einem bedeckten Himmel trauerte und bey einem durchbrechenden Sonnenstrahle, plötzlich erheitert, unter die Blumen eilte. Da indessen aller Spott an ihr verloren schien, hielt man es endlich gar nicht mehr der Mühe werth, sich um sie zu bekümmern.

Das Erwünschteste, was ihr begegnen konnte. Denn obwohl auf das Treiben ihrer Geschwister wenig achtend, wurde sie doch von jedem Lärm schmerzhaft gestört. Ihr dünkte nämlich, sie werde immer von harmonisch verbundenen Tönen begleitet, welche ihr, besonders an schönen Tagen, so vernehmlich wurden, daß sie, unwillkührlich, ihre Worte und Bewegungen darnach maß. Gerade dieses genaue Abmessen gewährte ihr einer unaussprechlichen Genuß, und sie konnte sich nichts herrlicheres denken, als wenn alle Geschäfte des Lebens darnach verrichtet würden. Der natürliche Erfolg hiervon war, daß sie alles Musikalische mit inniger Sehnsucht ergriff und verschiedene Instrumente bald in hoher Vollkommenheit spielte. Zwar wurde sie von ihren ersten Lehrern ganz misverstanden.  Sie hielten, wie viele ihrer Kunstverwandten, überwundene Schwierigkeit für das Höchste, und gaben Molly bald auf; nachdem sie sich vergeblich bemüht hatten, sie zu ihrem Glauben zu bekehren. Aber ein Mann von tiefen Sinne und großer Kenntnis nahm sie in Schuß, und führte sie den Weg, den sie lange geahnet, aber immerdar auf Abwege geleitet, nicht gefunden hatte.

Ihr Leben wurde von nun an verwandelt, und sie sang jetzt Alles, das Wenige, was ihr im gemeinen Leben abgezwungen wurde, ausgenommen, was sie bisher nur gesprochen hatte. Doch war es sehr von dem, was sie Fremden mittheilte, verschieden. Einige schwierige Tonflüchte wurden für sie studiert; aber das, was ihr am Herzen lag, behielt sie für ihre einsamen Stunden im Garten.

Gleichwohl hatte sie einen unsichtbaren Zuhörer. William, der junge Mohr aus der Nachbarschaft, stand regelmäßig in den Stunden, in welchen sie zu singen pflegte, hinter den Fliederbüschen, die ihn hinlänglich verbargen, und wich nicht von der Stelle, so lange sie im Garten verweilte. Wie gern, wie oft wär er ihr zu Füßen gefallen, hätte er nicht immer sein schwarzes Gesicht in dem Bache, der die Wiese hinter dem Garten durchschlängelte, erblickt. Ich, ihre Wange, meinte er, konnte, ohne Schmeichelen, mit der Morgenröthe, ihr dunkelblaues Auge mit dem heitern Himmel und ihr blondes glänzendes Haar mit dem Sonnenstrahle verglichen werden. Wenn sie den Garten verließ, verbarg er sein schwarzes Gesicht in den Händen und eilte mit klopfendem Herzen zu seinen Büchern.

Er stammte aus Afrika’s heißesten Gefilden. Saphy, seine Schwester, und er suchten Goldtörner in einem Bache, als sechs weiße Männer über William herfielen und ihn fortschleppten. Man verkaufte ihn an einen spanischen, und von diesen an einen englischen Herrn, der ihn studieren ließ. Seine weißen Mitschüler blieben weit hinter ihm zurück, und Sir Robert, sein Herr, ein erklärter Feind des schändlichen Sklavenhandels, triumphierte im voraus über das, was er mit William beweisen würde.

Schon war in Domingo das Joch abgeschüttelt, und die Hoffnung gegründet, es werde in dem übrigen Amerika nicht lange mehr von Williams Brüdern getragen werden. Aber es fehlte an unterrichteten Anführern, und Sir Roberts ganzes Streben ging dahin, in William einen solchen zu bilden. Des Negers feuriger Geist ergriff den Gedanken, um ihn nie wieder zu lassen, und nicht allein seine Mitschüler, sondern mehrere seiner Lehrer fanden sich bald von ihm, wie von einem Sturme, überflügelt.

Aber nahe am Ziele, schien ihn die Kraft plötzlich zu verlassen. Sein Auge sank zur Erde, wenn Sir Roberts Amerika nannte, und das Schicksal seiner Brüder erpreßte, ihm nur noch brennende Thränen. „Molly! Molly!“ – seufzte er leise auf seinem einsamen Lager – „Molly“ – rief er laut, Wälder, Berge und Thäler durchirrend – „Ich, warum bin ich schwarz! Molly, du himmlische Weiße!“

So rief er auch einst, als er den Garten von Molly verlassen glaubte; aber sie saß in der Laube und hatte alles gehört. Wie tief, wie gewaltsam wurde sie, mit der Bedeutung der Töne so vertraut, durch diesen innigsten Seelenlaut gerührt! – Sie wollte ihren Sitz verlassen, aber ein heftiges Zittern machte es ihr unmöglich. Als sie es zum zweyten Male versuchte, fiel ihre Laute von der Bank, ein unwillkührliches „Ach! Vierrieth sie und William stand vor ihr.

Knieend überreichte er ihr die Laute, schlug dann heftig an seine Brust und berührte mit der Stirn die Erde. Molly, tief erschüttert, bat ihn durch Zeichen, aufzustehen, und konnte nichts als ein leises „Oh! Oh!“ herausbringen. „In unserem Lande“ – sagte William – „dürfen nur die Priester auf den Bergen Oh zu dem großen Geiste sagen. Keiner von uns würde es dürfen. Aber Molly darf es! Auf Molly kann der große Geist nicht zürnen. Was bittet Molly?“

„Ich bitte nur,“ – antwortete sie schüchtern – „das du aufstehst.“ – „Wenn William bitten dürfte,“ – sagte er, mit leuchtendem Auge, schnell sich erhebend – „so würde er Molly um eins ihrer himmlischen Lieder bitten.“ Statt der Antwort stimmte Molly die Laute, und sang anfangs mit leiser, zitternder, dann mit etwas festerer, und endlich mit der Stimme höchster Begeisterung eins ihrer geheimsten, herrlichsten Lieder. Sie hatte schon lange geschwiegen, als William noch horchte, den Feuerblick auf ihr niedergeschlagenes Auge geheftet, bis er endlich das äußerste Ende ihres Gewandes ergriff, es an seinem Mund, dann an sein Herz drückte.

Aber Molly sah die Geschwister in der Ferne und fürchtete zum ersten Male ihren Spott. „Ich muß gehen.“ – sagte sie, und setzte dann, Williams Schmerz bemerkend, schnell und leise hinzu: „Morgen sehn wir uns wieder.“ Erst da sie aus dem Garten war, fielen diese Worte schwer auf ihr Herz. Wie war es möglich, daß sie sie sagen konnte? – Es wurde Abend und Morgen und sie begriff es nicht.

William hatte indessen alle seine Lehrer für den heutigen Tag um Nachricht gebeten; eine Bitte, die sie um so lieber und schneller gewährten, je ungewöhnlicher sie war, und je mehr sie die übeln Folgen von Williams übermäßigem Fleiße gefürchtet hatten. Vor Tages Anbruch war er schon hinter der Laube, das Auge unverwandt auf die Gartenthür geheftet. Doch schwerlich würde er Molly heute gesehen haben, hätte sie ahnen können, daß sie ihn in den gewöhnlichen Unterrichtsstunden treffen würde. Da er jedes Mal, wenn sie angingen, bey ihrem Haufe vorbeygehen mußte, erinnerte sie sich ihrer sehr wohl und hielt sich während derselben vollkommen gesichert.

Aber kaum trat sie den Garten, als William über die Dornenhecke flog, einen Korb mit Blumen, den er vorher an einem Bande heruntergefallen, auf den Kopf nahm und damit an der Laube knieete. Heftig erschrocken trat sie zurück; aber zugleich sah sie auch den Korb von Williams Haupte fallen und hörte ihn „Molly!“ seufzen. Wenig Augenblicke nachher fand sie sich selbst in der Laube, mitten unter den Blumen und William an ihrer Seite.

Er erzählte ihr, wie die Weißen ihn gefangen, wie grausam sie ihn behandelt, wie glücklich er jetzt unter Sir Roberts Schutze sey; welch einen hohen Genuß ihm die [40] Wissenschaften gewähren, welch ein brennendes Verlangen er fühle, ihn seinen Brüdern mitzutheilen und sie vom langen schmählichen Joche zu befreyen.

Mit südlichem Feuer war das Gemälde entworfen; jedes Wort ein Bild, jedes Bild mit ergreifender Lebendigkeit vor die Seele tretend. Molly sah die grausamen Weißen, die zum Himmel aufschreyenden Schwarzen, den rettenden, großmüthigen Engländer. Ihr schöner Mund blieb vor Erstaunen geöffnet und ihr vorhin niedergeschlagenes Auge ruhte jetzt unbeweglich auf dem hohen Jünglinge mit dem Feuerblicke und mit der siegenden Rege.

„Wohin ich mich wandte,“ – fuhr William fort – „da tönte mir, wie ein Geisterruf, das Wort: Amerika, nach. Jetzt höre ich nur Molly! Jetzt seufz’ ich nur: Molly! Warum bin ich schwarz! Molly, du himmlische Weiße!“ – Bey diesen Worten sank William abermals ihr zu Füßen und verbarg das Gesicht in den Händen. Doch plötzlich sprang er wieder auf und schien höher als zuvor.

„Muß ich verzweifeln?“ – rief er aus – „Darf ich nie mein Auge zu Molly erheben? Ja, ich bin schwarz! Aber bin ich kein Mann? Hab’ ich kein Herz? Fühlt ein Weißer Molly’s Werth so wie ich? Kann er ihn so fühlen? – Wenn ich meine Brüder befreye, sie Wissenschaften, Künste, menschliche Gesetze lieben und befolgen lehre, bin ich nichts werth? In ich dann nichts werth?

Sein Herz hatte ihm die Frage schon beantwortet, hatte ihm den Muth gegeben, Mollys Hand zu fassen und sie an sein Herz zu drücken. „Molly!“ – wiederhohlte er – „bin ich keinen Blick aus diesem Himmelauge werth?“ – Jetzt beugte Molly sich zu ihm hinüber, aber zugleich fiel eine große, lange zurückgehaltene Thräne auf des Jünglings Hand.

„Ach!“ – rief er, sich abwendend und Molly’s Hand verlassend – „nur Thränen bin ich werth! nur Thränen kann Molly mir schenken! Fliehe, Unglücklicher! du gehörst in die brennenden Wüsten und kannst fern von Molly verschmachten!“ Bey diesen Worten stürzte er aus der Laube. Aber ein weinender Flötenlaut: „William, bleib! O bleib!“ – tönte hinter ihm her und in dem Augenblick lag Molly in seinen Armen.

Wenn ein veredelter Schwarzer eine schöne weiße Frau liebt, so mag seine Liebe wohl schwerlich mit der eines Europäers zu vergleichen sein. Bey William war sie eine heilige Gluth, die Molly in ein zitterndes, fortwährendes Staunen versetzte.  Wie fern war seine Rede von jenem süßlichen, tändelnden Geschwätz gemeiner Verliebten! Welch eine Reiche herrlicher Bilder führte er vor Molly’s Seele! Welch ein Herz, welch einen Geist entfaltete er in den Gesprächen, die es ihr von nun an unmöglich machten, ihr Schicksal von dem des hohen begeisterten Jünglings zu trennen!

Sir Robert wurde davon unterrichtet. Sein Herz triumphirte darüber; aber seine Vernunft sagte ihm, daß es traurige Folgen haben können. Zwar war der Jüngling zum einzigen Erben seines großen Vermögens bestimmt, und demnach für Molly’s Vater, den armen Kaufmann, nicht zu verachten; zwar hatte sich William allgemeine Liebe erworben, und ließ keinen Zweifel darüber, was er einst für sein Volk, für die Wissenschaft sein werde: aber Molly war funfzehn Jahr alt, und aus allem ließ sich schließen, daß ihr weiches Herz von Mitleiden irre geführt werde.

Doch wer konnte den Muth haben, dies William zu verrathen? – Seit Molly ihm gesagt hatte: „William, ich verlasse dich niemals!“ schienen übermenschliche Kräfte in ihm zu walten; und hatte er vormals seine Lehrer in Erstaunen gesetzt, so erklärten sie jetzt daß sie ihm bald nichts mehr zu lehren übrig haben würden. Sir Robert fing an zu erwägen: ob der Irrthum eines Mädchens, wie nachtheilig er auch dem mitleidswerthen Geschöpfe werden könne, nicht für das Glück, für die Erlösung eines Volkes zu benutzen sey.

Befriedigend vermochte er gleichwohl nicht diese Frage zu beantworten, und hoffte nun, daß Molly’s Eltern auf eine ihn von der Verantwortlichkeit befreiende Weise entscheiden würden. Aber durch ihre empörende Gleichgültigkeit bald überzeugt, Molly werde unter Williams Schutze, wie unter jedem Himmelsstriche, sich eines bessern Daseins, als in der Nähe dieser Unnatürlichen, erfreuen, beschloß er, dem Schicksale nicht vorzugreifen, und, sollte das Opfer des Mädchens für einen großen Zweck nothwendig sein, wenigstens alles zu thun, damit dieser erreicht werde.

Aber eine quälende Unruhe, – sollt er es Ahnung nennen? – trieb ihn, die eigentliche Verlobung immer noch verschieben. Schon hatte William gefragt: „Mein großmüthiger Wohlthäter darf William heute Molly zu dir bringen, daß sie dir mit ihm zu Füßen falle?“ und Sir Robert antwortete, ihm die Hand drückend: „Mein guter William, nur heute nicht! Du weißt, welch eine Last von Geschäften noch auf uns ruht. Laß mich freuen Herzens dein Glück genießen!“ – Gewöhnlich wurden nachher dieselben Worte wiederholt, manchmal auch nur mir einem fast unmerklichen Kopfschütteln, doch immer mit einem Händedruck und mit einem: „Mein guter William! mein theurer William!“ geantwortet.

Aber drei Monate waren verflossen und Sir Robert hatte Molly noch nicht gesehen. William fragte nicht; aber sein Blick wurde finster, und sein Betragen hatte nicht mehr die herzgewinnende Offenheit. Endlich sagte Sir Roberts an einem sehr heitern Tage: „Mein William, ich fühle, daß es schicklich wäre, zu deiner Molly zu gehen; aber ihre Eltern find mir in zu hohem Grade zuwider. Bist du ihres Herzens gewiß,“ – setzte er mit bedeutendem Tone hinzu – „so entschuldige mich bey ihr und bringe sie zu mir.“

Bey diesen Worten stürzte William zu den Füßen seines Wohlthäters, umfaßte seine Kniee und schien sie nicht mehr lassen zu wollen. Nur als dieser den Namen Molly nannte, sprang er auf, war in einem Huy verschwunden und trat wenig Augenblicke darauf, mit dem zitternden Mädchen auf seinen Armen, vor Sir Robert. „Sie fürchtet sich! mein theurer Herr!“ – rief er – „Sie fürchtet sich! O sag’ ihr schnell ein Wort, damit du ihre Augen siehest.“ – „Mein William,“ – antwortete Sir Robert – „setzte sie nieder, so wird sie mich wohl anblicken; ich bin ja dein Freund.“

Aber Molly stand noch immer mit niedergeschlagenen Augen vor Sir Robert und schien sich kaum aufrecht halten zu können. Nach Williams ungestümen, abgebrochenen Freudenworten mußte sie schließen, die Verlobung solle augenblicklich vor sich gehen. Sie versuchte, sich mit ihrer, obwohl sehr saubern, doch für einen solchen Tag nicht schicklichen Kleidung zu entschuldigen. Aber William hörte sie nicht; er begriff nur, was er schon gefürchtet, daß sie sich weigere; auf welchen Fall er aber auch entschlossen war, die Gewalt der Stärte und der Liebe zu gebrauchen. Sie war im Garten, die Thür nach der Wiese stand offen, und so befand sie sich vor Sir Robert, ehe sie nur Zeit hatte, an fernere Weigerung zu denken.

Aber das holdselige Unschuldsgesicht, die lange seidene Wimper tief zur Erbe gesenkt, das blonde, wunderschöne, weit über die Schulter fallende Haar immer nur ein wenig von der blendenden Stirn schiebend, wurde sie von Sir Robert mit so sichtbarer Rührung betrachtet, daß William sein Entzücken kaum zu mäßigen vermochte. Er stürze fort, hohlte Mollys Laute, die Harfe, ihren ganzen Musikalien-Vorrath, und versicherte, er würde den Flügel auch gebracht haben, hätten sich Molly’s Eltern nicht widersetzt.

Indessen hatte Sir Robert Zeit gehabt, sich zu sammeln, und Molly zu bitten an seiner Seite Platz zu nehmen. Mehrere Fragen, die ihm von William längst beantwortet waren, und von denen er durchaus nicht begriff, warum er sie thue, waren so schnell und so verworren auf einander gefolgt, daß Molly, ungewiß, welche sie zuerst beantworten sollte, endlich das große dunkelblaue Auge zu ihm aufschlug.

Beide wurden wie von einem Blitze getroffen. Molly sah, daß der große, schöne Mann, mit dem adlichen Gange, den sie wegen seiner, zwar äußerst seinen, aber höchst einfachen Kleidung für Sir Roberts Sekretär gehalten, er selbst war. Da sie Alles, was zu seiner Bedienung gehörte, mit Gold und Silber bedeckt gesehn, hatte sie sich den Herrn aller dieser prächtigen Leute, wo möglich, noch prächtiger, aber auch, sie wußte selbst nicht warum, sehr alt gedacht. Jetzt sah sie einen Mann von etwa dreißig Jahren, mit königlichem Anstande und mit dem höchsten Seelenadel auf der denkenden Stirn.

Sir Robert wurde nicht minder überrascht. Molly’s Gesicht, mit aufgeschlagenen Auge, war durchaus ein ganz anderes, als das mit niedergeschlagenem. Statt des zitternden, bis zur äußersten Furchtsamkeit in sich geschmiegten Mädchens sah er jetzt ein siegendes Geisterauge, welches das seinige fast zum Niederblicken zwang. Er hatte gar nichts mehr zu fragen, und war sehr froh, als William Mollyen die Laute aufdrang.

Aber Molly’s Stimme war noch siegender als ihr Auge. William sah es, und Sir Robert fühlte es mit Schrecken. Doch suchte er sich zu fassen, und ohne ihr Spiel zu loben, er fürchtete, es möchte mit zu vieler Wärme geschehen, sie ins Gespräch zu ziehen, um genauer zu erfahren, wie sie von ihren Eltern behandelt werde. Mit wie vieler Schonung sie aber auch das Betragen derselben mehr andeutete, als beschrieb, so wurde er überzeugt, sie sei nichts weniger als glücklich, und beschloß nun, trotz aller Zweifel, die sich etwa noch erheben mochten, doch seinen William ganz zu beglücken. Die Verlobung wurde demnach vollzogen, und Sir Robert sagte, als er in sein einfaches Zimmer trat, mit einem tiefen Seufzer und wie nach einem schwer durchgearbeiteten Tage: „Wenigstens Einer von uns ist glücklich!“

Aber Sir Robert hatte geirrt. Auch William war nicht glücklich, oder nur auf sehr kurze Zeit. Am Tage der Verlobung, als Sir Robert Molly’s Hand in Williams Hand legte, fiel des Negers Blick von Molly, die er gern doppelt sehen wollte, auf einen großen Spiegel, der die Gruppe nur zu getreu in sein trunkenes Auge warf. Ach, seine Gestalt erschien ihm wie die eines aufgerichteten Thieres, neben der des herrlichen weißen Mannes und der des himmlischen Mädchens. Sein Arm sank und Molly’s Hand fiel aus der seinigen. Aber es wurde weder von Sir Robert noch von Molly bemerkt, und William hatte kurz darauf vollkommen Zeit, sich im Garten niederzuwerfen, und das, was er noch nicht zu nennen vermochte, mit dem Gesichte und dem Herzen an die mütterliche Erde gedrückt, in unaufhaltsamen Strömen auszuweinen.

Nur die Begierde, fälschlich oft Liebe genannt, ist blind; aber sie, die Himmlische selbst, die das Innerste der Wesen durchbring, wie könnte diese es sein? – Sie ist vielmehr an der höchsten und unfehlbarsten Divination zu erkennen, und hebt den Flügel noch mit göttlicher Kraft, wo die Wissenschaft ihn senkt. Und so kann man dem Ausrufe: Was ist blinder als die Liebe! den viel wahrern: Was ist allsehender als die Liebe! entgegensetzen.

Ach, es war nicht der Bach, der Spiegel allein, noch weniger die selbstische Eifersucht, die William sich selbst kennen lehrte. Es war die Liebe, das innigste Verlangen, Molly glücklich zu wissen. Konnte sie es werden mit ihm? – Das war die schreckliche Frage, mit der er jetzt sein armes Herz erbarmungslos zerriß und die er an sein menschliches Wesen zu thun wagte. Aber eben deswegen wurde sein Zustand bald sehr gefährlich und konnte sogar Sir Roberten, wie beschäftigt er auch mit dem seinigen war, nicht länger verborgen bleiben.

Er fühlte sich wie aus einem dumpfen Träume aufgeschreckt, und fand sich strafbar, seine ganze Aufmerksamkeit, zum Nachtheil seines Lieblings und des großen Zwecks, den er durch ihn zu erreichen strebte, auf sich selbst gerichtet zu haben. Um so mehr vergaß er sich nun und forschte mit wachsender Angst nach der Ursache von Williams gefährlicher Schwermuth.

Aber nach vielen unbeantworteten Fragen fiel ihm dieser plötzlich zu Füßen und bat, das Gesicht tief zur Erbe gesenkt: „Mein theurer Wohlthäter! laß mich nach Amerika zu meinen Brüdern reifen! dann wird es besser mit mir werden.“

Sprachlos vor Erstaunen und von Ahnung befangen, hatte Sir Robert schon William aus dem Zimmer stürzen sehen, ehe er daran denken konnte, ihn zurückzuhalten, und als er ihm folgen wollte, trat Molly herein. Sie glaubte, Sir Robert habe Geschäfte, und wollte ihn sogleich wieder verlassen; aber er bat sie, William mit ihm aufzusuchen, und meinte, er müsse im Garten sein. Da war er in der That, aber in einem Zustande, der beide in das höchste Schrecken versetzte. Die Hülse des Arztes, welche bisher von William fortwährend verschmäht wurde, konnte nicht mehr entbehrt werden, und ein hitziges Fieber war nach seiner Erklärung zu befürchten.

Das, was der unglückliche Jüngling sorgfältig verborgen hatte, wurde jetzt in seinem bewußtlosen Zustande offenbar, und Sir Robert wie Molly sahen mit unaussprechlicher Verwirrung, daß Gefühle, die sie sich selbst kaum zu gestehen wagten, ihm längst bekannt waren. Molly schlug das Auge nicht mehr auf, und Sir Robert fuhr, wie vom Blitze getroffen zurück, wenn er, der einen dem Kranken plötzlich nöthigen Hülfe, ihr Gewand zufällig berührte.

Aber der von dem Arzte als entscheidend verkündigte Tag rückte heran. Allein sollte der Unglückliche den Schritt in das dunkle Land thun, aus dem nie Einer zurückkehrte. Bey diesem Gedanken verschwinden kleinliche Leidenschaften und große werden gemildert. Sir Robert und Molly hatten keine Aufmerksamkeit für sich übrig, Williams Rettung schien ihnen hetzt das Ziel ihrer Wünsche, und als beim Anbruch des gefürchteten Tages die glückliche Krisis eintrat, drückten sie sich geschwisterlich die Hände und der vorigen Zurückhaltung wurde nicht mehr gedacht.

Aber bald erinnerten sie Williams Blicke daran, und sie wurde, wo möglich, noch größer, als er seine Bitte, nach Amerika zu reifen, wiederholte. „Ich begleite dich!“ – rief Sir Robert. – „Und ich“ – setzte Molly mit niedergeschlagenen Augen hinzu – „erhalte vielleicht von meinen Eltern die Erlaubniß, Williams Rückkehr in Malaga, wo ich eine Verwandte habe, zu erwarten.“

William erwiederte nichts auf diese Aeußerung. Seine ganze Aufmerksamkeit schien auf die Reife gerichtet, welche auf sein dringendes Bitten noch einige Zeit vor den günstigen Monaten und nicht ohne Besorgniß des Schiffes angetreten wurde.

Es zeigte sich bald, daß der Mann Recht hatte. Denn kaum waren sie aus dem Kanale, als von der Mannschaft Vorbereitungen [59] gegen den Sturm gemacht wurden. Da sie indessen geübt, das Fahrzeug neu und trefflich erbauet war, zeigte sich der Kapitän jetzt eben so entschlossen, als er vor der Abreise bedenklich geschienen hatte. Aber alles, was an Kraft und Vorsicht aufgeboten wurde, vermochte nichts gegen das wüthende Element, und nachdem sie drei fürchterliche Tage und Nächte zwischen Lob und Leben geschwebt hatten, strandete das Schiff Angesichts der Juwel Madeira.

Die Mannschaft und das Schiffsgut wurden geborgen, auch hoffte man noch das Fahrzeug zu retten; aber William war verschwunden und keine Spur von ihm zu entdecken.

Sir Roberts Unruhe den dem ersten Vermissen, sein nochmals unermüdetes Foschen, und sein erschütternder Schmerz, als es vergeblich schien, brachten Ununterrichtete auf die Vermuthung, er habe einen Sohn oder Bruder verloren, und sie geriethen in das höchste Erstauenen, als ihnen wiederhohlt versichert wurde, die Rede sei von einem Neger. Daß er ungeheure Summen müsse gekostet haben, schien ihnen, bey denen, welche Sir Robert auf die Entdeckung wandte, ausgemacht. Gleichwohl fanden sie den Aufwand übertrieben, die Sache, als eine schlechte Speculation, verwerflich und auf jeden Fall ein Werk englischer Laune.

Drei Monate waren indessen verflossen und jede Hoffnung war verschwunden, als sich Nachrichten aus Domingo auf der Insel verbreiteten. Das schwarze Volk hatte wiederhohlt gesiegt, und besonders ein junger, vor kurzem aus Europa angekommener Neger sich durch Wunder der Tapferkeit ausgezeichnet. „Wie heißt er?“ – rief Sir Robert, indem er die Hand des erzählenden Kapitäns mit Heftigkeit ergriff. – „William.“ – erwiederte der Mann – „Sollten Sie ihn kennen?“ – „Er war mein Sohn!“ – „Unmöglich! Ich sage Ihnen, es ist ein Neger!“ – „Gleichviel! Wann segeln Sie zurück?“ – „Wohin?“ – „Nach Domingo.“ – „Das vor wolle mich der Himmel bewahren! Ich bin durch ein Wunder entkommen. Das Leben eines jeden Europäers ist dort verwirft.“ – „So schlimm wird es nicht sein!“ – „Viel schlimmer als Sie glauben. Das werden Sie bestätigt finden, wofern es noch möglich ist, schriftliche Nachrichten zu erhalten.“

Aber, ungeachtet Sir Robert das Aeußerste versuchte, wurden diese vergeblich erwartet. Endlich schien es ihm ausgemacht, daß er sie in England finden müsse; aber die Frage, ob Molly ihn dahin begleiten werde, fiel jetzt schwer auf sein Herz. Seine Empfindung gegen sie war mit der vorigen gar nicht mehr zu vergleichen. In Molly ruhte schon sein eigentliches Leben. Von ihr verlassen, lehrte er, wie ein abgeschiedener Geist, ein eine Wüste zurück.

Molly war nicht minder ergriffen. Jetzt kannte sie ihre Empfindung gegen William und mußte sie Mitleiden nennen. Aber nun offenbarte ihr täglich einer der vollkommensten Männer Eigenschaften, Gesinnungen, deren bloße Beschreibung sie zum Enthusiasmus hingerissen hätte, – und dieser Mann liebte sie, das war nicht zu verkennen. – Molly zitterte bey dem Namen Malaga.

So, sich wechselsweise suchend und fliehend, begegneten sie sich am Ufer, als ein Schiff am südwestlichen Horizonte erschien. „Molly! Molly! – rief Sir Robert, nach der Gegend hindeutend und ihre Hand schnell an sein Herz ziehend. Aber Molly erwiederte den Ausruf nicht, und Sir Robert würde mehr Bestürzung als Freude auf ihrem Gesichte bemerkt haben, wäre sein Blick nicht unverwandt auf das Schiff gerichtet gewesen.

Es näherte sich, man entdeckte die portugiesische Flagge, und machte Anstalt zur Begrüßung, während es, von einem frischen Winde getrieben, in kurzem den Hafen erreichte.

Es kam von Rio Janerio und hatte allenthalben, wo es angelegt, die Nachricht von dem völligen Aufstande Domingo’s bestätigt gefunden, aber von den nähern Umständen nichts bestimmtes erfahren. So war denn Sir Roberts Verlangen abermals mehr gereißt, als befriedigt, und der Entschluß, sich des portugiesischen Schiffes zur Rückreise nach Europa zu bedienen, schien nun der zweckmäßigste zu sein. Da Molly zugleich, wollte sie nicht nach England, auf den Weg zu ihrer Verwandten gebracht wurde, war auch die gefürchtete Trennung, wenigstens bis zur Ankunft in Lissabon, verschoben. So bestiegen beide das Schiff, doch ohne sich weder ihre Hoffnungen noch ihre Besorgnisse mitgetheilt zu haben.

Aber schon mehrere Wochen nach ihrer Ankunft in Lissabon war Molly’s Verwandte noch nicht genannt, und eben so wenig wurde ihrer bey der Ankunft eines englischen Schiffes gedacht. Sir Robert und Miß Molly, Miß Molly und Sir Robert, diese Namen hörten sie so oft mit einander verbinden, sie wurden mit so zarter Achtung, mit so herzlicher Bedeutung genannt, daß ihr verbundener Klang ihnen wie die Gewohnheit des Lebens wurde, und Molly war schon wieder mit Sir Robert eingeschifft, ehe sie sich erinnerte, daß sie ihrer Verwandten wenigstens einen Besuch hätte abstatten können.

Die Fahrt war glücklich; aber sie kamen in England mit der Gewißheit an, daß, in welchem Verhältnisse es auch sei, sie ohne einander nicht mehr leben könnten. Gleichwohl waren sie zu jedem Opfer entschlossen, sobald William seine frühern Ansprüche geltend machen würde, und Sir Robert bot mit verdoppeltem Eifer alles auf, sich Gewißheit zu verschaffen.

Vierzehn Tage nach ihrer Ankunft übergab Sir Roberts Banquier ihm einen Brief, den er haftig und zitternd, in Molly’s Gegenwart, ergriff. Er wollte den Mann bewillkommen, aber die Stimme versafte ihm es. Dieser, auf wichtige Nachrichten schließend, war sein genug, sich unter einem Vorwande sogleich zu entfernen. Jetzt war Sir Robert mit Molly allein, aber der Brief noch immer unerbrochen in seinen Händen Molly erkannte Williams Hand, ein Schauer durchfuhr ihre Glieder, und sie mußte sich halten, um nicht zu sinken.

Sir Robert bemerkte es, leitete sie schnell zu einem Sitze, und sagte leise: „Ja! er ist von William!“ Plötzlich aber rief er, vor sie hin tretend und den Brief hoch empor haltend: „Molly, eh’ ich ihn öffne, wiederhol’ ich hier noch ein Mal laut meinen heimlichen Schwur, nichts zu thun, was der Freundschaft, was des großen Zweckes, für den ich William bildete, unwürdig wäre. Molly, haben Sie meinen Schwur gehört?“ – Ein Strom unaufhaltsamer Thränen, welcher aus Molly’s Augen brach, diente ihm statt Antwort. Er setzte sich, öffnete den Brief und las:

Mein theurer, unvergeßlicher

Wohlthäter!

William hat Dir Schmerz verursacht; er selbst fühlte den höchsten. Ein Trost bleibt ihm, er kann, was er nie hoffte, er kann vergelten. Dir verdankt er sein besseres Leben; er gibt Dir das seinige, er gibt Dir Molly dafür. Verschmähe nicht Williams Opfer, denn ihm würde es nicht frommen. Lebt er sein glückliches, so lebt er ein würdiges Leben. Ein großes Ziel steht vor seinem Blick; er wird es erreichen. In drei siegreichen Schlachten hat er sich den Namen Retter erworben. Mein Wohlthäter! abgefallene Ketten klingen sehr schön, und so bleibt William, von Molly verlassen, nicht ohne herzstärkenden Wohlklang.

Was ist es mit diesem Namen? – Muß William nun schwach werden? – Wird er vergessen, daß die Natur ihn nicht bildete für die himmlische Weiße? – Molly! ich entsage Dir! Gib mir einen Ersatz! Laß mich den edelsten Sterblichen glücklich wissen! Doch auch von ihm, der so vieles gegeben, fordere ich noch, fordere den Eid, allen seinen Nachkommen die Pflicht des Kampfes für die Rechte meines Volks aufzulegen.

Lebt wohl! William geht in die Schlacht.

„Mein William!“ – rief Sir Robert – „so seh’ ich dich nicht wieder! – O der Eid ist längst geschworen! Er wird gehalten werden! – Du edler Jüngling! erst jetzt fühl’ ich ganz, was du mir warst!“

Den dem laut gerufenen Namen William drängten sich mehrere Bediente herzu, und baten mit Heftigkeit, man möge ihnen die Nachrichten mittheilen. Er hatte sich allgemeine Liebe und Achtung erworben, und man drang in Sir Robert, seine Rückkehr zu verlangen. Aber statt seiner langte sechs Monate darauf die Nachricht seines Todes an, welche das ganze Haus in die Trauer wie um einen Sohn versetzte. Sir Robert und Molly legten sie wirklich an, und ihre beiderseitige Empfindung erlaubte ihnen zu denken. Nur durch Molly’s Vater wurde sie plötzlich herbeigeführt. Er wollte ihr einen reichen Wucherer aufbringen und konnte nur durch Sir Roberts bestimmte Erklärung beruhigt werden.

Kurz darauf wurde die Heirath vollzogen, und ein schöneres, einander würdigeres Paar hatte man lange nicht gesehn. Durch zwei wunderliebliche Kinder, einen Knaben und ein Mädchen, fanden sie ihr Glück noch erhöht, und es würde keines Zuwachses fähig gewesen sein, hätte der Gedanke an William es nicht manchmal getrübt.

Eines Tages, als sie eben auf ihrem Landgute mit den ersten Strahlen des Frühlings angekommen waren und in einem Gartensaale von ihren Kindern umspielt wurden, stieß die kleine Betty plötzlich ein durchbringendes Geschrei und und verbarg das Gesicht in den Schooß der Mutter. Auf die Frage, was ihr fehle, zeigte sie nur immer mit dem Händchen rückwärts nach der Thür, und man sah ein ganz schwarzes, krauses Köpfchen hereinkucken.

Sir Robert stand auf, die Thür zu öffnen, aber noch ehe er sie erreichte, hatte der kleine Georg einen eben so kleinen Neger hereingezogen, der mit funkenden Augen den prächtigen Saal nach allen Richtungen durchlief. Molly wurde von einem heftigen Zittern ergriffen, und Sir Robert beugte sich zu dem Knaben, mit einer Rührung, die er nicht unterdrücken konnte.

„Woher kommst du, mein Sohn?“ – fragte er ihn endlich. – „Dort aus dem Wäldchen;“ – antwortete der kleine Schwarze – „es find Blumen da und mein Vater ist auch da. „ – „Wie heißt dein Vater„ – „William der Retter.„ –„Mein William! „ – rief Sir Robert, und stürzte, indem er das Kind mit sich fortriß, aus dem Saale.

Da stand der edle Neger, die Stirn an einen Baum gedrückt; aber den seinen laut gerufenen Namen wandte er das thränenschwere Auge und fühlte sich einen Augenblick darauf von Sir Roberts Armen umschlungen.

Keiner von beiden konnte ein Wort vorbringen; aber als Molly erschien, rief William, sich losreißend: „Zurück, Molly! Ich habe ein schwarzes Weib genommen! Die Nachricht meines Todes war vergeblich! So mußt’ ich dich zwingen. Aber vergessen sollst du mich nicht! Ich lasse euch meinen Sohn! Er heißt William! Ein Freigeborner! Lebt wohl! Ich darf nicht verweilen! – Zurück! Haltet mich nicht! Wenn das Werk ganz vollendet ist, sehn wir uns wieder!“


Source: Fischer, Caroline Auguste. 1818. William der Neger. In: Anita Runge, ed. Frühe Frauenliteratur in Deutschland 2. Vol 2. Kleine Erzählungen und romantische Skizzen. Reprint 1988. Hildesheim: Georg Olms Verlag, p.29-73.


 

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