Darstellung von Feirefiz im Kaiserzeitalter (1888)

Der Ritterroman Parzival aus dem frühen dreizehnten Jahrhundert von Wolfram von Eschenbach zeigt mehrere afrikanische Figuren. Am faszinierendsten ist vielleicht Feirefiz, der gemischtrassige Sohn von Parzivals weißem christlichen Vater Gahmuret und der schwarzen heidnischen Königin Belkane. Wolfram macht Feirefiz’ gemischte Abstammung kenntlich, indem er ihm schwarz-weiß gescheckte Haut „wie bei einer Elster” gibt. Diese ungewöhnlichen Merkmale haben den Zeichnern im Laufe der Jahrhunderte Komplikationen bereitet, und obwohl es unterschiedliche künstlerische Darstellungen von Feirefiz gibt, wird er oft nicht in die Illustrationen des Textes eingearbeitet. Diese Bilder stammen aus Engelmanns 1888 illustrierter Kinderversion von Parzival. Engelmann zieht Belkane nicht in seine Version mit ein, aber er stellt Feirefiz am Ende der Geschichte vor, als er auf der Suche nach seinem Vater in das christliche Europa kommt, und stattdessen seinem Halbbruder Parzival begegnet. Im Gegensatz zu dem, was man erwarten könnte, spiegeln das Buch und seine Bilder nicht direkt den Rassismus der Kolonialzeit wider, sondern eher das Gefühl des mittelalterlichen Textes.

Engelmanns Darstellung ist bemerkenswert, da viele moderne Versionen — allen voran Wagners Parsifal — sowohl Feirefiz als auch seine Mutter ganz ausschließen. Auf diesen Bildern ist Feirefiz erkennbar schwarz, mit dunkler Haut und charakteristisch kurzem, stark gewelltem Haar. Er hat keine sichtbaren hellen Flecken auf seinem Körper, obwohl nicht viel von seiner Haut im Allgemeinen sichtbar ist und sein Gesicht nie vollständig gezeigt wird. Er erhält andere markante Kennzeichen, die mit Sarazenen in Verbindung gebracht wurden: einen mit Turban eingehüllten Helm, einen Krummsäbel und einen goldenen Reifen-Ohrring in einem Ohr. Es ist unklar, warum Feirefiz als einfach schwarz dargestellt wird, aber vielleicht bieten seine Accessoires einige Hinweise. Sie suggerieren einen Exotismus, der in zeitgenössischen Darstellungen nicht-weißer Männer erkennbar ist, und identifizieren ihn als archetypischen nicht-weißen Fremden. Vielleicht deutet das Fehlen der hellen Haut von Feirefiz auf einen Widerwillen hin, diese fremde schwarze Hälfte mit der weißen christlichen Hälfte von Feirefiz in Einklang zu bringen, ein Unbehagen mit der Rassenmischung, die für die damalige Zeit charakteristisch war. 

Dennoch ist wichtig zu beachten, dass Feirefiz nicht als charakteristisch anders dargestellt wird als die anderen Ritter; wie bei anderen weißen Rittern fallen höfische Frauen bei ihm in Ohnmacht, und ein Bild zeigt ihn bei der Heirat mit der weißen Repanse. In diesem Bild treffen sich ihre weißen und schwarzen Hände deutlich in der Mitte des Bildes als Zeichen ihrer Vereinigung. Wie der mittelalterliche Text stellt Engelmanns Version der Geschichte Feirefiz als ‚ehrenhaften Heiden‘ dar und beschreibt ihn nicht in einer sonst abwertenden Sprache.

Die Bilder und der entsprechende Text von Engelmanns Parzival veranschaulichen eine Kontinuität zwischen den Darstellungen des Mittelalters und der Kolonialzeit, die überraschend erscheinen mögen, insbesonders wenn man andere künstlerische Darstellungen des Parzival-Textes aus dem späten 19. Jahrhundert betrachtet. So ist beispielsweise Wagners Ausradierung der schwarzen Figuren aus seinem Parsifal aus 1882 vielleicht das Ergebnis von Wagners bekanntem Rassismus. Ein Gemälde von Parzival und Feirefiz in Schloss Neuschwanstein hingegen zeigt Feirefiz als hellhäutigervielleicht orientalisch und muslimischmit kaum sichtbaren schwarzen Flecken auf seinem Gesicht. Damit fallen Engelmanns Darstellungen auf. Sie sind möglich, weil Engelmann dem Text nahe bleibt, der der Ära des wissenschaftlichen Rassismus und seinen anschließend visuellen und literarischen Darstellungen vorausgeht.

Isobel Sanders (übersetzt von Lilian Gergely)


English

Quelle: Emil Engelmann, Parzival. Das Lied vom Parzival und vom Gral (Stuttgart: Paul Neff, 1888).


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