A Spectacular Baptism in St Ottilien (1889)

Intro



Die Taufe dreier Neger in St. Ottilien

[…] Wider Erwarten haben diese Kinder der heißen Zone den nordischen Winter mit seinem vorher nie gesehenen Schnee und Eis ganz munter und gesund überstanden; sie arbeiten und lernen mit Fleiß und Intelligenz und seit sie unter dem Einfluß gütiger, mild-ernster Behandlung gehorchen gelernt haben, benehmen sie sich so musterhaft und sind bei allem Frohsinn so sittsam, daß sie auch unsern “Weißen” zum Vorbild dienen können. Hand in Hand mit dem Unterricht im Deutschen, in welchem sie sich schon ohne Schwierigkeit ausdrücken, ging ihre Unterweisung in den Grundwahrheiten der Religion. Der fünfzehnjährige Akwa Mbangä aus Camerun war der erste, welcher das Verlangen äußerte, Christ zu werden und die hl. Taufe zu empfangen. Es war eine eigentümlich tröstliche Wahrnehmung, in diesen jungen Heiden, – die übrigens noch nie zuvor zu einem Gott oder Götzen gebetet hatten, – die Gnade wirken zu sehen, wie die heilsamen Erkenntnisse täglich wuchsen und sich in einer sichtlichen allmählichen Umwandlung und Veredlung des Charakters äußerten. Die Taufe von Akwa Mbangä, eines Verwandten des “Königs” Akwa, fand am Feste der hl. Drei Könige statt. Den Taufakt nahm Mgr. Guidi, der Uditore der päpstlichen Nuntiatur vor. Derselbe berichtete hierüber an den hl. Vater in Rom (in der offiziellen Mittheilung über das Schicksal der Mission von Pugn, welche am siebten Tage darauf die Bluttaufe empfing). In der uns zugekommene Kopie dieses Berichtes heißt es unter andrem: “Diese Negerjünglinge, die mit der Einwilligung ihrer Eltern von einem preußischen Beamten aus Camerun nach Deutschland gebracht wurden, um da mit der Kultur vertraut zu werden und welche dann der Sorge des P. Amrhein anvertraut wurden sind überaus wohlbegabt und machen unter der vorzüglichen Erziehung, die sie im Missionshause von St Ottilien emfangen, bewunderungswürdige Fortschritte. Nachdem sie mit größtem Eifer den Katechismus erlernt hatten, verlangten sie aus eigenem Antrieb inständig nach der hl. Taufe, welche vorderhand nur Einem von ihnen, der hiefür am besten vorbereitet war, gespendet wurde. Die andern sollten zu Ostern dieses Glückes teilhaftig weden.(Es geschah zu Pfingsten. D.R.) Die fromme Ceremonie mußte in der benachbarten Pfarrerkirche zu Ersing vorgenommen werden, da die Kapelle der Anstalt die Menge des Volkes, das aus der ganzen Umgegend zusammengeströmt war, nicht zu fassen vermocht hätte. Pathe des Neophyten war der Prokura Herr Dr. Windthorst, der sich um die Erziehung der drei Neger sehr interressiert; und Pathin war eine fromme, distinguirte Dame hiesiger Hauptstadt.” (Die ausgezeichnete katholische Dichterin und Schrifstellerin Emilie Ringseis. D.R.) So der Nuntiaturbericht. Akwa Mbangä nennt sich nun Andreas Ludwig Johann Mbangä.

Am diesjährigen hl. Pfingstmontage, an welchem die Epistel der hl. Messe die Taufe der ersten Christen aus dem Heidentum erzählt, fand die Taufe der zwei andern heidenischen Jünglinge statt, diesemal im schön geschmücktem Kirchlein des Mutterhauses der Genossenschaft. Der geistliche Vater des Hauses nahm selbst die hl. Handlung vor nach dem Ritus der “Taufe Erwachsener”, welcher von einer tiefgreifenden Macht und Gewalt der Gebete, Beschwörungen und sinnvollen Ceremonien ist. Der apostolische Propräfekt P. Bonifazius hielt amt und predigt. Timba aus Cammerun wählte sich den heiligen Josef zum Patron und heißt nun Josef; Dague aus Liberia, – einem nördlich gelegenen Küstenlande Westafrikas – wünschte den Namen des hl. Vaters zu erhalten, Leo. Es war ein Fest, an dem sich Engel und Menschen erfreuten und dem auch Himmel und Erde im Feierkleid des schönsten Frühlings zuzulächeln schienen. Wie glücklich fühlen sich nun diese Lieblinge der göttlichen Vorsehung! Kurz vorher hatte Andreas Mbangä von seinem Vetter, dem “Prinzen” Akwa, der in Paderborn studiert, einen wohlgeschriebenen Brief bekommen, worin er ihm zu seiner Taufe gratuliert und sagt, er selbst sei noch nicht Christ, bereite sich aber eifrig auf die hl. Taufe vor. Mit verständiger Vorsorge drückt er den Wunsch aus, daß sie doch bei ihrer einstigen Heimkehr nach Kamerun von Missionären begleitet sein möchten, damit sie so ihr christliches Leben in ihrer Heimat fortsetzen und damit auch die “Leute seines Vaters” (des Königs Akwa) Christen warden könnten.


‘Die Taufe dreier Neger in St Ottilien’, Missionsblätter St Ottilien, Jg.1 (1889), S. 586-591.