Kleist’s impossible romance in the middle of a race war (1811)

The German author Heinrich von Kleist was renowned for mysterious and intense stories that explored the complicated nature of the individual, ambiguous motives, and the depths of corruption within. In his 1811 novella The Betrothal in Santo Domingo (Die Verlobung in Santo Domingo), he tells the tale of a romance doomed by the racial tensions unleashed by the Haitian revolution.

Kleist is not interested in the complicated course of events, setting the story in “the time when the blacks were murdering the whites,” the period in 1803-4 when General Dessalines had ordered the massacre of French settlers on the island. The story centers on the household of the ludicrously named Congo Hoango. Congo Hoango was a “terrible old negro” who did not appreciate how well he had been treated by his master. When the revolution came, he not only burned his master’s plantation to the ground but also murdered the entire household and dedicated himself to the capture and murder of every white person he encountered. He enlists his common law wife Babekan, a “mulatto,” and her fifteen-year-old “mestiza” daughter Toni in this mission. Their role was to detain any white refugees, using Toni as a sexual lure, until Congo Hoango could amass forces to murder them. They carry out their mission with enthusiasm until a Swiss visitor named Gustav von der Ried arrives. He comes seeking provisions for his family, who remain hidden in the woods, so they can make their escape to a French fortress. He and Toni fall in love and consummate their relationship, and Toni then works to undermine her mother’s plot. The only way she can save her beloved’s life, however, is to pretend to betray him even as she calls the family in from the woods to save them both. She accomplishes her task, but Gustav shoots Toni before she can explain her deception. Her death drives Gustav to such despair that he “blew his brains out,” and his family is forced to travel on without them. They bury the couple in the woods and, upon returning safely to Europe, they erect a monument to their memory.

Kleist’s use of race is as fascinating as it is contradictory. He attributes the murderous rage of Congo Hoango and Babekan, which Gustav suggests far outweighs the harms done under slavery, to their “negro” blood as well as their personal experiences. He also shows how the women use their partial “white” ancestry to play on the sympathies of their targets. He even goes out of his way to turn Toni from a mestiza into a fully-fledged white woman; despite her “yellowish” complexion, which disgusts Gustav at one point, she insists at the end that “I am white.” Denying her murderous mother and planning to travel as Gustav’s wife to Europe requires her to reject any blackness. 

Insofar as it denigrates blackness and valorizes whiteness, the story clearly reifies racial categories being defined in Enlightenment-era debates over human difference and slavery. At the same time, the manipulations of race throughout the story also point to the fiction of such racial categories. Kleist plays with this ambiguity, using the fiction of race to introduce uncertainty and dramatic tension. 

 


 

 



Once they have successfully drawn Gustav into their house, Babekan and Toni try to convince him that they are on his side. Babekan insists that they, too, are innocents persecuted on account of their white ancestry. Babekan, as the daughter of a white Cuban, and Toni, born in Europe from her mother’s relationship with a white Frenchman, have to use their wits to keep the ravaging blacks at bay. Congo Hoango oppresses them because they disapprove of his venemous hatred and try to help white refugees. Gustav is naive enough to be drawn in by their story, but it will be his solitary interactions with Toni that convince him to let his guard down. In showing us how the women lure white men to their doom, Kleist also gives us a picture of race as an unstable, easily manipulated feature.

 

“Ja, diese rasende Erbitterung,” heuchelte die Alte. “Ist es nicht, als ob die Hände eines Körpers, oder die Zähne eines Mundes gegen einander wüten wollten, weil das eine Glied nicht geschaffen ist, wie das andere? Was kann ich, deren Vater aus St. Jago, von der Insel Cuba war, für den Schimmer von Licht, der auf meinem Antlitz, wenn es Tag wird, erdämmert? Und was kann meine Tochter, die in Europa empfangen und geboren ist, dafür, daß der volle Tag jenes Weltteils von dem ihrigen widerscheint?”

“Wie?” rief der Fremde. “Ihr, die Ihr nach Eurer ganzen Gesichtsbildung eine Mulattin, und mithin afrikanischen Ursprungs seid, Ihr wäret samt der lieblichen jungen Mestize, die mir das Haus aufmachte, mit uns Europäern in einer Verdammnis?”

“Beim Himmel!” erwiderte die Alte, indem sie die Brille von der Nase nahm; “meint Ihr, daß das kleine Eigentum, das wir uns in mühseligen und jammervollen Jahren durch die Arbeit unserer Hände erworben haben, dies grimmige, aus der Hölle stammende Räubergesindel nicht reizt? Wenn wir uns nicht durch List und den ganzen Inbegriff jener Künste, die die Notwehr dem Schwachen in die Hände gibt, vor ihrer Verfolgung zu sichern wüßten: der Schatten von Verwandtschaft, der über unsere Gesichter ausgebreitet ist, der, könnt Ihr sicher glauben, tut es nicht!”

“Es ist nicht möglich!” rief der Fremde; “und wer auf dieser Insel verfolgt euch?”

“Der Besitzer dieses Hauses,” antwortete die Alte: “der Neger Congo Hoango! Seit dem Tode Herrn Guillaumes, des vormaligen Eigentümers dieser Pflanzung, der durch seine grimmige Hand beim Ausbruch der Empörung fiel, sind wir, die wir ihm als Verwandte die Wirtschaft führen, seiner ganzen Willkür und Gewalttätigkeit preis gegeben. Jedes Stück Brot, jeden Labetrunk den wir aus Menschlichkeit einem oder dem andern der weißen Flüchtlinge, die hier zuweilen die Straße vorüberziehen, gewähren, rechnet er uns mit Schimpfwörtern und Mißhandlungen an; und nichts wünscht er mehr, als die Rache der Schwarzen über uns weiße und kreolische Halbhunde, wie er uns nennt, hereinhetzen zu können, teils um unserer überhaupt, die wir seine Wildheit gegen die Weißen tadeln, los zu werden, teils, um das kleine Eigentum, das wir hinterlassen würden, in Besitz zu nehmend”

“Ihr Unglücklichen!” sagte der Fremde; “ihr Bejammernswürdigen!”

 


As Babekan and Toni try to win Gustav’s trust, they ask him about his experiences, and he tells them of the treachery that he and his family barely escaped. When Toni asks why the whites are so despised, Gustav weighs the righteousness of the former slaves’ outrage. He acknowledges the immorality of slavery but also describes criticizes the desire for freedom as a madness that has driven people to unjustifiable vindictiveness. Here Kleist shows Toni beginning to question her past deeds and presents, through Gustav, a fervent critique of the violence against whites. But in the end Gustav is troubled and sees a rebuke where none exists. Is Kleist suggesting how hollow this argument sounds or merely pointing to Gustav’s fear of a conspiracy?

 

Toni fragte: wodurch sich denn die Weißen daselbst so verhaßt gemacht hätten? – Der Fremde erwiderte betroffen: durch das allgemeine Verhältnis, das sie, als Herren der Insel, zu den Schwarzen hatten, und das ich, die Wahrheit zu gestehen, mich nicht unterfangen will, in Schutz zu nehmen; das aber schon seit vielen Jahrhunderten auf diese Weise bestand! Der Wahnsinn der Freiheit, der alle diese Pflanzungen ergriffen hat, trieb die Negern und Kreolen, die Ketten, die sie drückten, zu brechen, und an den Weißen wegen vielfacher und tadelnswürdiger Mißhandlungen, die sie von einigen schlechten Mitgliedern derselben erlitten, Rache zu nehmen. – Besonders, fuhr er nach einem kurzen Stillschweigen fort, war mir die Tat eines jungen Mädchens schauderhaft und merkwürdig. Dieses Mädchen, vom Stamm der Negern, lag gerade zur Zeit, da die Empörung aufloderte, an dem gelben Fieber krank, das zur Verdoppelung des Elends in der Stadt ausgebrochen war. Sie hatte drei Jahre zuvor einem Pflanzer vom Geschlecht der Weißen als Sklavin gedient, der sie aus Empfindlichkeit, weil sie sich seinen Wünschen nicht willfährig gezeigt hatte, hart behandelt und nachher an einen kreolischen Pflanzer verkauft hatte. Da num das Mädchen an dem Tage des allgemeinen Aufruhrs erfuhr, daß sich der Pflanzer, ihr ehemaliger Herr, vor der Wut der Negern, die ihn verfolgten, in einen nahegelegenen Holzstall geflüchtet hatte: so schickte sie, jener Mißhandlungen eingedenk, beim Anbruch der Dämmerung, ihren Bruder zu ihm, mit der Einladung, bei ihr zu übernachten. Der Unglückliche, der weder wußte, daß das Mädchen unpäßlich war, noch an welcher Krankheit sie litt, kam und schloß sie voll Dankbarkeit, da er sich gerettet glaubte, in seine Arme: doch kaum hatte er eine halbe Stunde unter Liebkosungen und Zärtlichkeiten in ihrem Bette zugebracht, als sie sich plötzlich mit dem Ausdruck wilder und kalter Wut, darin erhob und sprach: eine Pestkranke, die den Tod in der Brust trägt, hast du geküßt: geh umd gib das gelbe Fieber allen denen, die dir gleichen! – Der Offizier, während die Alte mit lauten Worten ihren Abscheu hierüber zu erkennen gab, fragte Toni: ob sie wohl einer solchen Tat fähig wäre? Nein! Sagte Toni, indem sie verwirrt vor sich niedersah. Der Fremde, indem er das Tuch auf dem Tische legte, versetzte: daß, nach dem Gefühl seiner Seele, keine Tyrannei, die die Weißen je verübt, einen Verrat, so niederträchtig und abscheulich, rechtfertigen könnte. Die Rache des Himmels, meinte er, indem er sich mit einem leidenschaftlichen Ausdruck erhob, würde dadurch entwaffnet; die Engel selbst, dadurch empört, stellten sich auf Seiten derer, die Unrecht hätten, und nähmen, zur Aufrechthaltung menschlicher und göttlicher Ordnung, ihre Sache! Er trat bei diesen Worten auf einen Augenblick an das Fenster, und sah in die Nacht hinaus, die mit stürmischen Wolken über den Mond und die Sterne vorüber zog; und da es ihm schien, als ob Mutter und Tochter einander ansähen, obschon er auf keine Weise merkte, daß sie sich Winke zugeworfen hätten: so übernahm ihn ein widerwärtiges und verdrießliches Gefühl; er wandte sich und bat, daß man ihm das Zimmer anweisen möchte, wo er schlafen könne.

 


Gustav is unsettled by his attraction to Toni, which is undermining his innate disgust and suspicion of his hosts. He wonders if her apparent feelings for him are sincere, so he presses her, literally and metaphorically, and he is won over by her sweet innocence. We also learn, as she explains why she had turned down a marriage proposal from a prosperous black neighbour, that she is drawn to Gustav in part because he is a white man.

 

“Warum lehntest du denn seinen Antrag ab?” fragte der Fremde. Er streichelte ihr freundlich das Haar von der Stirn und sprach: “gefiel er dir etwa nicht?” Das Mädchen, indem sie kurz mit dem Kopf schüttelte, lachte; und auf die Frage des Fremden, ihr scherzend ins Ohr geflüstert: ob es vielleicht ein Weißer sein müsse, der ihre Gunst davon tragen solle, legte sie sich plötzlich, nach einem flüchtigen, träumerischen Bedenken, unter einem überaus reizenden Erröten, das über ihr verbranntes Gesicht aufloderte, an seine Brust. Der Fremde, von ihrer Anmut und Lieblichkeit gerührt, nannte sie sein liebes Mädchen, und schloß sie, wie durch göttliche Hand von jeder Sorge erlöst, in seine Arme. Es war ihm unmöglich zu glauben, daß alle diese Bewegungen, die er an ihr wahrnahm, der bloße elende Ausdruck einer kalten und gräßlichen Verräterei sein sollten. Die Gedanken, die ihn beunruhigt hatten, wichen, wie ein Heer schauerlicher Vögel, von ihm; er schalt sich, ihr Herz nur einen Augenblick verkannt zu haben, und während er sie auf seinen Knieen schaukelte, und den süßen Atem einsog, den sie ihm heraufsandte, drückte er, gleichsam zum Zeichen der Aussöhnung und Vergebung, einen Kuß auf ihre Stirn.

 


After Gustav and Toni have consummated their relationship, Toni is deeply unsettled. She is ashamed of her transgression with Gustav but also comes to question her participation in Congo Hoango’s plots. She challenges the racial animus that has driven them to murder, and Babekan, suspicious, will wait for Congo Hoango to return and carry out the deed.

 

“Gewiß!” erwiderte Toni, indem sie die Stimme senkte. “Was hat uns dieser Jüngling, der von Geburt gar nicht einmal ein Franzose, sondern, wie wir gesehen haben, ein Schweizer ist, zu Leide getan, daß wir, nach Art der Räuber, über ihn herfallen, ihn töten und ausplündern wollen? Gelten die Beschwerden, die man hier gegen die Pflanzer führt, auch in der Gegend der Insel, aus welcher er herkömmt? Zeigt nicht vielmehr alles, daß er der edelste und vortrefflichste Mensch ist, und gewiß das Unrecht, das die Schwarzen seiner Gattung vorwerfen mögen, auf keine Weise teilt?”

Die Alte, während sie den sonderbaren Ausdruck des Mädchens betrachtete, sagte bloß mit bebenden Lippen: daß sie erstaune. Sie fragte, was der junge Portugiese verschuldet, den man unter dem Torweg kürzlich mit Keulen zu Boden geworfen habe? Sie fragte, was die beiden Holländer verbrochen, die vor drei Wochen durch die Kugeln der Neger im Hofe gefallen wären? Sie wollte wissen, was man den drei Franzosen und so vielen andern einzelnen Flüchtlingen, vom Geschlecht der Weißen, zur Last gelegt habe, die mit Büchsen, Spießen und Dolchen, seit dem Ausbruch der Empörung, im Hause hingerichtet worden wären? “Beim Licht der Sonne,” sagte die Tochter, indem sie wild aufstand “du hast sehr Unrecht, mich an diese Greueltaten zu erinnern! Die Unmenschlichkeiten, an denen ihr mich Teil zu nehmen zwingt, empörten längst mein innerstes Gefühl; und um mir Gottes Rache wegen alles, was vorgefallen, zu versöhnen, so schwöre ich dir, daß ich eher zehnfachen Todes sterben, als zugeben werde, daß diesem Jüngling, so lange er sich in unserm Hause befindet, auch nur ein Haar gekrümmt werde.”

“Wohlan,” sagte die Alte, mit einem plötzlichen Ausdruck von Nachgiebigkeit: “so mag der Fremde reisen! Aber wenn Congo Hoango zurückkömmt”, setzte sie hinzu, indem sie um das Zimmer zu verlassen, aufstand, “und erfährt, daß ein Weißer in unsern Hause übernachtet hat, so magst du das Mitleiden, das dich bewog, ihn gegen das ausdrückliche Gebot wieder abziehen zu lassen, verantworten.”

 


After Gustav’s family has successfully routed the forces of Congo Hoango and captured both him and Babekan, Toni is  distraught at the thought of leaving them and tries to depart on good terms. Babekan’s spite pushes Toni to reject their racial animus and stand on the side of the whites. Babekan also foreshadows Toni’s tragic fate.

 

Babekan, welcher Toni sich näherte und zum Abschied in einer Rührung, die sie nicht unterdrücken konnte, die Hand geben wollte, stieß diese heftig von sich. Sie nannte sie eine Niederträchtige und Verräterin, und meinte, indem sie sich am Gestell des Tisches, an dem sie lag, umkehrte: die Rache Gottes würde sie, noch ehe sie ihrer Schandtat froh geworden, ereilen. Toni antwortete: “ich habe euch nicht verraten; ich bin eine Weiße, und dem Jüngling, den ihr gefangen haltet, verlobt; ich gehöre zu dem Geschlecht derer, mit denen ihr im offenen Kriege liegt, und werde vor Gott, daß ich mich auf ihre Seite stellte, zu verantworten wissen.”

 


In the end, the love of Gustav and Toni was doomed by the very circumstances that brought them together. While they rest together in an unmarked grave in Haiti, Gustav’s family escape and erect a monument to them in Switzerland. Kleist’s ending leaves unanswered the question of how their relationship would have worked in Europe.

 

Am Möwenweiher, wo man die Familie fand, grub man, unter vielen Tränen, den Leichen ein Grab; und nachdem man noch die Ringe, die sie an der Hand trugen, gewechselt hatte, senkte man sie unter stillen Gebeten in die Wohnungen des ewigen Friedens ein. Herr Strömli war glücklich genug, mit seiner Frau und seinen Kindern, fünf Tage darauf, Sainte Lüze zu erreichen, wo er die beiden Negerknaben, seinem Versprechen gemäß, zurückließ. Er traf kurz vor Anfang der Belagerung in Port au Prince ein, wo er noch auf den Wällen für die Sache der Weißen focht; und als die Stadt nach einer hartnäckigen Gegenwehr an den General Dessalines überging, rettete er sich mit dem französischen Heer auf die englische Flotte, von wo die Familie nach Europa überschiffte, und ohne weitere Unfälle ihr Vaterland, die Schweiz, erreichte. Herr Strömli kaufte sich daselbst mit dem Rest seines kleinen Vermögens, in der Gegend des Rigi, an; und noch im Jahr 1807 war unter den Büschen seines Gartens das Denkmal zu sehen, das er Gustav, seinem Vetter, und der Verlobten desselben, der treuen Toni, hatte setzen lassen.

 


Source: Heinrich von Kleist, “Die Verlobung in Santo Domingo,” in Heinrich von Kleist’s ausgewählte Schriften, Bd. IV, Theil II, edited by Ludwig Tieck (Berlin: G. Reimer, 1847), 14-16, 21-23, 25-26, 31-33, 52, 57-58.